Langsam isst auch Ingolstadt besser

Der 10. Geburtstag von Slow Food Ingolstadt wurde pünktlich am 11. Mai 2017 begangen – siehe hier. Allerdings mit angezogener Handbremse. Diese wurde nun vergangene Woche im Ingolstädter Schutterhof bei einer standesgemäßen Festivät zum Jubiläum gelöst. Dabei feierten wir auch gleich noch 25 Jahre Slow Food Deutschland!

Ich möchte mich namentlich kurz bedanken: Bei Andrea und Harald Mödl für deren Gastfreundschaft im Schutterhof. Die beiden sind jetzt Slow Food Mitglied 🙂 Bei Petra, Helga, Daniela, Ralf und Gunter sowie der frisch gekrönten Bayerischen Kartoffelkönigin Jacqueline I. für den hausgemachten Kartoffelsalat. Die Erdäpfel lieferte der Gemüsehof Wöhrl. Bei Barbara und Michael Weichselbaumer – ebenfalls herzlich willkommen bei Slow Food 🙂 – sowie Claudia und Joseph Huber für das gegrillte (köstliche!) Schwein. Dank ihres gemeinsamen Projekts „Naturschwein“ hatte es ein anständiges Leben vor dem Tod. Bei Klaus Kürzinger und der Big Band der Städtischen Simon-Mayr-Sing- und Musikschule für den Ohrenschmaus. Bei der Buchhandlung Stiebert für die Möglichkeit, den Genussführer gleich vor Ort zu erstehen. Bei Markus Jordan für die Illumination und bei Gerhard Tremel (Slow Food Nürnberg) für seine lieben Grußworte – er begleitete 2007 die Gründung von Slow Food Ingolstadt.

Petrus ließ sehr gnädig nur kurz einige Tropfen fallen. Wirklich wahr – als die Band „Summertime“ anstimmte, kam die Sonne wieder raus…

Ingolstadt liebt Autos (siehe nächstes Bild). Dagegen ist absolut nichts einzuwenden. Freilich ist zu hoffen, dass es beim Vorsprung durch – neue 😉 – Technik bleibt… In jedem Fall kommt Ingolstadt langsam auf den Geschmack. Slow Food Ingolstadt bleibt dran!

Seit dem 14. Juli ist in allen Filialen der Metzgerei Joseph Huber das Naturschwein erhältlich:

Ein letztes Dankeschön an Bettina Krugsperger und Holger Merten. Von ihnen stammen die geistreichen Entwürfe für die T-Shirts. Produziert wurden sie von 3FREUNDE (mit zertifizierter Fairtrade-Biobaumwolle):

Bilder mit der Signatur „LP“ (links unten im Bild) stammen von Lars Peschke.

Abendmarkt Ingolstadt – zweiter Besuch

Donnerstag. Mittagszeit. Wo war ich? Natürlich im Golden. Wenn die nicht gerade umbauen würden… Ab dem 22. Juli haben sie aber wieder offen. Donnerstag? Genau! Da gibt es ja jetzt den Abendmarkt – hier. Und dort war ich heute eh, weil es galt ein Foto zu machen – als Einstimmung für die Festivität zum 10-jährigen von Slow Food Ingolstadt am 14. Juli ab 18:00 Uhr im Schutterhof – Gäste sind herzlich willkommen!

Foto: Cornelia Hammer. Quelle: www.donaukurier.de/lokales/ingolstadt/Ingolstadt-DKmobil-Im-Positiven-die-Welt-veraendern;art599,3461067

Auf Burger konditioniert probierte ich sogleich die „Zupfte Sau“ (Pulled Pork) derer von Harpfenburg (Philip und Maximilian Schneider). Sie sind erfreulicherweise zukünftig beim Abendmarkt dabei. Ich probierte sie auch deshalb, weil mir die beiden nunmehr schon sehr häufig positiv mit ihren Produkten (und ihrem Bekenntnis zu Regionalität und Saisonalität) aufgefallen sind.

Dieses Bild hing heute etwas schief. Die Laugensemmel macht der Wolfgang Erhard. Gut so. Zum Rest – die Sau und das Kraut – übe ich mich im Vergessen. Hatte aber freilich gleich die schöne Schweinegeschichte – die morgen auch im Schutterhof vorgestellt wird – auf Sendung. Und dieses Kraut. Ehrlicher, praktischer Rat. Leuten gegenüber, die ich wertschätze. Ich habe ein gutes Gefühl…

Donnerstag ist einfach Burgertag. Glück gehabt – bei Soulkitchen:

Abendmarkt Ingolstadt

Am vergangenen Donnerstag (06.07.17) fand der erste Ingolstädter Abendmarkt in der Ludwigstraße (beginnend am Schliffelmarkt) statt.

