Wer hat´s erfunden? Die Irokesen

Ein lieber Freund ist Kanadier. Er kommt aus der Provinz Ontario, ganz im Osten, gleich über dem Ottawa River liegt die Provinz Québec. Slow Food hat uns zusammengebracht. Kulinarisch fällt jetzt zwingend das Produkt dieser Region: Ahornsirup! Ein wunderbares, reines Naturerzeugnis – eine beachtliche Zutat für das im Wortsinne dolce vita.

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Einheitsdesign aller Sirupabfüllungen aus Québec

Vom letzten Weihnachtsbesuch in der Heimat brachte er zum munteren Probieren vier Dosen in den Klassifizierungen – light, medium, amber und dark – mit. Die Geschmacksintensität steigt mit der Farbsättigung.

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Infodestillat: Anteil Kanada Weltjahresproduktion: Gute 85 % – davon ca. 90 % Québec. Rest USA (Neuenglandstaaten). Erntezeit Ende Februar bis April – dazu unbedingt notwendig Nachtfrost und gleichzeitig tagsüber Temperaturen über den Nullpunkt. Dann steigen die Säfte des Zucker-Ahorn aus den Wurzeln in den Stamm. Dieser wird angebohrt und der Saft gesammelt. Durch verkochen entsteht Sirup, der Zuckergehalt steigt von ca. 2% auf ca. 66%, es entwickelt sich das charakteristische Aroma. Als Entdecker und Erfinder der Köstlichkeit gelten die Irokesen.

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Nach der puren Verkostung (medium bis amber sind meine Dosen) brutzelte der Gastgeber zum späten Frühstück einen Kalorienamboss der gleich in dreifacher Hinsicht dem feinen Sirup kongenial die Hand reichte. Einmal mit dem säuerlichen Schmand, dann mit den dicken in der Pfanne gebratenen Brotscheiben (getränkt in Milch, Orangenschale, Zimt, Eiern, Zucker, Vanille und Double crème) und schließlich mit dem knusprigen Speck (Quelle: Wolfgang Speths Schinken Ambiente). Nicht ein Geschmacksrezeptor hat sich beschwert! Allerdings setze ich diesem Schmaus gerade die ganze Fastenzeit entgegen… Das Rezept (ohne Speck) stammt von Yotam Ottolenghi und nennt sich super french toast:

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Welche Nationalflagge steht regelmäßig auf dem Schönheitstreppchen? Genau. Auf dem weißen Feld in ihrer Mitte ist ein 11-zackiges, rotes Zuckerahornblatt(!) abgebildet. Wikipedia weiß zudem: “Die elf Zacken des Ahornblattes entsprechen nicht dem Original in der Natur, das 23 Zacken besitzt.”

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Traumpaar: Blaubeere und Zitrone

Haben dieser Tage beim Bergwandern reichlich Blaubeeren (Heidel-, Schwarzbeeren) genascht. Ganz en passant. Sie sind gerade wunderbar reif. Schnitt. In meinen “to do – Lesezeichen” schlummert seit geraumer Zeit ein Kuchenrezept: Blaubeerkuchen mit ganz schön viel Zitrone. Es entstammt dem feinen Kuchen-Blog “Zucker, Zimt & Liebe”. So kommen die Dinge zusammen… Angelehnt an dieses Rezept (+ Vanillemark) ist Petra – jeden Verdacht bestätigend – ein ganz köstliches Gebäck gelungen:

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Wo sammelt Ihr in Ingolstadt und Umgebung Blaubeeren? Ich verrate Euch dafür eine Quelle für ausgezeichnete Vanille vor unserer Haustüre: Slow Food Förderer Madavanilla.

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Zwischen Kuchen und Schweinsbraten – die erste Uhr

Eine bemerkenswerte Geschichte beginnt Christopher Walken in Pulp Fiction mit den Worten: “Diese Uhr, diese Uhr hier, tja – die hat dein Urgroßvater während des ersten Weltkriegs erstanden.” Uhren sind etwas ganz eigenes. Gestern hat Moritz seine erste Uhr bekommen.

