Gleich zwei Bierfeste in Ingolstadt voraus!

Der 23. April 1516 ist untrennbar mit Ingolstadt verbunden… Herzog Wilhelm dem IV. sei Dank: Verkündungstag des Bayerischen Reinheitsgebots für Bier – ebenda! Letztes Jahr nahm sich die Stadt dieser wichtigen Angelegenheit persönlich an und veranstaltete erstmals das “Fest zum Reinen Bier”. Eine gelungene Operation! – siehe Bericht.

Vom 24. bis 26. April 2015 ist nunmehr die zweite Ausgabe in Planung:

fest zum reinen bierWas gibt es heuer Neues? Die Kanalstraße wird, neben Hohe-Schul-Straße und Dollstraße, Örtlichkeit der Festivität. Und zu den bisherigen sechs ausschenkenden Brauereien Nord- und Herrnbräu, Schwalbe, Graf Toerring/Hofbräuhaus Freising, Gutmann und Riedenburger gesellt sich Hofmühl dazu.

Nach diesem Fest ist die Geschichte aber erfreulicherweise noch nicht vorbei. Im Gegenteil! Das Geschehen verlagert sich das Wochenende darauf, vom 01. bis 03. Mai, in den Klenzepark, in die feine Exerzierhalle:

bierfestival2Mitte Oktober 2014 gab es ein inoffizielles Brainstorming zu möglichen Erweiterungen des Fests zum reinen Bier. Dabei hatte ich die Idee, es doch einmal mit einer Bierverkostung im Stile der Vinotheken bei großen Slow Food Messen zu versuchen. Lange Kühlschrankfronten hinter Tresen an den Längsseiten einer Veranstaltungshalle beinhalten dabei eine (große) Vielzahl von verschiedenen Bieren. Sortiert nach Stilistik und/oder Region. Mit einem Verkostungsglas und entsprechenden Coupons kann man sich dann nach Lust und Laune durch die Vielfalt probieren. Vorteil: Man benötigt nicht gar so viel Platz wie für hunderte von Brauereien mit jeweils eigenem Stand. Nachteil: Die Brauerei, zumeist der Brauer persönlich (Craft Bier!), ist eben nicht vertreten…

bierfestival3Herausgekommen ist nunmehr ein gutes Mittelding. Eine kleine Art Braukunst Live! auf der Schanz: Die “Bier-Genuss-Tage”! Veranstalter ist Alexander Herzog. Die Stadt Ingolstadt tritt als Unterstützer auf. Michael Kenne hält das Einladungsplakat schon einmal hoch – sein Donaupoint organisiert den Verkauf der angebotenen Spezialitäten vor Ort:

bierfestival1Am Start sind zur Stunde (die ein oder andere kommt noch) 19 Brauereien: Graf Toerring/Hofbräuhaus Freising, Pyraser, Schwalbe, Stadtbrauerei Spalt, Landhausbräu Hofstetten, Hopsteiner, Red Castle, Klosterbrauerei Scheyern, Tilmans Biere, Lampl-Bräu, Riedenburger, Liquid Hops, Hofmühl, Schlossbrauerei Au, Felsenbräu, Herrnbräu, Riegele, Nordbräu und Schneider. Da sind Perlen dabei!

Bier aus dem Verkostungsglas. Damit werden nicht wenige Schanzer Neuland betreten dürfen… ich freu mich drauf!

bier verkostungsfestival2bier verkostungsfestival3Ab Mai wird Michael Kenne übrigens auch die neu gegründete Bier-Gruppe von Slow Food Ingolstadt leiten.

Braukunst Live! 2015

Jahresritual. Vergangenes Wochenende in München. Braukunst Live! Klappe die 4. Ich bin zum dritten Mal (2013 und 2014) dabei. Sehr gerne dabei!

2015braukunst0Veranstalter Frank Böer darf zufrieden sein. Die Kapazitätsgrenze ist endgültig erreicht. Hat er gesagt. Und auch gleich den diesjährigen Trend ausgemacht: Es gibt vier Faktoren, den Geschmack im Bier zu beeinflussen: Hopfen, Malz, Hefe und die Lagerung. Letztere gewinnt an Bedeutung – z.B. durch das Reifen in ehemaligen Whisky- oder Rotweinfässern.

