Burgenland begegnet Ingolstadt – ganz slow

Zuallererst ein herzliches Dankeschön an die Brüder des Kapuzinerklosters Ingolstadt. Für ihre tolle Gastfreundschaft! Wie schon zum fünfjährigen Bestehen von Slow Food Ingolstadt waren wir auch letzten Sonntag bei ihnen bestens aufgehoben.

andert1Willkommener Besuch aus einer besonderen Genussregion hatte sich angekündigt: Demeter-Winzer Michael Andert und Fleischhauer (so heißen die Metzger in Österreich) Martin Karlo.

andert3Beide sind Mitglieder bei Slow Food Burgenland und kommen aus Pamhagen. Die kleine burgenländische Gemeinde liegt zwischen dem Nationalpark Neusiedler See – Seewinkel und der ungarischen Grenze.

andert2Während Andert uns kurzweilig seine Weine und deren Lebensräume nahebrachte,

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schmurgelte Karlo in der Küche.

andert6Graues Steppenrind, Wasserbüffel und Mangalitza Schwein.

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Die stetig erfreulichen Ergebnisse von dort führten regelmäßig zum Öffnen neuer Flaschen. Das Genuss-Karussell drehte viele Runden…

andert7Im Besonderen hat sich Karlo dem Grauen Steppenrind verschrieben. Die alte fast ausgestorbene Haustierrasse zählt heute wieder um die 500 Tiere und weidet nach Vorgaben der biologischen Landwirtschaft im Nationalpark. Selbst geschlachtet (Mindestalter 3 Jahre) veredelt Karlo das Fleisch zu Rindersaftschinken, Rohschinken und Würsten. Ohne Geschmacksverstärker und Chemie – mit Gewürzen und Handwerk. Das Frischfleisch hat einen kräftig ausgeprägten Rindfleischgeschmack und eignet sich besonders gut zum Sieden und Schmoren. So war auch das herrliche Gulasch – zusammen mit dem schon legendären Brot von Matthias – mein kulinarisches Gipfelerlebnis der Veranstaltung. Schnell war ich mir auch mit Pater Jose einig, dass ein gutes Gulasch ein Gottesbeweis ist!

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Das eingelegte Gemüse steuerte Michael Andert bei. Wie natürlich seine Weine – durchweg eigene Persönlichkeiten. Diese polarisieren zuweilen. Mich begeisterten(!) der 2011er „Lærchenfeld“ (90% Cabernet Sauvignon, 10% Zweigelt – gebrauchtes Barrique), der 2012er „Ruländer“ (großes Holzfass) und das 2012er weiße Cuvée “Pamhogna” (70% Ruländer, 25% St. Neuburger, 5% Weißer Burgunder – großes Holzfass).

andert4Zusammen mit seinem Bruder Erich bewirtschaftet Michael das biodynamisch zertifizierte (Demeter) Weingut. Die ca. 4,5 ha Rebflächen stehen auf Schwarzerdeböden. Gelesen wird händisch. Als Dünger dient ausschließlich natürlicher Mist. Der Pflanzenschutz kommt ohne Insektizide und Herbizide aus. Hefen: Naturhefen/Spontanvergärung. < 50.000 Flaschen.

Mein letzter Besuch im Burgenland liegt leider schon etwas zurück. Sommer 2011 (Weingut Moric, Umathum/Stecovics, Hannes Reeh, Fischrestaurant Varga und Gasthaus zur Dankbarkeit. Wen ich das nächste Mal besuche… eh klar!

Frei nach Lurchi: „Lange schallt’s im Walde noch: Slow Food lebe hoch!“

Merguez

Eine gute Bratwurst ist ein Gottesbeweis. Die nordafrikanische Variante ist die Merguez. Mit scharf gewürztem Lamm-Hackfleisch-Brät. Dass es sie in Ingolstadt gar nicht gibt, habe ich schon beklagt. Weil ich weiß, dass hier einige (gute!) Metzger mitlesen und sogar der ein oder andere Schäfer, will ich das Thema am Laufen halten ;-)

Dank Der Mut anderer weiß ich wenigstens um eine brauchbare Quelle in München. Es ist die tunesische Metzgerei OASIS in der Landwehrstraße 9 (Tel: 089/59908199):

mergu4Gefertigt werden die Würste von einem irakischen Metzger. Es gibt sie täglich frisch aus gleichen Anteilen Lamm und Rind. Die Tiere kommen – so die Antwort auf meine Frage – aus Deutschland. Gewürzt mit Knoblauch, Koriandersamen, Fenchelsamen, Paprika, Salz und Harissa.