Begonnen haben wir den Tag zunächst in Schwabing, im Hammerstein & Maier mit einem köstlichen, hausgemachten Orangenkuchen. Das sehr kleine Café befindet sich in der Augustenstraße 101 und wird von Petra Hammerstein und Corinna Maier geführt. Frau Hammerstein bloggt unter der Überschrift “Der Mut anderer” (schon lange in meiner Blogroll). Seit einer Empfehlung der Kaltmamsell (noch länger in meiner Blogroll) will ich hier mal vorbeischauen. Die täglich wechselnden Mittagsgerichte, die Sandwiches, Naans, Tramezzini und Kuchen werden allesamt selbst gemacht. Die Zutaten (Biopräferenz) dafür stammen von regionalen Kleinbetrieben. Meine Empfehlung!

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Und dann war es soweit. Noch 21 min bis zum Glockenspiel:

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Den Abend haben wir in Haidhausen ausklingen lassen. Beim Besuch der jüngsten Empfehlung des Slow Food Conviviums München zum Genussführer: Dem Klinglwirt in der Balanstraße 16. Die junge Wirtin heißt Sonja Obermeier. Ihre Familie bewirtschaftete von 1905 bis in die frühen 1990er Jahre im Landkreis Ebersberg eine Dorfwirtschaft – den Klinglwirt.

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Die Bierauswahl – ja mei… Das Essen – Daumen hoch! Wir hatten Bayerische Brotsuppe mit abgeschmolzenen Zwiebeln, Schweins- und Sauerbraten (jeweils Bio von den Herrmannsdorfer Landwerkstätten).

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Auf der Heimfahrt stellte Moritz trocken fest: “Für gewöhnlich bin ich seit genau 2 Stunden und 15 min im Bett”. Neue Blickwinkel.

Schlaraffenland Südsteiermark

Felix Austria! Heute: Die Südsteiermark. Gerade beglückt mit einer Influenza und des Winters langsam müde, blicke ich zur Stützung und Erbauung zurück:

Mein Langstreckenradar hatte schnell ein Domizil für die Familie ausgemacht. Die kurze Rückversicherungnachfrage – ein Hoch auf für gewöhnlich gut unterrichtete Kreise – bei Katharina Seiser wurde so beantwortet: “du wirst’s nicht glauben, aber wir waren letzte woche von di bis sa im…weingut tauss!” Sagenhaft. Selten habe ich schneller gebucht.

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August 2012. Volltreffer! Alice und Roland Tauss waren feine Gastgeber und setzen damit meine großartigen Erfahrungen mit BIO-Hotels nahtlos fort.

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Das biologisch-dynamisch bewirtschaftete Weingut ist Mitglied der zukunftweisenden Wertegemeinschaft Schmecke das Leben von fünf steirischen Bio-Winzerfamilien. Darunter ist auch Sepp Muster – zuletzt gesehen auf der Messe der K&U Weinhalle.

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Morgenstund hat Gold im Mund – dem Frühstücksangebot sei Dank: Vom selbstgemachten Brot, über eigentlich jede Teesorte von Sonnentor, bis zu Wurst vom Labonca-Biohof. Jeweils Montag, Mittwoch und Freitag wird für die Hausgäste ein schmackhaftes Abendessen gekocht. Und hier kocht die Chefin!

Echte Nachhaltigkeit beginnt jenseits des Spruchs “Wissen Sie wie viele Tonnen Handtücher täglich weltweit in allen Hotels und Pensionen gewaschen werden?” Wir finden deshalb geölte Holzböden, geölte Vollholzmöbel sowie Textilien der Grünen Erde.

Und es sind die vielen kleinen Details, die das Gesamtbild strahlen lassen. Ein Beispiel. Gegen Mitternacht mache ich noch einen kurzen Gang zu einer Anhöhe, etwas oberhalb des Weinguts. Windgeschützt in kleinen Gläsern brennen dort Kerzen und machen aus der Stelle einen wahren Kraftplatz. Schön so was.

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Mit der hügeligen Landschaft und ihrer reichen, vielfältigen Fruchtbarkeit steht die Südsteiermark für mich auf Augenhöhe mit dem Piemont.

