Fingerzeig (43) – Der Granat ist im Arsch

Das Salz in der Suppe einer Stadt sind Aktivitäten wie diese! Sigrid Diewald verantwortet in Ingolstadt eine Designagentur. Sie heißt schnellervorlauf. Diese wiederum gönnt sich einen Kreativspielplatz. Er heißt Studio Famos. Und hier (Harderstraße 22) residiert soeben (02. bis 11.11.2017 – Mo bis Sa – 10 bis 19 Uhr) der Pop-up-Store „Palimp’s best“. In ihm präsentieren Grazer Designer ihre verschiedensten Schöpfungen. Hingehen!

Ich war heute Nachmittag auf einen Sprung dort. Zwei persönliche Lichtblicke will ich kurz hochhalten: Die Uhr von Markus Ofner:

Und diesen Ring – „der Granat ist im Arsch“ – von Wolfgang Löffler:

Hintergrundgeschichten dazu helfen weiter… Wie praktisch – die Mehrzahl der Designer sind persönlich vor Ort! Man kann also von der Quelle trinken.

Das gilt auch für dieses Grazer Bier – „Eule Koffeinbier“:

Und für diesen Gin – „Lenz im Park“:

Ich habe ihn probiert Sigrid. Hier meine – wie immer – offene und ehrliche Meinung: Er schmeckt gefällig und recht mild. Der Wacholder wird von der sehr dominanten (aber sicher so gewünschten) Zitronennote weit in die eigene Spielhälfte gedrängt. Das grafisch gelungene Etikett wirft (aber) leider mehr Fragen auf, als es beantwortet. So erfahren wir über den Inhalt der Flasche faktisch nichts. Ein Blick auf die Website des Augsburger Herstellers macht es nicht besser. Im Gegenteil. Dort wird beim „August Gin“ von „feinsten biologischen Zutaten aus der Region“ gesprochen. Eine Bio-Zertifizierung freilich sucht man vergebens… Auch konnte ich den Bezug zu Ingolstadt (bisher) nicht erkennen. Und den sollte es doch geben, oder? Hätte da aber gleich eine Idee. Wenn es für die Schanz auch keine Punktlandung wäre. Unmittelbar nördlich der Stadt – im angrenzenden Altmühltal – erheben sich die charakteristischen Wacholderweiden…!

(42) – Fingerzeig – (44).

Fingerzeig (42) – Wirtshauslegende schließt

… und was eine Brennnesselsuppe bewirken kann.

Ich will diese Notiz gar nicht schreiben! Es ist hochbetrüblich. Es wird wehtun. Nein, das tut es schon jetzt. Und ich weiß nicht, wie ich es schonend beibringen kann.

Vielleicht so: Wer Lust hat den Urmeter eines anständigen Wirtshauses zu besuchen, der hat dafür immerhin noch gute zwei Monate Zeit.

Wer hier noch nicht war, der sollte das tun! Wem die Stätte der Stärkung – weitere in jeder Hinsicht zulässige Synonyme wären Erquickung, Annehmlichkeit, Beruhigung, Kräftigung, Besserung, Vertiefung, Neubelebung, Stabilisierung, Wohltat, Erholung, Sicherung, Wiederherstellung, Rast, Erbauung, Stützung, Tröstung, Verankerung, Festigung, Erfrischung und Genesung – hingegen bekannt ist, der wird das tun!

Es ist (leider) vom wunderbaren Gasthof Stirzer in Dietfurt die Rede. Und noch viel wichtiger von den Menschen, die ihn dazu gemacht haben: Den Wirtsleuten Irmgard und Sepp (Josef) Hierl. Deren (digitaler) Abschied fällt – nicht untypisch – restlos geerdet und bescheiden aus. Screenshot der aktuellen Website:

Was kann ich (noch) sagen? Ich hatte hier eine sehr prägende Erleuchtung, die bis heute fortdauert. Nachzulesen im aktuellen „Slow Food Magazin“:

Und in der sehr empfehlenswerten Buchreihe „Lebensart genießen“ (selekt Verlag), Ausgabe „Regensburg“:

Wir – meine Frau Petra und ich – haben hier unsere Hochzeit gefeiert. Eine weitere sehr prägende Erhellung. Auch sie ist von Dauer.

Weißt Du, welche Gerichte ich am meisten vermissen werde Sepp? Es sind drei – Du nennst sie so schön – Voressen: Natürlich die „Brennesselsuppe mit Schwarzbrotkrustl“. Stell Dir vor, ich habe kein einziges Foto davon! Dann die „Nudelfleckerl mit Speck/Krautfüllung“ (und zerlassener Butter mit frisch geriebenem Hartkäse)

sowie das „Brezenknödel-Carpaccio mit Blutwurstgröstl:

Hier entstand 2015 eine frohsinnige Reihe sommerlicher Nachbarschaftstreffen von Slow Food Ingolstadt mit Slow Food Niederbayern:

Sommer 2015

Sommer 2017

Die junge Tradition erfährt jetzt nach drei Auftritten einen herben Schlag. Ist doch gerade dieser Ort mehr als wesentlich… Was soll diesen Innenhof ersetzen? Wie geht es weiter Georg Flingelli?

