„Farm to table“ im Schutterhof

Anspiel der Biergartensaison 2016. Gleich zum Vatertag. Mit der Familie! Im Schutterhof. Frühling in der Luft. Und Allerlei der Jugendblasmusik Zuchering. Im Krug der Nordbräu 1516 Jubiläums-Sud.

Es folgt ein wunderbares „Farm to table“ sowie „Shake the hand that feeds you“ Erlebnis: Im Mittelpunkt ein Angusochse. Aus Weidehaltung vor den Toren der Stadt. Biozertifiziert nach Naturland (Biohof Wagner). Er findet über die Metzgerei Joseph Huber seinen Weg auf den Holzkohle(!)grill der Familie Mödl. Und dann auf unseren Tisch. Mit viel besseren Knödeln als letztes Jahr. Mit am Tisch sitzen: Karola und Manfred Wagner, sowie Claudia und Joseph Huber. Doch, das geht!

schutterhof ochse (1)

Manfred Wagner, Rafael u. Andrea Mödl, Joseph u. Claudia Huber

schutterhof ochse (15)schutterhof ochse (16)schutterhof ochse (17)schutterhof ochse (14)schutterhof ochse (13)schutterhof ochse (2)schutterhof ochse (22)schutterhof ochse (4)schutterhof ochse (5)schutterhof ochse (10)schutterhof ochse (11)schutterhof ochse (12)schutterhof ochse (19)schutterhof ochse (3)schutterhof ochse (6)schutterhof ochse (8)schutterhof ochse (7)schutterhof ochse (9)schutterhof ochse (20)schutterhof ochse (23)schutterhof ochse (21)schutterhof ochse (24)schutterhof ochse (25)schutterhof ochse (18)

Im Hohenloher Land

Anfang Februar in Nürnberg, nach der heurigen Biofach, lernte ich Martin Seefried auf einer Party (Danke Florian Bailey!) kennen. Der ausgebildete Koch und Metzgermeister betreibt in Abenberg (mittelfränkischer Landkreis Roth) seine Naturmetzgerei. Hier verarbeitet und veredelt er handwerklich ausschließlich Fleisch von der Bäuerlichen Erzeugergemeinschaft Schwäbisch Hall. Unter der gewichtigen(!) Losung „Wissen wo’s herkommt“ organisierte Seefried für Ende April einen „Bauernbesuch“ bei seinen Lieferanten. Einen ganzen Tag dem guten, sauberen und fairen Essen nachspüren… In angenehmer Gemeinschaft… Mit einem umtriebigen Gastgeber… Und überhaupt wollte ich schon lange Rudolf Bühler, dem Gründer der Erzeugergemeinschaft, einen Besuch abstatten: Aus dem Stegreif ließ ich mich auf die Gästeliste setzen!

Letzter Samstag – 9:00 Uhr – Treffpunkt bei den Seefrieds. Mit dabei Moritz, der(!) Ingolstädter Metzger Joseph Huber und dessen Tochter Pia. Für das gemeinsame automobile Reisen – bereits herrlich s l o w – stand ein Kässbohrer Setra S11 (Henschel-Motor mit 170 PS und Dachverglasung für den Panoramablick) von 1967 bereit. Damit ging es durch das wunderschöne Hohenloher Land. Unter anderem mit Pastrami und Beef Jerky:

besh (1)besh (8)besh (2)

besh (3)

Unsere anständigen Gastgeber: Cornelia und Martin Seefried

besh (4)besh (5)besh (6)besh (7)Angekommen in Wolpertshausen begrüßten uns Rudolf Bühler und Simon Rajan. Gemeinsam ging es sogleich auf eine der Eichelmastweiden. Anfang der 80er Jahre galt das Schwäbisch-Hällische Schwein („Mohrenköpfle“) als faktisch ausgestorben. Mit weniger als zehn Tieren begann Bühler zusammen mit engagierten Bauern der Region die Wiederbelebung der alten Landrasse. Heute gehören gut 1.500 Bauernhöfe zur Gemeinschaft, die nach dem Prinzip der bäuerlichen Selbsthilfe arbeitet und sich für die bäuerliche Regionalentwicklung in Hohenlohe engagiert. Das Schwäbisch-Hällische Schwein ist übrigens Passagier des Biodiversität-Projekts Arche des Geschmacks von Slow Food:

besh (11)besh (9)

besh (45)

Rudolf Bühler

besh (13)besh (10)besh (12)besh (15)besh (14)besh (17)besh (18)besh (16)besh (19)besh (22)besh (23)besh (20)besh (21)besh (24)Essen, was man retten will…!