mergu5mergu3Die Probe für den heimischen Grill war zu klein, weil sehr gut… Der Lammgeschmack (obwohl nur 50% des Bräts) dominierte. Einen Tick mehr Schärfe würde ich begrüßen.

mergu6Die fettreichen (roh) Kameraden specken auf dem Rost ordentlich ab. Beim Grillen empfehle ich daher unbedingt eine Schale unterzustellen. Von der Zubereitung in der Pfanne – was letztlich jeder ordentlichen Bratwurst nicht gerecht wird – rate ich hier namentlich ab. Eine regionale Kreation mit Altmühltaler Lamm ist überfällig.

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Einsam aber goldrichtig unterwegs

An nicht wenigen der sprichwörtlichen Ecken gibt es zwischenzeitlich Burger in Ingolstadt. Man möchte daher meinen, es wäre jetzt ein Leichtes, auf diesem schmackhaften Feld begeisterter Zeuge intelligenter und feiner Spielzüge zu werden. Leider weit gefehlt. Statt sich gegenseitig im lässigen Auskontern der maroden Systemgastronomie-Aufstellung zu übertreffen, setzt man unisono auf die gleiche traurige Behandlung der Spielgeräte. Zwischenfazit: Das Endspiel um die besten Burger der Stadt bleibt eine einsame, weil bereits gegnerlose Angelegenheit. Selbstverständlich ist die fehlende Satisfaktionsfähigkeit

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der Konkurrenz dem Oberburgermeister nicht vorzuwerfen. Goldrichtig geht dieser seinen Weg. Zwischenzeitlich sogar - goes vegan – beidbeinig anspielbar.

go hu 1Ganz aktuell erfuhr der Fleischeinkauf im Golden eine Modifikation zu noch mehr Regionalität. Kam das Bio-Rindfleisch bisher aus dem Allgäu, liefert nunmehr – täglich frisch – die biozertifizierte Ingolstädter Metzgerei Joseph Huber das Fleisch (gewolft sowie am Stück) und den Speck. An ihren Zutaten sollt ihr sie erkennen…

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Gutes Geflügel

Der Anteil der in Deutschland zum Verzehr bestimmten Hühner und Puten in industrieller Massenqualhaltung liegt bei >98%. Damit können bestimmte Figuren gut arbeiten. Zum Beispiel im 2010 in Betrieb genommenen Geflügelschlachthof in Wietze (Niedersachsen). Er hat eine Schlachtkapazität von 27.000 Tieren. Pro Stunde(!). Nur mal so: Der Bau wurde mit 6,5 Millionen Euro vom Land Niedersachsen gefördert und erhielt weitere 800.000 Euro von der Bundesregierung…

Lust auf die knappen 2%? Dazu gleich zwei gute Nachrichten. Man hat es in der Hand. Und – denken hilft. Findet sich Fleisch von Geflügel mit einem Leben vor dem Tod in der Ketten- und Systemgastronomie, in Chicken-Nuggets (die man erstaunlicherweise gerne seinen ganz Lieben vorsetzt), bei der alleinigen Konzentration auf die sogenannten “Edelteile” (Brust), beim Discounter, in der Wurst mit Bärchengesicht oder in Bratwürsten für die Dieter Bohlen wirbt, in Fitness-Putenbruststreifen, bei Grillhendln von Parkplatz und Ausfallstraße oder Tiefgefrorenen für um die 2,49 EUR? Jeder finde seine Antwort(en) selbst.

Eigentlich unbezahlbar – sauteuer – sind diese 98%. Der Preis für fehlenden Geschmack (und das in jeder Hinsicht), nicht vorhandenen Tier- und Umweltschutz, für den Verlust regionaler Kultur und Wertschöpfung, für die Zerstörung von Märkten in Entwicklungsländern oder dramatisch steigende Antibiotikaresistenzen ist nur leider auf der Strecke geblieben…

