Wo kann man in unserer Region gut essen?

Die Frage gehört zweifelsfrei zu den wichtigeren Angelegenheiten. Zielführende Antworten können die Lebensqualität spürbar und nachhaltig steigern. Versprochen! Damit die erbetene Hilfe auch auf fruchtbaren Boden fällt, gilt es zwei Tatbestandsmerkmale der Frage zu konkretisieren:

Unsere Region bedeutet die Stadt Ingolstadt bis ca. 40 km rundherum (in jedem Fall die Landkreise Eichstätt, Neuburg-Schrobenhausen und Pfaffenhofen a.d.Ilm).

Gut essen. Dazu verweise ich einfach nach dort. Hier finden sich Erklärungen dafür und vor allem anständige Wirtshäuser, deren Benennung obige Frage bereits richtig beantwortet.

Die Testgruppe von Slow Food Ingolstadt hat gestern Abend ihr Jahrespensum 2017 in Angriff genommen. Nordwestlich von Ingolstadt – so viel sei preisgegeben. Erster Eindruck: Sehr erfreulich! Ein ernsthafter Kandidat für die nächste Ausgabe des Genussführers. Auf ihn warten aber noch einige Hürden…

Wo lohnt es sich nach Meinung der verehrten Leserschaft auch in die Töpfe zu schauen? Ideen – bitte konform mit obigen Kriterien – sind immer herzlich willkommen! Einfach den Beitrag damit kommentieren. Danke!

Von Haus- und Hoflieferanten

Ich behaupte, die Mehrzahl der Wirte schieben mit dem Wägelchen durch die unendlichen Hochregalreihen der Großhändler, oder lassen sich gleich von diesen beliefern. Wer so die Speisekarte befüllt, kennt die Bauern oder handwerklichen Veredler seiner Lebensmittel natürlich nicht. Wobei – so viele Hände gäbe es da auch gar nicht mehr zu schütteln. Befüllt doch vornehmlich die Lebensmittelindustrie solcherlei Orte.

Auf der anderen Seite gibt es Wirte – sie gilt es zu besuchen – die mit Wertgefühl ihre feinen Lieferanten in der Speisekarte benennen. Und auch andersherum schwingt Stolz mit, wenn man gerade dort steht. So entstand einmal die geschätzte Auszeichnung „Haus- und Hoflieferant“.

Und es gibt Wirte, die bringen nicht nur bestimmte Lebensmittel ins Haus, sondern auch gleich deren Schöpfer! Stefan Spitzer vom Gasthaus Spitzer (gelistet im Slow Food Genussführer) ist ein solcher. Am vergangenen Donnerstag war Premiere seiner neuen Reihe „Meet & Eat“. Sein (würdiger) erster Gast – Hans Kellner vom Hallertauer Ziegenhof (Besuch von Slow Food Ingolstadt 2009). Was für eine schöne Idee! Zwischen vier köstlichen Gängen mit Produkten von Kellners Ziegenhof (Bioland) gab es Geschichten und Informationen aus dem Leben und Alltag eines Ziegenbauers:

Hier der Beleg – beim Spitzer steht Viva con Agua auf dem Tisch:

Die lobenswerte Reihe wird fortgesetzt. Am 01. Juni 2017 mit Josef Neumeier/Holledauer Haselnuss (Besuch von Slow Food Ingolstadt 2013), am 19. Oktober 2017 mit Theresa Lehner/Hallertauer Angus-Rind und (voraussichtlich) am 02. November 2017 mit Martin Hofmeir/Kunstmühle Hofmeir.

Marginalie (49) – Fünfhundert + eins

The year after. Das Jahr eins nach den letztjährigen Feierlichkeiten zum 500. Geburtstag des Reinheitsgebots. Erster Eindruck: An der Donau nichts Neues. Ingolstadt vollzog soeben zum vierten Mal sein „Fest zum Reinen Bier“. Mit dabei: Danielbräu, Herrnbräu, Nordbräu, Schwalbenbräu, Hofbrauhaus Freising, Gutmann, Riedenburger, Schneider (Essing), Weltenburger und – erstmalig – Yankee & Kraut.

Die Zeit um 1516 gab und gibt den Takt vor: In Musik, Gewand und Unterhaltung. Eine solide Veranstaltung. Gut und aufwendig organisiert. Soweit so bekannt.