Ich bin sofort zu Tilman Ludwig. Shake the hand, that feeds you! Sein Helles ist der Hammer. Gibt es in Ingolstadt übrigens im Donaupoint zu erwerben und im Ausschank sowohl im Tagtraum als auch im Café Detter. Jetzt präsentierte er seine zweite Kreation: Ein im Abgang kräftig herbes Brown Ale. Klasse! In den Waagschalen sowohl Zitrus- als auch Karamelltöne:

2015braukunst1Die Augsburger Riegele Brauerei ist immer ein Boxenstopp. Nomen est omen: Die aktuelle Sonderedition, das spritzig-frische Michaeli:

2015braukunst6Brauereien in der Hallertau? – im größten zusammenhängende Hopfenanbaugebiet der Welt! Fast wie Stecknadeln im Heuhaufen – man möchte es nicht glauben… Aber es gibt interessante Bewegung. Im Januar kaufte die Urban Chestnut Brewing Company aus St. Louis/USA die insolvente Bürgerbräu Wolnzach AG. Urban Chestnut ist eine (kleine!), erst 2011 gegründete Craft-Beer-Schmiede. Mitinhaber und Braumeister ist der gebürtige Mühldorfer Florian Kuplent. Er kehrt mit dieser Geschichte zu seinen Wurzeln zurück. Die “Hopfenperle” ist schon wiederbelebt. Ab Sommer soll vor Ort gebraut werden. Bin sehr gespannt was kommt. Und Wolnzach liegt im Gebiet von Slow Food Ingolstadt…

2015braukunst7Mit den vier von Frank Böer benannten Faktoren für den Biergeschmack bin ich nicht ganz einverstanden. Soweit das Reinheitsgebot gilt ja, aber darüber hinaus sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt. Und das ist auch gut so. Vorausgesetzt die weiteren Zugaben sind slow ;-) Ein interessanter Kandidat dafür kommt z.B. aus dem österreichischen Mühlviertel: Waldbier! Es wird neben den üblichen Rohstoffen mit Trieben, Zapfen oder Harzen verschiedener Nadelbäume experimentiert. Fundamentalisten sollten vor dem Abwinken erst mal probieren!

2015braukunst4Die Braukunst Live! lebt natürlich auch davon, dass die Meister und Größen der Szene persönlich vor Ort sind. Brauer Oliver Wesseloh wurde 2012 Biersommelier, begann umgehend mit dem Aufbau seiner Kehrwieder Kreativbrauerei (fein!) und gewinnt ein Jahr später en passant gleich die Weltmeisterschaft der Sommeliers für Bier:

2015braukunst5Zusammen mit Max Krieger (Riedenburger) entstand z.B. das Wet Hop Pale Ale Frischer Traum. Das nunmehr offensichtlich “Feuchter Traum” heißt…

Ein Traum ist auf jeden Fall auch die Salzburger Brauerei Stiegl. Unvergessen deren Jahrgangsbier 2013 – Sonnenkönig. Der war so gut, den wollte man noch einmal nachbrauen. Dabei lief etwas schief… Es entstand ein Sour-Bier. Was machen? Es ging hin und her. Dann kamen die frischen Himbeeren! Mit herrlicher Selbstironie heißt der köstliche Tropfen nun Faux Pas Framboise:

2015braukunst2Und das meisterliche Jahrgangsbier 2014 Ferdinand:

2015braukunst3Früher war alles besser. Wenn dieser Spruch definitiv daneben ist, dann beim Bier. Die heutige – weiter zunehmende – Vielfalt und handwerkliche Qualität ist ein Segen. Der Spruch ist von Fredl Fesl. Aus einer Bierwerbung: Probierts es, dann spürts es!”

Zur Krönung des schönen Tages stand noch der Besuch eines vortrefflichen Wirtshaus – mitten in München – an. Bericht hier.

Biofach 2015

In aller Kürze einige Eindrücke von der BIOFACH 2015 in Nürnberg (2014 hier und da).

Am Beginn stand das bereits traditionelle Bloggertreffen (8.Ausgabe). Herzlichen Dank an Manja Rupprecht und Susanne Franz-Hollfelder (NürnbergMesse) für die Einladung!

2015biofach1Ich kenne nur einen Menschen der das absichtlich macht. Wer ist es?

2015biofach5Guten 95% hilft das nächste Bild zur Klärung auch nicht weiter – sorry Josef ;-)

2015biofach6Für seine grandiosen Schokoladen gilt das aber längst nicht mehr! Josef Zotter. Meine aktuelle Schwäche: “Typisch Österreich” (dunkle Bergmilchschokolade, gefüllt mit Graumohncreme, Walnussnougat und Zimt):

2015biofach7Slow Food auf der Biofach:

2015biofach8Eine weiter Entdeckung: “Brotzeit” von Zwergenwiese. Vegane Brotaufstriche sind geschmacklich häufig sehr mühsam. Dieser nicht! Sehr feine Kümmelnote:

2015biofach2Zuvor auf der Premiere in Berlin schon probiert. Natürlich auch auf der BIOFACH im Mittelpunkt: Das Dolden Dark vom Riedenburger Brauhaus:

2015biofach4Was für eine Spezialitäten-Serie!

