Beim Grasen der Rinder (2): Highland Cattle in Hagau

Ich will – längst überfällig – meine Serie über Weidrinder in unserer Region fortsetzen. Und ich verspreche, dass es zur nächsten Herde nicht mehr so lange dauern wird. Der erste Teil beschäftigte sich mit Limousin in Linden. Diesmal bleibe ich ganz in der Nähe der Stadt Ingolstadt. Richtung Auwald zur Donau auf den Fluren nördlich von Hagau. Überhaupt Hagau – viele schöne Kindheitserinnerungen gehen mir durchs Bild… Eine traumhaft schöne Landschaft, die hoffentlich niemals(!!!) Bühne für aberwitzige(!!!) Donaubrücken- oder Donautunnelprojekte wird.

highland-cattle-4highland-cattle-5highland-cattle-6highland-cattle-7Die Gegend ist mitunter fest in Händen von Reitern. Es gibt nicht wenige Reitställe hier.

highland-cattle-32Es ist Anfang Dezember. Spätherbstsonne. Atemwolken in klarer, kalter Luft. Und dann, mittendrin ist die Augenweide perfekt: Majestätisch, würdevoll, fast schon mystisch: Schottische Hochlandrinder!

highland-cattle-27Den Highland Cattels sehr ähnlich sind die ebenfalls aus Schottland stammenden Galloways. Hauptunterscheidung: Die Galloways sind hornlos.

Die Herden – konkret sind es drei – gehören Monika Marke-Heiduck und Ulrich Heiduck. Seit über zehn Jahren haben sie sich der Leidenschaft am Grasen der Rinder verschrieben. Für gewöhnlich kommen Menschen, die auf meinem Blog eine Rolle spielen, an meiner Kamera nicht vorbei. Den beiden ist das bisher gelungen. Dabei wird es nicht bleiben. Ich reiche sie nach. Das ist sehr wichtig! Hinter dem Fleisch aus den Truhen der Discounter und Supermärkte gibt es keine Gesichter….

highland-cattle-3highland-cattle-1Alles Wissenswerte zu ihren Tieren haben mir die Heiducks nachfolgend stichpunktartig beantwortet. Die Highlights zu den Highlandern: Bio-Zertifizierung. Ganzjährige Weidehaltung. Natursprung und Weideschuss(!).

highland-cattle-9highland-cattle-8highland-cattle-14Rasse:
Highland Cattle/schottisches Hochlandrind
Eigenschaften/Gemüt:
Es sind die schönsten Rinder/ruhiges Gemüt/robuste, anspruchslose, leichtkalbende Fleischrinderrasse
Größe der Herde:
Es gibt drei Herden/insgesamt 46 Rinder verschiedenen Alters
Seit wann:
2005

highland-cattle-10highland-cattle-11highland-cattle-13Mutterkuhhaltung:
Ja
Milch:
Alle Milch ist für das Kalb
Weidezeit:
Ganzjährig

Beim Fotografieren bin ich versehentlich an den Elektrozaun gekommen. Eigentlich ist dessen Berührung verkraftbar wie ein Kinderteller. Das ist hier nicht der Fall! Es gab einen Knall und ich wähnte mich kurz als Gregor Samsa…

highland-cattle-12highland-cattle-15highland-cattle-16Wo liegt die Weide:
Westlich und nördlich von Hagau (Ingolstadt)
Zufütterung Sommer/Winter:
Im Sommer keine Zufütterung/im Winter Heu und Heulage
Zufütterung kommt woher:
Von zugepachteten Flächen aus der unmittelbaren Region
Fortpflanzung:
Natursprung durch Bullen

highland-cattle-17highland-cattle-19highland-cattle-18highland-cattle-26highland-cattle-2Schlachtalter/welche Tiere:
Optimal mit ca. 3 Jahren/Lebendgewicht ca. 370 kg/Schlachtgewicht ca. 200 kg/Bullen, Ochsen, Kühe
Schlachtung wo:
Stressfreier Weideschuss
Schlachtung wann/wie oft:
Nach Bedarf/ca. 4 Mal im Jahr

highland-cattle-22highland-cattle-21highland-cattle-29highland-cattle-24Schlachtung von:
Metzgerei Josef Gigl (Burgstall/Wolnzach)
Zerlegung/Veredelung:
Metzgerei Josef Gigl oder Metzgerei Joseph Huber (Ingolstadt)
Wo im Verkauf:
Direktvermarktung über uns (Familie Heiduck)
Wo in der Gastronomie:
Leider (noch) nicht. Liebe Wirtsleute – auf gehts!