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Eine Art Wahrzeichen der Gegend ist der Klapotetz. Man gewinnt ihn schnell lieb. Das charakteristische Windrad dient in den Weinbergen als Vogelscheuche. Traditionell von Jakobi (25.07.) bis Allerheiligen (01.11.).

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Bei den Tauss gibt es wahrlich mehr als genug Rückzugsplätze zum entschleunigen. Und einen Pool. Am Morgen, nach der Wanderung und überhaupt – der Pool! Macht man sich hingegen auf den Weg, ist es wirklich egal wohin man sich begibt. Vielleicht ein guter Ratschlag bei der Qual der Wahl an herrlicher Natur, Kultur und Kulinarik ringsum.

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Gleich um die Ecke, schön zu Fuß zu erwandern, z. B. der oberGuess Buschenschank. Meine ersten Käferbohnen. So heißen hier die Feuerbohnen. Schöne steirische Extrawürste. Der Chardonnay z. B. heißt Morillon.

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Die Steiermark grenzt an Slowenien. Einmal sind wir nach Maribor. 2012 immerhin Kulturhauptstadt Europas! War recht ernüchternd. In jeder Hinsicht. Gut, es hatte Dauerregen. Trotzdem.

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Nach einem Almausflug (Grenzgebiet Weststeiermark/Slowenien) kehrten wir in das sehr, sehr(!) abgelegene Gasthaus Strutz ein. Das Reich von Maria Strutz. Öffnungszeiten nach Vereinbarung – es gibt keine Speisekarte… Strutz verarbeitet nur Produkte vom eigenen Hof. Spezialität: Forellen. Nach unserer Bestellung griff sie zum Kescher – “Das Fischlein zappelt dran; Und ich, mit regem Blute, Sah die Betrogne an.” Auch beim schmurgeln in der Pfanne.

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Hier die Adresse: Laaken 21, 8554 Soboth, Österreich, Tel. +43(0)3460248. Im Gastraum steht noch eine Wurlitzer. Er nimmt Schillinge oder 2 EUR Stücke.

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Es war köstlich! Wo findet man solche Adressen? Einmal im Buch “Slow Food – Gasthäuser in Österreich”. Gerade ist die Ausgabe 2013 erschienen. Und im “Slow Food Styria Guide” des Slow Food Conviviums Styria. 2013 ebenfalls druckfrisch.

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Das grüne Gold der Steiermark: Kürbiskernöl. Wie lange schon, wollte ich mir das genauer ansehen. Die Erntemaschine – der “Igel” – sammelt die Kerne vom Steirischen Ölkürbis und spuckt dessen nicht verwertbares Fruchtfleisch wieder aus. Seine Samenkerne haben im Gegensatz zu anderen Arten keine verholzte Samenschale, sondern sind nur durch ein dünnes Silberhäutchen geschützt.

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Genau das ermöglicht in der Mühle dann die Ölgewinnung. Wer macht es besonders gut? Blätter, blätter im Slow Food Styria Guide: Die Ölmühle Hartlieb in Heimschuh:

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Marillenkern-, Mohn-, Traubenkern-, Raps-, Sonnenblumen-, Mandel-, Erdmandel-, Argan-, Walnuss- oder Haselnussöl. Alles auch in der Pressung.

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Der Chef – Thomas Hartlieb:

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Ich kann es in unseren Breiten nicht oft genug empfehlen: Kürbiskernöl mit Vanilleeis. Probieren – das Leben ist schön!

Wir blieben in Heimschuh. Beim ersten Besuch gab es Backhendl. Dabei bestellten wir dann für diesen Mittag etwa ganz besonderes – Kapaun vom legendären Sulmtaler – in der klassischen Zubereitung mit Semmelfülle. Wir sind zu Gast im Wirtshaus der Familie Koschak:

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Das optimale Schlachtalter der Sulmtaler (Huhn, Hahn, Kapaun) liegt zwischen 24 und 32 Wochen bei extensiver Freilandhaltung. Donnerwetter! Zum Vergleich: Das Schlachtalter eines Huhns aus industrieller Quälhaltung liegt bei maximal 5 Wochen…

Es hat gemundet! Wenngleich ich einräumen will, dass es zum Vergleich mit den eigenen Geschmackserfahrungen gescheiter gewesen wäre, (zunächst) ein Huhn zu probieren.