2015biofach3Fingerzeig: Das Porter gibt es in Ingolstadt im Donaupoint zu kaufen und beim Schwedenschimmel im Ausschank – Stand gestern Abend:

porterschwedenschimmelNeben der BIOFACH tagt in Nürnberg auch die VIVANESS (Fachmesse für Naturkosmetik). Wieder gestaltete Krassimir Kolev – vier Tage durchgehend malend – den Stand von Styx Naturcosmetic – frische Sache:

2015biofach10Fast ein ganzes Jahr hat es nun gedauert bis die neue (sehr gelungene) Website der Schottischen Island Bakery endlich online ist. Letztes Jahr machte ich den Fehler deren “Lemon Melts” zu probieren… Heuer war “Taster in Chief” Joe Reade persönlich am Stand. Was soll ich sagen? Weltspitze! Angeblich gibt es die Kekse bei TeeGschwendner in Regensburg… ich checke das!

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Slow Wine Degustation 2015 in München

Die deutsche Übersetzung des aktuellen italienischen Weinführers “Slow Wine” (zuletzt 2013) steht wohl in den Sternen. Warum eigentlich? Das italienische Original jedenfalls erscheint weiter im jährlichen Turnus… 2014, 2015.

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Quelle: http://www.slowfood.it/slowine/slow-wine-degustation-2015-ausstellerliste

Letzten Montag zogen gute 60 Slow-Winzer in München ihre Flaschen auf. Ich war gerne wieder dabei:

15sw1Drei sehr feine Entdeckungen will ich hochhalten. Uno – ein Lambrusco: 2013er “Vigneto Cialdini” von Cleto Chiarli:

15sw2Due – eine Cuvée weiß: 2011er “Collio Bianco Col Disôre” von Russiz Superiore:

15sw3Und dann noch der Knaller! Tre – ein Chianti: 2011er Chianti Rùfina Riserva von Frascole:

15sw4Schaut Euch einfach die Hände von Bio-Winzer (Umstellung ab 1998/seit 2007 zertifiziert) Enrico Lippi an. Eigentlich alles gesagt…!

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Käsekuchen, Wurst & Bier

Letztes Wochenende in Berlin. Bei der Verleihung der Berlinale Kamera an Alice Waters (Köchin, Food-Aktivistin, Vize-Präsidentin Slow Food International) und Carlo Petrini (Slow Food Häuptling) war ich leider außen vor…

w&b7In Sachen la dolce vita dafür aber mittendrin! Der ultimative Tipp für meister-fabel-märchenhafte Kuchen: Princess Cheesecake – Tucholskystraße 37/Berlin Mitte:

w&b1w&b2Letztes Jahr begeisterte Chefin Cornelia Suhr mit ihren Kreationen “German Pastry-Making: Sweet Berlin” auch auf dem Salone del Gusto in Turin (Bericht). Von nichts kommt nichts – so geht sie nämlich an die Sache heran:

w&b3w&b4Berlin listet derzeit leider nur drei Wirtshäuser im Slow Food Genussführer. Irgendwie waren uns diese bei der Planung entglitten… Auf der Suche nach Einkehr war uns dann aber das Glück des Tüchtigen vergönnt. In der Rochstraße 2. Auf der Rechnung wurde unser köstliches Essen ganz Understatement nur als “Abendbrot im Haus” erfasst. Und weil am Eingang “no mobiles” und “no laptops” steht, gibt es davon auch keine Bilder… der Ort entschleunigt! Tagsüber geerdeter Feinkostladen, abends gibt es zwischen vielen Kerzen frische, handwerklich einwandfreie, süddeutsch geprägte Küche. Einprägsamer Name: “Lebensmittel in Mitte”. Passend: keine Website.

w&b5w&b6Am nächsten Tag dann der tiefere Grund unseres Besuchs. Tatort: Die Markthalle Neun in Kreuzberg. Slow Food Berlin veranstaltete zum zweiten Mal Wurst & Bier:

w&b8w&b9w&b10w&b11w&b12Feine Sachen gegessen und getrunken. Toll: Die Ahle Wurscht von Metzger Carsten Neumeier (Nordhessen). Mein Tagesgipfel auf der Wurstseite: Die Bratwurst mit Schafskäse vom LandWert Hof aus Stahlbrode (Mecklenburg-Vorpommern). Merke: Eine gute Bratwurst ist ein Gottesbeweis!

Und beim Bier? Da hätten, was die Spitze angeht, auch 40 km nach Norden gereicht… Obwohl. Heute musste es Berlin sein. Auf der Wurst & Bier war nämlich Premiere (“Seit wann gibt es das Bier?” – “Seit morgen”). Max Krieger (Riedenburger Brauhaus) präsentierte sein erstes Porter: Dolden Dark! Herrliche Röstmalznoten, Schokolade, Kaffee… Der Mann macht nur Volltreffer!

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