Es ist ihm eine erfolgreiche Zukunft zu wünschen – denn er bereichert die Altstadt mit einem qualitativ beachtlichen Angebot. Nachdem wir LEIDER keine feste, dauerhafte Markthalle haben, kommt die Schanz mit dem neuen Format wenigstens an 50% der Werktage (mit dem Wochenmarkt am Mittwoch und Samstag) in den Genuss frischer, regionaler Lebensmittel direkt vom Erzeuger.

Mein persönliches Highlight: Das Schinken-Ambiente ist (endlich) in der Stadt! Köstliche, handgemachte Spezialitäten aus gutem Ursprung von Slow Food Unterstützer und Freund Wolfgang Speth:

Und so liebe Ingolstädter, kann man zur Premiere auf Sendung gehen!

Quelle: www.schinken-ambiente.de

Am Stand gibt es gleich auch das wunderbare Kürbiskernöl der Familie Hiermeier aus dem Altmühltal:

Frisches Obst und Gemüse bieten der Biohof Hundszell und der Gemüsehof Humbold aus Unsernherrn:

Soulkitchen Burger. Food Truck(s) in der Innenstadt – ein Politikum…

Dazu „alte“ Bekannte, die wir bereits in der Innenstadt kennen, aber gerne auch so erleben: Marianne und Rüdiger Ahnfeldt vom Ars Vivendi (Slow Food Unterstützer):

Birgit Obermeier (Liebe Vegan) und die District Five Coffee Roasters:

Und das waren nicht einmal die Hälfte der Stände – aber meine Favoriten. Die nächsten Termine, immer von 16 bis 20 Uhr:

13./20./27. Juli 2017
7./14./21./28. September 2017
5./12./19./26 Oktober 2017

Wink mit dem Ringelschwanz

Mitte Mai 2017. Ich bin unterwegs in der Hallertau. „Der Hopfen will jeden Tag seinen Herrn sehen.“ Sprich, er macht viel Arbeit. Zurzeit steht in den Hopfengärten das – nur per Hand mögliche – Nachleiten der Triebspitzen auf dem Plan:

Ein sehr passendes Einfallstor in diese herrliche Landschaft bietet – ungefähr auf Höhe von Pfaffenhofen – die Autobahnabfahrt beim (ehemaligen) Rasthaus Holledau:

Ich möchte die Geschichte einer Speise kennen. Ich möchte wissen, woher die Nahrung kommt. Ich stelle mir gerne die Hände derer vor, die das, was ich esse, angebaut, verarbeitet und gekocht haben“ – sagt Carlo Petrini, Gründer und internationaler Präsident von Slow Food.

Damit war der Samstag vor zwei Wochen ein Paradetag für mich! Ich ergreife diese Hände nämlich auch sehr gerne – „Shake the hand that feeds you“ (Michael Pollan). Mein Reiseziel lag nur wenige Minuten von der A9-Ausfahrt entfernt: Der Hof (auch Hopfen!) von Barbara und Michael Weichselbaumer – geerdet, hellwach, hochsympathisch. Kennengelernt hatte ich die beiden vergangenen Oktober beim von Slow Food Ingolstadt organisierten Abend „Reine Wurst“ im Museum für Konkrete Kunst. Dabei kündigten sie ein großartiges Vorhaben an: Den Neubau eines würdigen Schweinestalls! Jetzt war er fertig und sollte eingeweiht werden:

Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft fand heraus: „Die Verbraucher wollen mehr Tierwohl (87 Prozent) und (88 Prozent) sind bereit, mehr für Lebensmittel zu bezahlen, wenn die Tiere besser gehalten werden. Dabei ist Transparenz den Verbrauchern (82 Prozent) besonders wichtig.

Die Botschaft hör ich wohl, allein… der Geist scheint willig, aber das Fleisch ist schwach. Anders lässt sich der leibhaftige Alltag in weiten Teilen der industriellen Landwirtschaft, den gigantischen Zentralschlachthöfen, bei der Mehrheit der Tiertransporte und endlich bei Geiz ist geil-Orgien in Discountern, Supermärkten und der Systemgastronomie nicht erklären. Und auch auf vermeintlich sicherem Terrain – den Metzgereien – gilt es konkret nachzufragen: Wieviel wird von Großschlachtereien zugekauft? Kennt man seine (regionalen?) Bauern wirklich? Weiß man tatsächlich wie diese arbeiten? Und – wie arbeiten sie denn?