highland-cattle-28highland-cattle-30highland-cattle-25highland-cattle-20highland-cattle-23Bio-Zertifizierung/Mitgliedschaften:
EU-Bio/Verband Deutscher Highland Cattle Züchter und Halter/Fleischrinderverband Bayern
Nebenerwerb/Vollerwerb/worum Rinderhaltung:
Nebenerwerb. Mein Mann liebt Rindersteaks. Seit der BSE-Krise haben wir darauf verzichtet. Wir überlegten: Wenn wir selbst Rinder hätten, wüssten wir genau was sie fressen und welche Medikamente sie gegebenenfalls bekommen. Wir wollen auch zeigen, dass es noch Rinder auf der Weide gibt, die eine Bereicherung für uns Menschen sind.

Monika Marke-Heiduck und Ulrich Heiduck
Roßlettenstraße 1, 85051 Ingolstadt.
Tel. 0841/975123, E-Mail: monika@heiduck.biz

Die Herdensuche wird fortgesetzt.

highland-cattle-31

Hühnerschmaus

Die Freunde von Slow Food Augsburg haben sich – einer gewissen Folgerichtigkeit gehorchend – letztes Jahr verstärkt dem Erhalt des Augsburger Huhns angenommen. Siehe hier und dort. Die bildschöne Rasse ist auch an Bord der Arche des Geschmacks, einem weltweiten Projekt der Slow Food Stiftung für Biodiversität. Das Engagement der schwäbischen Nachbarn setzt sich erfreulicherweise dieses Jahr fort. Geht es ums Huhn, lasse ich mich nicht zweimal bitten. Zumal einem die gebratenen Tauben mit solchen Angeboten ja fast in den Mund fliegen.

Am vergangenen Wochenende ging es also nach Augsburg auf den „Holler-Hof“ der Familie Zimmermann (Wellenburger Straße 102, 86199 Augsburg, Tel. 0821-9981904):

augsburger-1Auf den Weiden rund um das Gut tummeln sich Gänse und Angusrinder (Mutterkuhhaltung):

augsburgerDie Hühner sind Chefinsache von Susanne Zimmermann. Bei der gemeinsamen Begehung im sehr großzügigen Freilandbereich treffen wir neben den Augsburgern (wahrlich eine Augenweide!) auch auf eine Schar Mechelner (Kuckucksperber):

augsburger-8Diese Zweinutzungsrasse stammt aus der Region um die flämische Stadt Mechelen. Sie wird – wie auch das Augsburger Huhn – von der Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen e.V. (GEH) in der Kategorie I (= extrem gefährdet) gelistet. Um deren Existenz zu sichern, gilt es Nachfrage in den Küchen zu generieren. Damit Bauern für das Angebot sorgen. Losung: Essen, was man retten will!

Zwei Sulmtaler sind auch herumgelaufen. Schließlich werden noch „Bauerngockel“ (nichts anderes als Hybridhühner – siehe unbedingt hier) gehalten. In jedem Fall haben alle auf dem Holler-Hof ein Leben vor dem Tod: Extensive Freilandhaltung, hofeigenes (gentechnikfreies) Futter, späte eigene Schlachtung.

augsburger-4augsburger-6augsburger-3augsburger-7augsburger-5augsburger-2augsburger-9Der Hofladen der Zimmermanns hat am Freitag von 10-12 und von 15-18 Uhr, sowie am Samstag von 9-13 Uhr geöffnet.