Seniorchef Toni Koschak, der sich wie kein Zweiter um den Erhalt und die Zucht der Rasse engagiert, zeigte uns voller Stolz seine Tiere. Moritz in der Wahl seines Shirts sehr sicher:

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Es sind Protagonisten wie Koschak, die Eingang in das empfohlene Buch von Dominik Flammer “Das kulinarische Erbe der Alpen”, gefunden haben.

Angelika Gsellmann, die bei den Herrmanndorfer Landwerkstätten das wunderbare Landhuhn-Projekt betreut, kommt passend auch aus der Steiermark.

Gibt es ein würdiges Leben ohne Schokolade? Nicht für mich! Georg Bernardini hat dazu ein wunderbares Buch geschrieben: Der Schokoladentester. Nach seinem Testmarathon kommt er in seinem Gesamtfazit der weltbesten Schokoladenhersteller zu dieser Rangliste: Zotter vor Domori, Pierre Marcolini, Vestri, Soma und Valrhona. Josef Zotter hat seine Manufaktur… im oststeirischen Riegersburg!

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Zotter ist im positivsten Sinne ein Verrückter. Slow Food, Bio und Fair Trade! Dazu seine einmalige Innovationskraft (über 300 verschiedene Geschmacksrichtungen). Direkt hinter seinem “Schoko-Laden-Theater” hat er mit der Aufforderung „Schaut dem Essen in die Augen“ auf 27 ha einen “Essbaren Tiergarten” errichtet. Die Bewohner: Alte Nutztierrassen. Im Restaurant vor Ort gibt es eben genau diese. Vorbildlich! Nach absolut restloser Füllung unserer Schokoladenspeicher wanderten wir durch diesen Garten. Dort trafen wir – der Tüchtige hat es einfach – den Meister:

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Der Rahmen dieses Kurzberichts ist endgültig gesprengt. Wir waren noch hier und da und dort… Irgendwo habe ich eine Liste der Wirtshäuser, Buschenschänken und Weingüter auf deren Besuch ich mich das nächste Mal freue… Komme ich überhaupt soweit? Letzte Woche im Briefkasten – das A La Carte Sonderheft: “Salzburger Land”. Felix Austria!

Slow Food Convivium Ingolstadt 2010

Der Rettungsschirm spannt sich jetzt über das Jahr 2010. Rettungsschirm? Also:

02.05.2010 – Besuch Chocolaterie “mundgerecht”

Seit Mitte März 2010 hat mundgerecht, eine kleine Patisserie und Chocolaterie im Zehenthof zwischen Viktualienmarkt und Fußgängerzone in Ingolstadt geöffnet.

In der kleinen Erlebniswelt des Genusses trifft man auf unwiderstehliche, kleine aber feine Köstlichkeiten. Handgefertigte Einzelstücke in exzellenter Qualität – direkt vor Ort hergestellt. Süß, salzig, schokoladig – mundgerecht(e) Köstlichkeiten. Das wollten wir uns am 02.05.2010 genauer ansehen.

Frau Katrin Elsler, die Inhaberin der Manufaktur, führte uns zu Beginn in die Grundsätze von „mundgerecht“ ein und präsentierte uns dazu die Köstlichkeiten die ihr Vater Ernst – gelernter  Meister seines Fachs – hergestellt hatte. Zuerst waren salzige Kleinigkeiten wie Käsestangen, Käseschwäne (auch mit Meerrettich), Blätterteig-Pasteten, Tarteletts mit Ziegenkäse an der Reihe bevor wir das hauseigene gebackene Müsli mit Dinkelflocken und allerlei leckeren Zutaten testeten. Alle Produkte (auch alle Teigsorten) werden selbst hergestellt und Ernst Elsler verriet uns das ein oder andere Rezept.