besh (44)Ein weiteres, besonderes Anliegen Bühlers ist die Bereicherung der Esskultur durch gute, nachhaltig erzeugte Gewürze. Deshalb gründete er 1997 zusammen mit Hohenloher Bio-Bauern den Anbauverband Ecoland. Die Unternehmung umfasst heute weltweit 1.300 Bauernfamilien mit Projekten in Deutschland, Rumänien, Serbien und Indien. Die Sache ist ihm so wichtig, dass er uns kurzerhand zu sich nach Hause in seinen „Sonnenhof“ bat und dort ins Thema einführte. Inklusive einer Begehung des Gewürzlagers. 1000 Nasen müsste man haben…

besh (26)besh (27)besh (46)Weiter ging es nach Rosengarten zu Daniel Voigt, der sich als Wanderschäfer in der 7. Generation mit Leidenschaft dem Hohenloher Weidelamm (Merino-Landschafe) widmet:

besh (35)

besh (28)

Wanderschäfer Daniel Voigt

besh (32)besh (29)besh (30)besh (31)besh (33)besh (34)besh (36)besh (39)besh (42)besh (38)

besh (40)

Joseph Huber und Martin Seefried

besh (37)besh (41)besh (43)Es war einer dieser Tage, die sich am Abend wie eine halbe Woche Urlaub anfühlen. Herzlichen Dank für das dabei sein dürfen!

Fingerzeig (27) – Aus der Pfanne, vom Huber, im Diagonal

Es sind diese scheinbaren Kleinigkeiten, für die leider viel zu wenig Menschen einen Blick haben, die aber so wichtig sind und die den Unterschied machen. Sie zu verkünden ist eine stete Herzensangelegenheit von extra prima good. Unter uns – irgendjemand muss es machen!

Gestern Abend war im Diagonal Stammtisch von Slow Food Ingolstadt. Die beiden Wirte Norbertus von Jordans und Reinhard Maier nahmen dies zum Anlass, endlich eine empfindliche Lücke in ihrer Speisekarte zu schließen. In meinem Lobgesang auf ihre Currywürste hatte ich sie klar ausgemacht:

„Das Schnitzel kommt, schön wellig in Butterschmalz gebraten, aus der Pfanne. Auch seine Herkunft soll in Zukunft – das wurde mir versprochen 🙂 – erwähnenswert sein. Ich bestehe darauf! Speisekarten sind dem Mannschaftssport zuzurechnen. Da ist Geschlossenheit gefragt.“

Das Versprechen ist erfüllt – Danke!!!

diagonal huber (3)

Und wenn der Joseph Huber einige Bauern in der Region von der ökologischen Schweinehaltung überzeugt hat – er ist dran! – dann spricht ja nichts dagegen, dass… OK?!

diagonal huber (1)diagonal huber (5)diagonal huber (2)diagonal huber (4)(26) – Fingerzeig – (28).

Marginalie (39) – Ingolstadt schafft es einfach nicht

Volksfeste haben es heute nicht leicht. Anno dazumal im ereignisarmen Arbeitsjahr von allen sehnsüchtig erwartet um ungezügelter Lebensfreude endlich Raum zu geben, wurde ihnen bereits seit geraumer Zeit (auch) durch eine penetrante allgegenwärtige Spaß-, Party- und Eventkultur der Rang abgelaufen. Die vielen fast jederzeit zugänglichen Freizeitparks erschweren ihnen das Leben zusätzlich.

Stellt man sich diesen Veränderungen nicht, wird man nach hinten durchgereicht. Dort ist für mich das Ingolstädter Volksfest angekommen. Egal ob Pfingsten oder jetzt im Herbst. Nach dem eröffnenden – regelmäßig gelungenen! – Festzug versinkt die Veranstaltung für den Rest ihrer Zeit in Lieblosigkeit und Ballermann-Anmutung.

grafha1

La Grande Schmierâge 2015

Natürlich habe ich dabei im Besonderen zunächst das Essen im Auge. Eine nicht unwesentliche Zutat für Lebensfreude! Dieser unglücklich formulierte Bericht (Überschrift und Einleitungssätze) hat mir vergangenen Freitag Hoffnung und Lust gemacht. Vor Ort dann Fehlanzeige. Wieder wurde beim Wiesn-Klassiker die Latte gerissen! Es gibt kein Bio-Hendl. Was in München eine schöne Selbstverständlichkeit ist und in Pfaffenhofen gerade auf ganz wunderbare Weise gemeistert wurde (wertig regional und Bio) schafft Ingolstadt – die Weltmetropole – einfach nicht. Der Anfang war gemacht. Der Rückschlag setzt sich laufend wieder durch. Wo ist endlich der Vorsprung durch Genuss in der Stadt, aus dem die dumme Idee „Geiz ist geil“ kommt?