Gegenwärtig verschickt Slow Food die Urkunden für die im Jahr 2018 im Genussführer gelisteten Wirtshäuser. Eine davon werden wir nicht (mehr) übergeben.

Sepp Hierl kochte dazumal in Ingolstadt. Im eigenen Wirtshaus im (alten) Theresiencenter. Ich bekomme den Namen nicht mehr hin. Irgend eine Adelsgeschichte. Wer ihn noch weiß, kommentiert ihn bitte. Dann – beim Schafkopfen – kam der Tipp: In Dietfurt stand die Komplettsanierung eines historischen Gebäudes vor dem Abschluss…

Am 02.06.1994 (Fronleichnam) schlossen die stolzen neuen Pächter die Türen auf. Jetzt, nach sehr guten 23 Jahren reicht es einfach. Die Hierls haben den Pachtvertrag ordentlich gekündigt. Im Sommer nahm mich der Sepp kurz zur Seite: „Miche – wir hören auf“. Ich musste mich setzen. Ein Nachfolger ist bis zur Stunde nicht in Sicht. Die Hierls schließen – sicher nicht ohne Wehmut – aber rundrum zufrieden am 31.12.2017 die Türen.

Was für ein Verlust… Liebe Irmgard, lieger Sepp – Danke. Von ganzem Herzen. Für so vieles!

(41) – Fingerzeig – (43).

Fingerzeig (41) – Golden Facelift

Nach knapp sieben Jahren gönnte sich das Golden ein zartes Facelift. Seit einer guten Woche ist der Ingolstädter Oberburgermeister wieder im Amt. Frisch und aufgeräumt. Es gibt ein paar neue Blickfänge. Die wirklich wichtigen Dinge sind geblieben. Gott sei Dank!

(40) – Fingerzeig – (42).

Fingerzeig (40) – Vorzugsmilch

Der von mir hochverehrte Vincent Klink hat eine sehr schönen Philosophie: „Vom Einfachen s’Beschde!“ Zum „Einfachen“ zähle ich die Bestandteile der kulinarischen Grundversorgung. Milch zum Beispiel. Hier habe ich mich zu ihr bereits erklärt. Und dabei genau diese Milch getrunken:

Die Milch kommt vom Milchhof Lerf. Meinen Dank an Rupert Ebner, der sie kürzlich vor Ort in Ingolstadt entdeckt hat. Prima! Man bekommt sie im Biomarkt Landmann´s (Permoser Straße 88). Zu guter Letzt: Der Geschmack ist (natürlich) vorzüglich

(39) – Fingerzeig – (41).

Fingerzeig (39) – Boquerones fritos

Vor einigen Wochen war ich im Ölbaum beim Schafkopfen (hier darf man das in Ingolstadt). An einem Dienstag – das ist vorliegend entscheidend. Der Ölbaum liegt alleine in der Schublade. Ich will damit sagen, dass es in der Stadt nichts vergleichbares gibt. Bar, Kneipe, Kulturstätte, Speiselokal, für nicht wenige zweites Wohnzimmer (sehr hoher Stammgästeanteil, durchaus lehrerlastig). Von alledem etwas. Auf kleinem Raum.

oelbaum-1Das Ganze dirigiert seit 1998 Klaus Reichelt. Neben der kleinen (größtenteils erfreulichen) Speisekarte gibt es eine Tafel (rechts neben der Bar), auf der die Tagesgerichte stehen („Liebe Gäste, alle unsere Gerichte werden täglich frisch und ohne Konservierungsstoffe oder Geschmacksverstärker zubereitet„). Man schaue immer dorthin! An jenem Dienstag stand hier unter anderem: „Boquerones fritos mit Aioli und Baguette„. Meine Bestellung erfolgte faktisch simultan zur Wahrnehmung des Angebots. Auf die Fischlein einige Spritzer Zitrone, vom Weißbrot grüßt die Knoblauch-Creme, dazu ein ehrlich-einfacher Weißwein. The good life!

oelbaum-3Meine Anregung, die Boquerones doch bitte in die feste Speisekarte aufzunehmen, wurde umgehend verworfen. Als Gründe dafür wurden genannt: Frische Sardellen, in der von Klaus Reichelt geschätzten Qualität, gibt es in Ingolstadt nur von Spätherbst bis Frühling. Und nur bei einem türkischen Händler. Und wenn, dann auch nur am Dienstag (nicht jeden!). Am Ende der Erklärung hatte ich mein breitestes Grinsen auf. So darf, so soll es sein!

Heute ist Dienstag.

oelbaum-2Ölbaum. Bei der Schleifmühle 34, 85049 Ingolstadt. Täglich geöffnet ab 18 Uhr. Sonntag ist Ruhetag. Telefon: 0841/9312575.

(38) – Fingerzeig – (40).

Breaking news … soeben erreicht mich diese SMS (unten) … abgeschickt vor diesem Beitrag … leider aber erst jetzt gesehen … (das Telefon ist Beweis genug, dass ich nicht jede Minute daran herumfummele) … toller Service Klaus – Danke! … also zurück zur schönsten Freude – der Vorfreude …

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