Damit wird es aber wohl nicht (mehr) gelingen den Bogen neugierig und glaubwürdig ins Heute zu spannen. In eine quicklebendige, kreativ-pulsierende Bierszene, die der lange vergessenen Vielfalt des wunderbaren Tranks Respekt zollt. Das gewählte Format stößt hier an Grenzen. Das zeigt sich bereits an einem nicht zu unterschätzenden Detail. Für alle ausgeschenkten Biere wird ein einheitlicher Steinkrug verwendet. Das ist sicher praktisch – er kann an allen Stationen per Pfandmarke zurückgegeben werden. Und er passt natürlich ins historische Bild. Dem Genuss dient er vielfältig aber gerade nicht. Bereits optisch. Ein Weltenburger Barock Dunkel oder ein Rotbier von Schneider wollen gesehen werden. Die Perlen der Kohlensäure im Weißbier und Pils brauchen Weg und Raum. Und für das herrliche Hopfenbukett eines Indian Pale Ales und seine Aromen ist ein Steinkrug nicht einmal eine Ersatzspielstätte! Da hilft es dann leider auch nicht, die guten Jungs von Yankee & Kraut da zu haben (die zu der oben beschriebenen lebendigen Bierszene gehören). Wobei – da waren sie in persona der Brauer (Bryan France und Max Senner) ja gar nicht – sondern bezeichnenderweise auf der Beer Craft in Bozen…

Ihr ausgeschenktes köstliches „Hoada“ (Black Ale, Kooperations-Gebräu mit Isarkindl) passte jedenfalls zum Wetter – mit dem man letztlich doch Glück im Unglück hatte. Hoada steht (angeblich – ich finde dafür keinen Beleg) für eine kalte, klare Winternacht:

Wenn nicht (nur) mit diesem Fest, wie und wann will Ingolstadt seinem (selbst formulierten!) Anspruch als Bier-Stadt denn gerecht werden? Die Veranstaltungskalender für das weitere Jahr rufen zu dieser Angelegenheit nichts Erwähnenswertes mehr auf… Und ich dachte wirklich, dass es jetzt – nach dem großen Geburtstag – erst so richtig losgeht!

Eine Momentaufnahme beim Ausschank meiner Lieblingsbrauerei – Riedenburger – zeigt auf einen Blick ansatzweise, welches Segel es beherzt zu entrollen gilt:

An dieser Stelle soll deshalb unbedingt auch der neu gegründete Verein der Deutschen Kreativbrauer Erwähnung finden. Zur Vertiefung hier. Ihr gefordertes Natürlichkeitsgebot (lesen!) wäre/ist meine Heimat.

Quelle: www.facebook.com/deutschekreativbrauer

Bei Nordbräu hielt Andrea Mödl – Wirtin im Schutterhof – ihren Veranstaltungskalender für 2017 hoch:

Freitag den 14. Juli ab 18:00 Uhr sollte man sich dabei ganz dick vormerken!

Draußen vollzieht sich zur Stunde immer noch der Abbau des Bierfestes. Wir sind gerne mittendrin 😉

Und gegen ein süffiges Helles im Steinkrug ist ja nichts einzuwenden. Wobei Gerhard Polt auch hier eine Unwägbarkeit sieht („…I ziag o, das heisst ich trinke quasi, aus am Steinkrug, nam, plötzlich vermerke ich a so an Schlader, hab i so an Gschlader im Hois…“).

Abschwenk. Paulaner. Es wird nicht meine Marke werden. Trotz feiner Werbung. Ich konstatiere aber gerne die Bewegung in die richtige Richtung. Probiert am Wochenende im Münchener Wirtshaus im Braunauer Hof. Sehr fein renoviert. Gute Küche (Kalbsherz vom Grill!):

Foto: Moritz Olma

(48) – Marginalie – (50).

Gutes Wasser

Vorgestern Abend gab es dazu einen Bericht bei heute+ (ZDF). Gestern im heute-journal (ZDF). Ein Wink für mich, die Geschichte hier ebenfalls kurz hochzuhalten. Auch als bekennender Leitungswassertrinker. Es geht um die wunderbare Wasserinitiative Viva con Agua:

„Viva con Agua de Sankt Pauli e.V. ist ein gemeinnütziger Verein, der sich dafür einsetzt, dass alle Menschen weltweit Zugang zu sauberem TRINKWASSER haben. Um dieses Ziel zu erreichen, fördern wir Wasserprojekte und Aktionen im In- und Ausland und verbreiten dabei jede Menge Lebensfreude. Wir sind der festen Überzeugung, dass sich auch ernste Themen dieser Welt mit Freude angehen lassen … Alles begann vor 10 Jahren auf Kuba und Sankt Pauli – inzwischen geht die Idee von VIVA CON AGUA um die Welt! Die Vision, dass alle Menschen Zugang zu sauberem Trinkwasser haben, und zwar noch zu unseren Lebzeiten.“ (Quelle: www.vivaconagua.org)

Diese Flaschen löschen nicht nur deinen eigenen Durst:

Der Zugang zu sauberem Wasser ist ein Menschenrecht. So die Vollversammlung der Vereinten Nationen am 28.07.2010 mit der Resolution 64/292. Der wichtige Film „Bottled Life“ zeigt uns leider, dass das Nestlé nicht so sieht:

Meine Familie und ich führen deshalb (und aus weiteren guten Gründen) einen Nestlé-freien Haushalt. Beim Wasser darf man dabei das Bling-Bling Label „San Pellegrino“ nicht vergessen – es gehört seit 1997 zum Nestlé-Konzern… Aber auch unabhängig von solcherlei Zugehörigkeit drängt sich für unseren Breiten die Frage auf: Warum Wasser mehr als 600 km weit – noch dazu über die Alpen – hierher karren?