Geist ist geil. Der wirtschaftlichen Herausforderung (Haushaltskasse!) begegne ich einmal mit einer klaren Prioritätensetzung und zum weiteren mit einem zurück in Richtung Sonntagsbraten. Vorletztes Wochenende – noch ganz im Fußballfieber – verwandelten wir genüsslich diese Steilvorlage auf dem Ingolstädter Wochenmarkt:

hendl1Passgeber: Biohof Mayer aus Preith. Endergebnis:

hendl2Ich werde mitnichten hier alle meine Quellen für köstliche Mistkratzer aus der Region nennen ;-) Andererseits darf von extra prima good Tröstung, Festigung, gar Erbauung erwartet werden. Hier ist sie. Gutes Geflügel haben:

Biohof Mayer – Franz Josef und Andrea Mayer
Steigweg 4, 85131 Preith, Tel: 08421/906257
Bioland. Regelmäßige Bestandsgröße ca. 25 Tiere. Freilandhaltung. Hofeigenes gentechnikfreies Futter. Schlachtalter der Tiere: 15-18 Wochen.

Jura-Geflügel – Roswitha u. Matthäus Hüttinger
Jurastraße 8, 85137 Walting-Rapperszell, Tel: 08426/9883-80
Konventionell. Regelmäßige Bestandsgröße 150-200 Tiere. Freilandhaltung. Hofeigenes gentechnikfreies Futter. Schlachtalter der Tiere: 12-14 Wochen. Eigene Schlachtung.

→ Thaller-Hof – Paul jun. Thaller
Thannbergstraße 24, 85084 Reichertshofen, Tel: 08453/1772
Konventionell. Regelmäßige Bestandsgröße – sehr klein; richtet sich nach den Bestellungen der (Stamm-)kunden. Freilandhaltung. Hofeigenes gentechnikfreies Futter. Schlachtalter der Tiere: >8 Wochen. Eigene Schlachtung.

→ Bronze-Freilandputen – Petra Schmidl
Kirchstraße 22 a, 85051 Ingolstadt, Tel: 0841/76076
Konventionell. Freilandhaltung. Hofeigenes gentechnikfreies Futter. Eigene Schlachtung.

Zum Zweinutzungshuhn in unserer Region ist es freilich noch ein langer – aber unbedingt erstrebenswerter – Weg.

Meisterlich geht die Grund- und Mittelschule Großmehring das Thema Hühner an. Ein wunderbares Projekt. Meine Hochachtung!

Limo, Teigtaschen, Bier, Rippchen und noch einmal Limo. In München.

Meine Suche nach einer Garküche mit Dim Sum in Ingolstadt entbehrt schmerzlich jedes Erfolgserlebnis. In München bin ich hingegen erneut fündig geworden (Danke Pini!): LeDu Happy Dumplings in der Theresienstraße 18 – geöffnet seit Mitte April 2014:

ledu1ledu2Die frischen Teigtaschen werden handwerklich selbst gefertigt und gefüllt. Der Bestellvorgang beginnt mit der Teigauswahl: Hell mit Weizen- oder dunkel mit Roggenmehl.

ledu6Dann bieten sich für die Zubereitung gebraten oder gedämpft an. Endlich stehen neun verschiedene Füllungen zur Auswahl.

ledu5Das Rinder-, Schweine- und Hühnerfleisch stammt ausschließlich von der Bio-Metzgerei Pichler (Verbände Bioland und Naturland!) in Gräfelfing. Auch die verwendeten Eier sind bio.

ledu4ledu3Wir hatten Hot Chicken und Sauer Schwein. Sehr fein. Schön wäre es, bei der Auswahl – es gibt 6 oder 10 Stück – der Füllungen variieren zu können. Um derzeit alle Spielarten einmal probieren zu können, bedarf es nämlich der Bestellung von 45 (9 x 6) Dumplings…

ledu7Ausgezeichnet eine Entdeckung en passant: Bio-Zitronenlimonade Proviant aus Berlin. Frischer Zitronensaft, Mineralwasser und Rohr­zucker. Keine Aromastoffe, keine Extrakte keine Zitronensäure. Selbstverständlichkeiten mit Ausnahmecharakter.

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Im späteren Tagesverlauf kehrten wir noch im Red Hot ein. Beim guten Bier bebrütete ich die Frage “Pulled Pork” oder

redhot10… “Rippchen”!

redhot8Und noch eine Limo-Entdeckung: Hopster Hopfenlimo.

redhot9Ob es tatsächlich “die weltweit erste alkoholfreie Hopfenlimo” (so aber die Website) ist, stelle ich mal dahin. Man vergesse nämlich dieses Kracherl nicht… Wer war zuerst da? Auf alle Fälle schmeckt sie prächtig!