Fehlt hier die Nachfrage oder das Angebot? Beides. Die Masse der gegenwärtigen Volksfestbesucher fragen Bio offensichtlich nicht wirklich nach. Vor dem Hintergrund, wie unendlich wichtig ein nachhaltigerer Umgang mit Boden, Wasser, Luft und Biodiversität wäre, ist das bitter. Die derzeitige Besucherstruktur ist nach meiner Beobachtung jedoch kein Abbild der Gesellschaft. Aber soll es nicht gerade ein Volksfest sein? Ein Fest für alle? Und da kommen jetzt die Wirte ins Spiel. Wo ist deren Angebot für weitere (nicht bessere!!!) Schichten der Bevölkerung? Warum adressieren sie so eng. Der Kuchen ist doch so viel größer. Die Henne-Ei-Frage ist hier klar beantwortet. Die Nachfrage ist da, wird aber nicht bedient. Deshalb bin ich zum Brotzeiten auch wieder nach Hause gegangen. Andere bleiben gleich dort. Wie gerne würde ich z. B. auch mit unserer Kanzlei Mandanten etwas Gutes tun und sie vor Ort zur Mittags-Wiesn einladen. Ich weiß von nicht wenigen Selbstständigen, denen es mit ihren Kunden auch so geht. Vielleicht übertreibe ich jetzt ein bissl, aber es müsste fast ein wenig zum guten Ton gehören gerade hier dabei zu sein – think global, act local! Die Realität: Große Leere zur Mittagszeit. Es gibt nicht ansatzweise Engpässe bei der Reservierung oder gar Wartelisten. Das Spiegelbild eines fehlenden Angebots… Und zu diesem gehören für mich und meine Gäste – wenn sie denn keine Vegetarier oder Veganer sind – ein Huhn mit einem anständigen Leben vor dem Tod.

Und man komme mir jetzt bitte nicht mit dem Preis. Nicht beim Essen. Nichts kommt uns so nah, wird gar Teil von uns! Es ist keine Frage des Könnens, sondern des Wollens. Eine Frage der Priorität. Im Handy-Shop weitet sich der Gürtel… Motor- oder Salatöl? Wer sollte den ersten Zugriff in den Geldbeutel haben?

Ich bin wahrlich kein Freund des Industrie-Essens von McDonald’s. Aber selbst deren Fisch ist nach den MSC-Umweltstandards zertifiziert. Soeben wurde dort verkündet, dass bis zum Jahresende wieder alle Hähnchenprodukte von Tieren stammen, die mit gentechnisch unveränderten Futtermitteln aufgezogen worden sind. Und dann soll es jetzt sogar erstmals Burger mit Bio-Rindfleisch geben. Wenn also selbst dieser Konzern die Signale hört…

Noch ein aktuelles Beispiel, diesmal wieder aus Ingolstadt. War die Freude nicht gerade groß über den sehr gelungenen Einstand von Jürgen Nüsslers (Weinschmecker) Weinfest auf dem Paradeplatz? Er setzte im Gegensatz zu dann letztendlich auch gescheiterten Masse statt Klasse-Vorgängerveranstaltungen beherzt auf Qualität bei Essen und Trinken! Und wurde dafür zurecht belohnt.

Ich bin mir absolut sicher, dass man mit der von der Politik/Verwaltung bisher präferierten „Freiwilligkeit“ für Veränderungen bei diesen Wirten nicht mehr weiterkommt. Man sollte das Tragen zur Jagd beenden und baldmöglichst zum Diktat bitten. Die Situation erinnert mich durchaus auch an die unerträglich langen Hängepartien beim Nichtraucherschutz. Die Allerwenigsten wollen hier übrigens zum Zustand vor dem 1. August 2010 zurück.

grafha2

La Grande Schmierâge 2015

Der Mensch lebt nicht vom Brot allein. Das Bio-Hendl wird es nicht einzig richten. Es gibt mehr Stellschrauben. Und es wird dauern, bis sich der gedrehte Wind herumspricht. Ich stelle mir also vor, ich wäre Festwirt (mit Lust am Beruf und Phantasie). Was würde ich – weitere Teile des Volks ansprechend – begleitend zum zukünftig besseren Essen machen?