Dann wurde es „schokoladig“ und wir erfuhren viel über die köstliche Kuvertüre (Grundschokolade). Herr Elsler verwendet ausschließlich reinsortige Grand Cru Schokoladen der Schweizer Firma Felchlin, vor allem die Sorte Criollo aus Venezuela. Diese verarbeitet er dann zu allerlei Kreationen. Es gab eine heiße Schokolade, die gerade deshalb so gut schmeckte, weil sie nicht so süß war; Zitat: „Wir arbeiten nicht so süß, dass es im Hals schmerzt…“ Dann durften wir zusehen, wie er die Hüllen für die Muttertagsherzen mit der Temperier-Überziehungsmaschine herstellte. Für die Füllungen hat er sich auch etliches ausgedacht, so wird es z.B. eine Chilifüllung für die „scharfe“ Mama geben und eine Grand Marnier Füllung für die „lustige“ Mama.

Anschließend schwelgten wir im Genuss von Eclairs, Petit Fours, Französischen Fours, Trüffeln, Pralinés, Mandelsplittern, Mandelgebäckspezialitäten, Cantuccini, Gewürzplätzchen aus Dinkelmehl (nach Hildegard von Bingen), Teegebäck und vielem mehr. Viele Zutaten und Produkte, die im „mundgerecht“ verarbeitet und verkauft werden, haben eine regionale Herkunft. Das Mehl z. b. kommt ausschließlich von der Hainmühle im Altmühltal.

Schöne Veranstaltung – Danke den Elslers! Wir können jedem empfehlen hier einmal Station zu machen (Sitzplätze vorhanden) und vor Ort bei der Herstellung zuzusehen; dann beginnt die (genussvolle) Qual der Wahl…

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 12.06.2010 – Kräuterwanderung

Seit Mitte April 2010 gibt es in Böhmfeld den ersten (!)  bayerischen Kräuterweg. Initiatorin ist unter anderem die Wirtin des Beckerwirts Frau Andrea Ponschab.

Der Kräuterweg führt in die nördliche Flur von Böhmfeld. Der Besucher kann einen kurzen Weg (1,5 km) oder eine längere Route (5,7 km) auswählen. Beide Strecken führen wieder nach Böhmfeld zurück. Entlang das Wegs befinden sich 5 Tafeln mit Informationen:

Tafel 1: Mediterrane Kräuter und andere Sonnenanbeter
Tafel 2: Kräuter mit Zaubermächten
Tafel 3: Hecken und Gehölze
Tafel 4: Hausapotheke vor der Tür
Tafel 5: Böhmfeld und seine Wege durch die Zeit

Am 12.05.2010 trafen wir uns beim Beckerwirt und begingen unter der fachkundigen Begleitung der Kräuterpädagogin Johanna Schneider den Weg.

Die Brachflächen im Bereich des Kräuterweges werden einmal jährlich mit Schafen beweidet. Diese Maßnahme führt dazu, dass viele in unserer Region selten gewordene Wildkräuter auf den nun wieder freien Trockenhängen zurückkehren.

Frau Schneider gab uns zu einer Vielzahl von vermeintlichen “Unkräutern” am Wegesrand interessante Informationen über deren Verwendung in der Küche aber auch in der Kräuterheilkunde bis hin zur Mythologie. Im Besonderen widmeten (= ansehen, anfassen, riechen, schmecken) wir uns den Kräutern Giersch, Wiesensalbei, Wilder Thymian, Holunder und Wiesen-Labkraut (Fotos oben – von oben nach unten, von links nach rechts).

Weiter ging es mit den Kräutern Schafgarbe, Brennnessel, Gundermann, Wiesen-Bärenklau und Wilder Majoran (Fotos oben – von oben nach unten, von links nach rechts).

Nach unserer Wanderung wartete der gemütliche Beckerwirt-Biergarten auf uns. An einer langen Tafel (:-)) verkosteten wir u. a. spritzig-frische Kräuterlimonade, die legendäre Unkrautsuppe des Hauses, köstliche Hollerkücherl und eine wunderbare Lasagne mit Salbeichip, Gemüse und frischen Wildkräutern. Saisonalität und Regionalität waren heute nicht zu steigern… Geführte Wanderungen können über den Beckerwirt gebucht werden – sehr empfehlenswert!