Zum Ausgleich der Handelsbilanz zwischen Ingolstadt und Augsburg am vergangenen Samstag – die Schwaben holten auf der Schanz drei Bundesliga-Punkte – haben wir drei Gockel mitgenommen. Von links nach rechts (Schlachtalter): Mechelner (7 ½ Monate), Hybrid (3 Monate) und Augsburger (7 ½ Monate):

augsburger-10Die Nacht über verbrachten die drei in einer Salz-Kräuter-Lake. Am Sonntag fand sich dann eine feine Tafelrunde zusammen. An bewährter Stelle – siehe hier und da. Danke Matthias! Den Augsburger haben wir im „Spülgang“ gemacht – das geht so und so. Er geriet leider einen Tick zu trocken. Trotzdem war er sehr schmackhaft (mit Anklängen von Fasan und Feldhase). Der Mechelner war aromatisch milder. Noch dezenter der „Bauerngockel“. Beide waren sehr saftig – der Holzbackofen glänzte hier.

augsburger-11augsburger-12augsburger-13Wissen woher mein Essen kommt. Immer (wieder) gut. Grüße nach Augsburg!

„Farm to table“ im Schutterhof

Anspiel der Biergartensaison 2016. Gleich zum Vatertag. Mit der Familie! Im Schutterhof. Frühling in der Luft. Und Allerlei der Jugendblasmusik Zuchering. Im Krug der Nordbräu 1516 Jubiläums-Sud.

Es folgt ein wunderbares „Farm to table“ sowie „Shake the hand that feeds you“ Erlebnis: Im Mittelpunkt ein Angusochse. Aus Weidehaltung vor den Toren der Stadt. Biozertifiziert nach Naturland (Biohof Wagner). Er findet über die Metzgerei Joseph Huber seinen Weg auf den Holzkohle(!)grill der Familie Mödl. Und dann auf unseren Tisch. Mit viel besseren Knödeln als letztes Jahr. Mit am Tisch sitzen: Karola und Manfred Wagner, sowie Claudia und Joseph Huber. Doch, das geht!

schutterhof ochse (1)

Manfred Wagner, Rafael u. Andrea Mödl, Joseph u. Claudia Huber

schutterhof ochse (15)schutterhof ochse (16)schutterhof ochse (17)schutterhof ochse (14)schutterhof ochse (13)schutterhof ochse (2)schutterhof ochse (22)schutterhof ochse (4)schutterhof ochse (5)schutterhof ochse (10)schutterhof ochse (11)schutterhof ochse (12)schutterhof ochse (19)schutterhof ochse (3)schutterhof ochse (6)schutterhof ochse (8)schutterhof ochse (7)schutterhof ochse (9)schutterhof ochse (20)schutterhof ochse (23)schutterhof ochse (21)schutterhof ochse (24)schutterhof ochse (25)schutterhof ochse (18)

Im Hohenloher Land

Anfang Februar in Nürnberg, nach der heurigen Biofach, lernte ich Martin Seefried auf einer Party (Danke Florian Bailey!) kennen. Der ausgebildete Koch und Metzgermeister betreibt in Abenberg (mittelfränkischer Landkreis Roth) seine Naturmetzgerei. Hier verarbeitet und veredelt er handwerklich ausschließlich Fleisch von der Bäuerlichen Erzeugergemeinschaft Schwäbisch Hall. Unter der gewichtigen(!) Losung „Wissen wo’s herkommt“ organisierte Seefried für Ende April einen „Bauernbesuch“ bei seinen Lieferanten. Einen ganzen Tag dem guten, sauberen und fairen Essen nachspüren… In angenehmer Gemeinschaft… Mit einem umtriebigen Gastgeber… Und überhaupt wollte ich schon lange Rudolf Bühler, dem Gründer der Erzeugergemeinschaft, einen Besuch abstatten: Aus dem Stegreif ließ ich mich auf die Gästeliste setzen!