  • Boxsport, als olympische Disziplin zumal, ist aller Ehren wert. Heute sind die Zelte sogar (endlich) rauchfrei. Ich würde den Amateurvereinen der Region (wieder) einen Ring geben.
  • Ich würde über Brauchtumssportarten wie das Fingerhakeln nachdenken.
  • Ich würde den unzähligen Schützenvereinen der Region eine Bahn frei machen (Oktoberfest: Armbrustschützenzelt und Schützen-Festzelt).
  • Ich würde darüber nachdenken, wie man Trachtenvereine über den Festzug hinaus stärker einbinden kann.
  • Ich würde dem Ballermann einen Abend geben. Und ansonsten der echten Volks- und der jungen Volxmusik eine Bühne bereiten. Im Stil eines musikantenfreundlichen Wirtshauses gerne auch eine offene Bühne.
  • Ich würde einen bayerischen Poetry Slam veranstalten.
  • Ich wurde über einen Tanzboden nachdenken.
  • Ich würde mir auf dem Oktoberfest den wunderbaren Erfolg der „Oiden Wiesn“ ansehen, begreifen und wesentliche Weichen Richtung Entschleunigung und echte Gemütlichkeit (eine bayerische Herzensangelegenheit) stellen.
  • Noch einmal zum Essen: Was sich im Münchner Festzelt der Ochsenbraterei dreht ist klar. Ich würde mal einen Versuch mit gegrillten Altmühltaler Lämmern machen. Ein nicht unbeachtlicher Anteil türkischer Schanzer würde das sicher auch begrüßen.

Ich kann Euch gar nicht sagen wie viel Lust ich auf eine solche Schanzer Wiesn hätte! Wenn nur endlich die Verantwortlichen begreifen würden, dass ich damit nicht alleine bin…

Die beiden Hähne auf den Bildern oben finden sich in der aktuellen La Grande Schmierâge in der Klein-Salvator-Straße.

(38) – Marginalie – (40).

Mancher gibt sich viele Müh‘ Mit dem lieben Federvieh

Mein Lieblingsessen mit Fleisch? Huhn. In allen seinen köstlichen Varianten. Mit Curry, mit Paprika, mit Waschmaschinenmotor gegrillt.

Auf Volksfesten gilt das Hendl als Klassiker. Leider kommen diese mit Antibiotika satt gefütterten Tiere für gewöhnlich aus Massenqualhaltung (die Agrar-Industrie-Lobby bemüht dafür den Begriff „moderne Tierhaltung“). Sie zu essen heißt seinen (beachtlichen!) Teil zur Aufrechterhaltung dieses abartigen Systems beizutragen.

Erfreulicherweise haben wir aber die Wahl. Die Artikelüberschrift von Wilhelm Busch gilt. Auf dem Münchener Oktoberfest, sogar auf dem Ingolstädter Volksfest. Wenn es auch Rückschläge gibt. Können kommt vom Wollen…

Slow Food Magazin Ausgabe April/Mai 2015:

hüttinger3Es war mir eine echte Freude dieser Tage Roswitha Hüttinger (Jura Geflügel in Walting/Rapperszell) ein Exemplar davon in die Hand zu drücken:

hüttinger2

Roswitha Hüttinger

Sie hat Haltung und ermöglicht eine gute solche. Auf ihrem Hof tummeln sich im Freiland – bei hofeigenem gentechnikfreiem Futter und eigener Schlachtung – neben Mast- und Legehybriden (Thema Zweinutzungshuhn) auch Sulmtaler, Wachteln, Perlhühner, Puten (ab nächstem Jahr ebenfalls Bronzeputen), Flug-, Mularden- und Pekingenten sowie Gänse. Mit ihrem Betrieb steht sie deshalb auf meiner Empfehlungsliste für gutes Geflügel in unserer Region.

Auf dem richtigen Weg ist auch die Stadt Pfaffenhofen. Im Koalitionsvertrag des Bündnisses von FW, SPD, Grüne und ÖDP steht unter Ziffer 5 (Nachhaltigkeit, Tierschutz, Umweltschutz, Klimaschutz) der Punkt „aktive Förderung von regionalen Produkten und Lebensmitteln aus artgerechter Haltung bei städtischen Veranstaltungen“. Seht dazu auch das wunderbare Aktionsbündnis Artgerechtes München!

Festwirtin Julia Spitzenberger (selbst im Pfaffenhofener Stadtrat) ist heuer dazu auf dem

logo volksfest pafmit ihrem Pfaffenhofener Voixfest-Giggal an den Start gegangen. Und das kommt von – der Kreis schließt sich – Frau Hüttinger. Gleich 2-mal (mittags wird es nicht angeboten… arrgh) bin ich hingefahren, um der schönen Idee meine Aufwartung zu machen:

spitzenberger (2)

Julia Spitzenberger

spitzenberger (3)spitzenberger (1)Im großen Festzelt gibt es in Pfaffenhofen zum schönen Überfluss auch noch ein Bio-Hendl:

spitzenberger (4)Weiß eigentlich schon jemand wie es ab kommenden Freitag auf dem Schanzer Herbstfest in Sachen gutes, sauberes und faires Hendl aussehen wird? Wir gehen jedenfalls nächsten Donnerstag schon mal hier auf Nummer sicher.

Nachtisch: Frau Hüttinger hat ihre Mitgliedschaft bei Slow Food angekündigt. Passt gut!

Nachtrag (26.09.2015): Es gibt leider kein Bio-Hendl auf dem Ingolstädter Volksfest. Es ist erbärmlich.