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02.07.2010 – Start des Weinstammtischs

Einführungstreffen:

  • Weingut von Racknitz: Nahe, Riesling trocken von 2008
  • Fred Loimer: Kamptal, Muskateller “Kamptal” von 2009
  • Heymann-Löwenstein: Mosel, Schieferterrassen, Riesling von 2006
  • Schloß Proschwitz: Sachsen, Riesling Spätlese von 2002

27.08.2010 – Thema Silvaner

Castell (Franken):

  • Kugelspiel, Edition Graf Ferdinand, trocken, 2009
  • Schlossberg Spätlese GG, trocken, 2008
  • Apriles Anno 1659, 2008

Horst Sauer (Franken):

  • Escherndorfer Fürstenberg, Kabinett trocken, 2009
  • Escherndorfer Lump, Spätlese trocken, 2009

Rudolf Fürst (Franken):

  • Centgrafenberg, 2009

Wittmann (Rheinhessen):

  • Silvaner trocken, 2009

 10.11.2010 – Thema alte Reben

  • Weingut Seeger, badische Bergstraße, Leimen/Heidelberg: Oberklamm 2007 “Oberklamm” GG, Weißer Riesling
  • Van Volxem, Wiltingen: “Altenberg Alte Reben” 2006 GG, Saar Riesling
  • Heymann-Löwenstein, Mosel, : “Uhlen R (Rothlay)” GG 2006. GG, Riesling
  • Uwe Schiefer, Südburgenland: “Pala” Blaufränkisch 2008
  • Soula Rouge, Fenouilledes: “Soula” 2001, Roussillon

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 01.08.2010 – Besuch bei Winzer Tremml

Weinbau in unserer Region?! Die Römer kultivierten ab 276 als erste den Weinbau in Neuburg an der Donau. Dieser ist dann durchgehend bis 1780 nachgewiesen. Seit 1991 betreibt nunmehr der sehr sympathische und hellwache Weinbauer Josef Tremml das Winzerhandwerk auf seinem Weinberg im Eulatal auf einer Fläche von 340 qm. Ziel: Den historischen Weinbau in Neuburg wieder zu beleben!

Treffunkt war am Sonntag, 01.08.2010 um 10:00 Uhr an der Kirche in Bittenbrunn. Zusammen ging es zum ca. 20 min entfernten Weinberg, wo wir von Herrn Tremml bereits erwartet wurden.

In entspannter Runde mit wunderbarem Blick auf die im Tal fließende Donau lauschten wir Herrn Tremml. Und dieser hatte viel Interessantes zu erzählen. Schwierigkeiten vor Ort seiner Leidenschaft nachzugehen machen ihm weder geografische noch klimatische Bedingungen – im Gegenteil wie wir im Glas schmecken konnten. Die Probleme sind bürokratischer Natur. Da gibt es Kompetenzstreitigkeiten zwischen den Behörden und eine wohl sehr starke Lobby aus Unterfranken/“Weinfranken“…

Mit welchen Rebsorten hat er angefangen? Welche sind heute im Berg? Was hat er in den letzten zehn Jahren an Erfahrungen mit Anbau, Pflege, Ernte und Kellertechnik gemacht? Diese und ähnliche Fragen wurden kurzweilig bei verschiedenen Kostproben seiner Weine und beim Gang durch die Rebzeilen beantwortet. Neben seinem oberbayerischen Weinberg bewirtschaftet Herr Tremml auch Flächen in Volkach.

Verkostet wurden Secco trocken aus der Müller-Thurgau-Traube, Anbau Franken mit natürlicher Kohlensäure angereichert, Müller-Thurgau halbtrocken, Anbau Neuburg, Müller Thurgau trocken, Anbau Franken, Rotling halbtrocken, Anbau Franken, Rotwein Cuvée, Anbau Franken und Regent trocken, Anbau Neuburg.