Letzter Samstag – 9:00 Uhr – Treffpunkt bei den Seefrieds. Mit dabei Moritz, der(!) Ingolstädter Metzger Joseph Huber und dessen Tochter Pia. Für das gemeinsame automobile Reisen – bereits herrlich s l o w – stand ein Kässbohrer Setra S11 (Henschel-Motor mit 170 PS und Dachverglasung für den Panoramablick) von 1967 bereit. Damit ging es durch das wunderschöne Hohenloher Land. Unter anderem mit Pastrami und Beef Jerky:

besh (1)besh (8)besh (2)

besh (3)

Unsere anständigen Gastgeber: Cornelia und Martin Seefried

besh (4)besh (5)besh (6)besh (7)Angekommen in Wolpertshausen begrüßten uns Rudolf Bühler und Simon Rajan. Gemeinsam ging es sogleich auf eine der Eichelmastweiden. Anfang der 80er Jahre galt das Schwäbisch-Hällische Schwein („Mohrenköpfle“) als faktisch ausgestorben. Mit weniger als zehn Tieren begann Bühler zusammen mit engagierten Bauern der Region die Wiederbelebung der alten Landrasse. Heute gehören gut 1.500 Bauernhöfe zur Gemeinschaft, die nach dem Prinzip der bäuerlichen Selbsthilfe arbeitet und sich für die bäuerliche Regionalentwicklung in Hohenlohe engagiert. Das Schwäbisch-Hällische Schwein ist übrigens Passagier des Biodiversität-Projekts Arche des Geschmacks von Slow Food:

besh (11)besh (9)

besh (45)

Rudolf Bühler

besh (13)besh (10)besh (12)besh (15)besh (14)besh (17)besh (18)besh (16)besh (19)besh (22)besh (23)besh (20)besh (21)besh (24)Essen, was man retten will…!

besh (44)Ein weiteres, besonderes Anliegen Bühlers ist die Bereicherung der Esskultur durch gute, nachhaltig erzeugte Gewürze. Deshalb gründete er 1997 zusammen mit Hohenloher Bio-Bauern den Anbauverband Ecoland. Die Unternehmung umfasst heute weltweit 1.300 Bauernfamilien mit Projekten in Deutschland, Rumänien, Serbien und Indien. Die Sache ist ihm so wichtig, dass er uns kurzerhand zu sich nach Hause in seinen „Sonnenhof“ bat und dort ins Thema einführte. Inklusive einer Begehung des Gewürzlagers. 1000 Nasen müsste man haben…

besh (26)besh (27)besh (46)Weiter ging es nach Rosengarten zu Daniel Voigt, der sich als Wanderschäfer in der 7. Generation mit Leidenschaft dem Hohenloher Weidelamm (Merino-Landschafe) widmet:

besh (35)

besh (28)

Wanderschäfer Daniel Voigt

besh (32)besh (29)besh (30)besh (31)besh (33)besh (34)besh (36)besh (39)besh (42)besh (38)

besh (40)

Joseph Huber und Martin Seefried

besh (37)besh (41)besh (43)Es war einer dieser Tage, die sich am Abend wie eine halbe Woche Urlaub anfühlen. Herzlichen Dank für das dabei sein dürfen!

Fingerzeig (27) – Aus der Pfanne, vom Huber, im Diagonal

Es sind diese scheinbaren Kleinigkeiten, für die leider viel zu wenig Menschen einen Blick haben, die aber so wichtig sind und die den Unterschied machen. Sie zu verkünden ist eine stete Herzensangelegenheit von extra prima good. Unter uns – irgendjemand muss es machen!

Gestern Abend war im Diagonal Stammtisch von Slow Food Ingolstadt. Die beiden Wirte Norbertus von Jordans und Reinhard Maier nahmen dies zum Anlass, endlich eine empfindliche Lücke in ihrer Speisekarte zu schließen. In meinem Lobgesang auf ihre Currywürste hatte ich sie klar ausgemacht:

„Das Schnitzel kommt, schön wellig in Butterschmalz gebraten, aus der Pfanne. Auch seine Herkunft soll in Zukunft – das wurde mir versprochen 🙂 – erwähnenswert sein. Ich bestehe darauf! Speisekarten sind dem Mannschaftssport zuzurechnen. Da ist Geschlossenheit gefragt.“

Das Versprechen ist erfüllt – Danke!!!

diagonal huber (3)

Und wenn der Joseph Huber einige Bauern in der Region von der ökologischen Schweinehaltung überzeugt hat – er ist dran! – dann spricht ja nichts dagegen, dass… OK?!

diagonal huber (1)diagonal huber (5)diagonal huber (2)diagonal huber (4)(26) – Fingerzeig – (28).