Schauen wir uns zur Orientierung und Erhellung allein das Platzangebot bei der Schweinehaltung an. Ein 50 bis 110 kg schweres Tier hat nach dem gesetzlichen Standard 0,75 Quadratmeter – und keinen Auslauf. Das betrifft mehr als 99%(!) aller in Deutschland gehaltenen Schweine. Das Platzangebot beim vom Bundesministerium – vollkommen zu Unrecht – stolz gefeierten Tierwohllabel liegt in der Eingangsstufe bei 1,0 Quadratmetern – bei ebenfalls keinem Auslauf. Die Zertifizierung nach den EU-Bio-Richtlinien bietet insgesamt 2,3 Quadratmeter (1,3 im Stall und 1,0 bei der Außenfläche).

Und die Weichselbaumers? Sie bieten ihren Schweinen – ohne Bio-Zertifizierung – im neuen luftigen Stall 2,1 Quadratmeter! Stroh satt auf geschlossenen Böden (keine Spalten) und gentechnikfreies, zu einem großen Teil selbst angebautes Futter (Zukauf nur regional). Die Ferkel kommen vom wenige Kilometer entfernten Züchter, der den neuen Weg mitgeht. Dazu gehört, eigentlich eine Selbstverständlichkeit – aber in unserem Land weniger als einem Prozent der Schweine vergönnt, weil sie sich den Produktionsbedingungen anzupassen haben und nicht umgekehrt – dass sie ihren Ringelschwanz behalten dürfen:

Wie kam es dazu? Barbara Weichselbaumer beschrieb es mir sehr persönlich und authentisch so:

Das wird wohl eine längere Geschichte. Wenn ich ganz ehrlich bin, war ich nie glücklich mit unserem alten, konventionellen Schweinemaststall. Aber er war halt da, als ich hier ankam, sogar subventioniert von Steuergeldern. Tja und so half ich halt meinem Mann auf dem Hof und auch im Stall, wenn er mich brauchte. Doch ich stand einfach nicht hinter dieser Haltungsform. Und dann kannst du das schon mal eine gewisse Zeit mitmachen, aber auf Dauer geht das schlecht.

Ich interessiere mich für unsere Umwelt, für Nutztiere, für unsere Probleme der Zukunft. Schaut man sich Reportagen und Filme an, liest Bücher, führt Gespräche, dann wird einem doch immer ganz klar, dass man ein Teil dieses Systems ist. Eines Systems, welches meiner Meinung nach in keine gute Richtung läuft. Aber muss ich da mitmachen?

So überzeugte ich langsam (es dauerte Jahre!) meinen Mann. Bei  Fragen an Berater oder Firmen bekamen wir schrecklichste (das meine ich ernst!) Antworten. Doch ein befreundeter Biobauer aus der Oberpfalz hat einen ähnlichen Stall. Dort konnten wir sehen, dass es sehr wohl funktionieren kann. Vor 4 Jahren schenkten wir dann unseren Kindern ein tragendes Zuchtschwein. Du hast sie am Hoffest auf ihrer Weide entdeckt. Und so probierten wir einfach selber aus, wie sowas denn klappen könnte. Wir hielten die Kleinen auch auf einer Weide, im Winter dann im Versuchsstall (direkt neben unserem Fest, vielleicht hast du den Versuchsstall mit den Hütten gesehen?). Wir erlebten gesunde und robuste Schweine, selbst im Winter. Zu dieser Zeit husteten die Schweine im alten Stall, da die Heizung und Lüftung läuft, alles austrocknet und staubig macht. Wir erkannten, dass wir Strom verbrauchen, einen geschlossenen Stall haben, die Tiere anfällig sind, … und es geht auch anders. Unsere Kinder verdienten ihr Taschengeld, während wir zuschauten und Erfahrungen sammelten. So langsam entstand dann die Idee dieses Kaltstalles.

Stück für Stück wurde zusammengetragen und gebastelt. Wir haben bewusst keine einzelne Firma für unseren Bau beauftragt. So kann nun an unseren Stall keiner seinen Namen draufschreiben. Viele Dinge wurden gebraucht eingebaut, wir lachten immer und nannten es „Upcycling“. Schließlich starteten wir im Oktober 2016 und sind nun (im Mai 2017) fertig. Ein paar Dinge werden noch gemacht, z. B. kommt eine Photovoltaikanlage auf das Dach. Ich hab versucht mich kurz zu fassen, auch wenn es da noch so viel Wichtiges gäbe.

Michael und Barbara Weichselbaumer, Joseph und Claudia Huber

Während der Vorbereitungen zum Stallbau machten sich die Weichselbaumers natürlich auch Gedanken zur zukünftigen Vermarktung der Tiere. Und trafen – in einem Meer von Schnäppchenjägern nicht wirklich überraschend – auf viele taube Ohren. Dann meldeten sich Claudia und Joseph Huber bei ihnen. Deren mustergültige Metzgerei ist die erste mit Bio-Zertifikat in Ingolstadt. Ganz kurz gesagt – da haben sich die Richtigen getroffen!