Zwischendrin gab es eine fantastische Brotzeit: Roggenmischbrot mit Wildschweinschinken, geräucherte Rehbeißer, Rehsalami und Wildschweinpastete mit Preiselbeeren – das Wild stammt aus eigener Jagd. Obazda, Frischkäse eingelegt in Rapsöl mit Knoblauch, Hartkäse mit Pfefferrinde und Hartkäse mit Bockshornkleeblüten aus der Schmalzmühle der Familie König in Röcklingen. Nachspeise: Eigene Weinschokolade.

Im Mikroklima des Weinbergs vor Ort gedeihen neben dem Wein auch noch Grünspargel und 30 verschiedene Obstsorten –  außer den verschiedensten Apfel-, Birnen-, Zwetschgen- und Kirschsorten auch Edelkastanien, Walnuss, Kiwi, Quitte, Mispel, Maulbeeren, Pfirsich und Oliven.

Hintergründe, Projekte und Veranstaltungshinweise finden sich auf der sehr informativen Homepage des Winzers. Nach eigener Aussage treffen Sie Herrn Tremml persönlich auf seinem Weinberg im Eulatal bei schönem Wetter von Mai bis Oktober sonntags ab 14 Uhr. Diese Begegnung sollten Sie unbedingt machen!

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25.09.2010 – Besuch Obstbau Canisiushof

13 km nordöstlich von Ingolstadt – zwischen Theißing und Kasing – liegt der Obstbaubetrieb Canisiushof. Seit 1919 wird hier durchgehend Obst erzeugt – bis 1956 sogar als staatlich Bayerischer Landesobstgarten. Davon gab es landesweit lediglich drei. Immer wieder überraschend was unsere Region doch so alles bereithält… Seit 1978 führt nunmehr die Familie Schmid das Ruder. Johannes Schmid folgt in der zweiten Generation seine Eltern Johann und Maria nach. Auf ca. 10 ha wird Obst im integriert, kontrollierten Anbau kultiviert. Die Kernkompetenz liegt beim Apfel. Zwölf Sorten wachsen hier. Dazu kommen Erd- und Himbeeren, Birnen (drei Sorten), Süß- und Sauerkirschen, Birnen und Zwetschgen.

Eine Woche vor dem jährlichen Apfelfest besuchten wir den Betrieb am 25.09.2010. Im Mittelpunkt stand (natürlich) der Apfel.

Bei einem Rundgang durch die Obstgärten ließen Vater, Mutter und Sohn Schmid keine Frage offen. Betriebsphilosophie, Auswahl der angebauten Sorten, Pflanzung, Schnitt, Ernte, Lagerung und Reife, Saftpressung, Sortenwahl zum Backen, etc. wurden besprochen. Erdbeeren können Anfang/Mitte Juni vor Ort auch selbst gepflückt werden. Zitat: „Unsere alleinige Priorität bei den Erdbeeren ist der Geschmack – nicht die Transport- und Lagerfähigkeit“. Das ist leider (bleibend ärgerlich) die Ausnahme im Handel.

Die Schmids sind reine Direktvermarkter. Obst und Apfelsaft (frisch gepresst oder haltbar) können im eigenen Hofladen und auf den Wochenmärkten in Kösching, Ingolstadt und Pfaffenhofen gekauft werden. Äpfel gibt es bis Mai.

Nach der Verkostung verschiedener Apfelsorten und frisch gepresstem Apfelsaft im Hofladen saßen wir in gemütlicher Runde mit Kaffee und wunderbarem Selbstgebackenem – Apfelstrudel, Apfel-Bienenstich und Apfel-Nuss mit Rahmguss.

Ein weiteres Mal kamen wir zur Erkenntnis – nicht wirklich überraschend aber immer wieder beruhigend – dass es gut wird, wenn Menschen mit Leidenschaft ihr Ding machen. Das tun die Schmids – der Apfel in unserer Region hat jetzt eine Geschichte, ein Gesicht. Ein Werbespruch von „Apple“ heißt übrigens „Think Different“. Genau.

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Die Aktivitäten 2009. Die Fortsetzung 2011.