Die Schweine – eine Kreuzung aus „Deutscher Landrasse“ und „Pietrain“ – werden nach ca. sieben bis acht Monaten schlachtreif sein. Den Transport zum Ingolstädter Schlachthof übernehmen bereits die Hubers. Dann werden sie von Kopf bis Fuß (Nose to Tail) in deren Metzgerei verarbeitet und veredelt. Wir werden die Produkte als „Joseph Hubers Naturschwein“ in den fünf Filialen finden. Wann ist es soweit? Die Planung verspricht Mitte/Ende Juli. Erste Anfragen von Gastronomen soll es schon geben. Schön! Ich wünsche mir, dass der Daniel dabei wäre. Ein herrliches Wirtshaus mit nur einer Schwachstelle – die so, sehr elegant geschlossen werden könnte. Ich werde es dem Pickl Willi auf jeden Fall sagen…

Unter Begleitung wohliger Klänge – die Schweine haben aufgemerkt! – spendete Diakon Josef Forster in kernigem Bayerisch den kirchlichen Segen. Dann gabs Brotzeit und Bier:

Heimfahrt. Ich bin positiv bewegt. Meine Gedanken kreisen. Da sind gute Dinge in Bewegung geraten. Da wächst etwas Neues. Der Wind weht richtig. Mit den Weichselbaumers haben wir mutige Bauern, die Hoffnung machen auf eine zukunftsfähige Landwirtschaft. Mit den Hubers haben wir Metzger, die sich nicht weniger couragiert einem Wettbewerb stellen, für den der kleine Preis nach wie vor das Maß der Dinge ist. Wer fehlt? Ihr! Die Verbraucher – Slow Food nennt sie ihrem Einfluss Rechnung tragend Ko-Produzenten – die an der Kasse über den Erfolg dieser Geschichte entscheiden werden. Lebensmittel einkaufen ist ein politischer Akt. Wir sagen mit den erworbenen Produkten ja zu deren Art der Entstehung und Herkunft. Was wir nachfragen wird angeboten. Zur Orientierung: Den Mehrpreis zum aktuell bei ihm angebotenen Schweinefleisch/-wurst (Bio ausgenommen) kalkuliert Joseph Huber mit ca. 1/3. Vor dem Hintergrund, dass der allgemeine Fleischkonsum eh viel zu hoch ist, ein Witz. Mein Vorschlag: Budget dafür stehen lassen. Damit weniger Fleisch, dafür besseres Fleisch kaufen. Zurück Richtung Sonntagsbraten. Nicht aus Not. Aus Respekt, Wertschätzung und Vernunft.

Ich bleibe selbstredend an der Sache dran. Werde berichten, wann es die ersten Würste gibt. Und wie sie schmecken. Die Weichselbaumers weitere (alte) Schweinerassen einstallen 🙂 Slow Food Mitglied geworden sind 😉 Oder der nächste Stall dieser Spielklasse in unserer Region von einem weitblickenden Bauern errichtet wurde.

Tipp: Beim Sommerfest zum 10. Geburtstag von Slow Food Ingolstadt im Schutterhof am 14. Juli 2017 (ab 18:00 Uhr) werden wir das ein oder andere Schwein aus Pfaffenhofen auf dem Grill haben.

Noch zum Thema: Schweinehaltung im Kloster Plankstetten (nach Bioland-Richtlinien), die „Sau-Wohl“ Patenschaft der Metzgerei Prosiegel, Schwäbisch-Hällische bei der Bäuerlichen Erzeugergemeinschaft Schwäbisch Hall und der Labonca Biohof – hier wird das Hochamt zur Materie zelebriert.

extra prima good wird sechs

Von einem gefestigten Brauch, einer gepflegten Tradition will ich (noch) nicht sprechen. Ein Paradebeispiel dafür wäre das jährlich mit Spannung erwartete Sujet der OLMA-Messe (alle Exemplare seit 1943 hier). Andererseits mache ich mir jedes Jahr im Vorfeld des 15. Mai so meine Gedanken, wie ich den Geburtstag von extra prima good mit einem Bild proklamiere. Von einer guten Übung – es sind heute sechs Jahre! – kann deshalb durchaus schon gesprochen werden. Und so kam ich gestern zu meinem ersten Auftritt 2017 im Ingolstädter Freibad:

Der geneigte Leser darf sich freuen – nach einer eleganten Wende werde ich mich in das siebte Jahr abstoßen. Filippa auf den Tag so alt wie der Blog – von Herzen alles Gute! – kommt darin bereits in die Schule… Wir können die Zeit nicht anhalten. Wohl dem der sie genießen kann! extra prima good wird sich um weitere Handreichungen hierzu bemühen.