Der Quellort für „Viva con Agua“ in Süddeutschland liegt im niederbayerischen Pilsting. Auch schön: Der Anteil an Glasflaschen (weg vom Plastik!) liegt bei ca. 65%. Wer weiß, wo es das Wasser im Einzelhandel in unserer Region gibt, kommentiert das bitte am Ende des Posts. Mir bekanntlich führen „Viva con Agua“ in der regionalen Gastronomie das Golden in Ingolstadt und das Gasthaus Spitzer in Osterwaal.

„Äthiopien ist für Viva con Agua ein besonderes Land. Und das nicht nur, weil es eines der Schwerpunktländer unserer Wasserprojekte ist, sondern weil die Verbindung zu Projekten vor Ort schon beinahe so alt ist wie Viva con Agua selbst!“ (Quelle: www.vivaconagua.org)

Und damit habe ich meine elegante Überleitung zu einem kleinen Fleckchen Äthiopien mitten in Ingolstadt. Dem Lalibela. Wer es noch nicht kennt, dem sei auf diese Weise mit dem Scheunentor gewunken! Mit ein wenig Glück kann es einem hier geschehen, von Johanna das Injera (= gesäuertes Fladenbrot) gereicht zu bekommen:

Heute war Johannas ältere Schwester da. Noch ein Glücksfall! Und ich leider ohne Kamera. Das muss ich unbedingt nachholen – vielleicht zusammen mit der ältesten Schwester und dem Bruder.

Beim Wasser besteht im Lalibela eigentlich kein Handlungsbedarf. Es stammt aus der Ingolstädter Jesuiten-Quelle (Nordbräu). Wenn auch ohne Obolus zur Weltrettung.

Besuch der Drax-Mühle

Wer sein Brot aus dem Verkaufsschlitz eines Discounter-„Back“automaten bezieht, lebt vom Bäcker-Handwerk (leider) sehr, sehr weit entfernt. Seine Distanz zum Müller-Handwerk ist unermesslich…

Woher kommt das Essen? Wer hat es bei seiner Reise auf unsere Teller wie begleitet? – das will der Slow Foodler wissen. Dem spürt er mit Neugier und vor allem Lust nach – will er doch mit Freude den Reichtum der Schöpfung bewahren. Auf dem Weg zur Brotwerdung – als Bindeglied zwischen Bauer und Bäcker – kommt der Müller ins Spiel. Was ist der mit Abstand häufigste Familienname in Deutschland? Genau. Allein daran mag man seine Bedeutung ermessen. 2012 besuchte Slow Food Ingolstadt die Lehenmühle in Niederlauterbach – Bericht dazu lesen! Und selbstverständlich saß deshalb letztes Jahr bei unserer Veranstaltung Reines Brot auch ein Müller mit am Tisch.

Vor drei Wochen gönnten wir uns zum Thema eine Auffrischung. In Rechtmehring beim Besuch der großartigen Drax-Mühle. Hier am Hochhauser Bach wird seit mindestens dem Jahr 1534(!) gemahlen.

Monika Drax – die kluge, charmante und hellwache Chefin – führte uns durch die Stockwerke ihres Reichs. Erklärte uns ihre Berufung im Spannungsfeld zwischen Handwerk, Tradition und Qualität. Dabei erfuhren und erlebten wir, was am Ende g u t e Mehle ausmachen.

Müllerin Monika Drax

Selbstverständlich kennt sie alle ihre Getreidebauern aus der Region persönlich und pflegt eine enge, vertrauenswürdige Partnerschaft mit ihnen. Darunter sind viele Bio-Bauern (Demeter, Naturland, Biokreis-Ostbayern und Bioland). Und sie hält – es lebe die Vielfalt! – alte Getreidesorten (z. B. UrDinkel (Oberkulmer Rotkorn), Einkorn, Emmer, Kamut, Rotkornweizen, Gelbmehlweizen oder Lichtkornroggen) wieder hoch.

Wer es nicht in den herrlichen Mühlenladen schafft, dem sei der Online Shop empfohlen.

In beiden kann man übrigens die wunderbaren Bücher von Lutz Geissler erstehen. Er schreibt den deutschen Brot-Blog – mit solchen (lesen!) Weisheiten:

Ein herzliches Dankeschön an Frank Martin Wille für die Idee und Organisation unseres Besuchs! Und nicht nur das – zur frühen Morgenstund hatte er auch noch etwas Köstliches vorbereitet:

Dazu Leckereien von Monika Drax:

Gleich dreifach im Bilde erklärte die Müllerin ihre Mitgliedschaft bei Slow Food 🙂 Herzlich willkommen – es ist uns eine Ehre solche Mitstreiterinnen zu haben!

Foto: Frank Martin Wille

Es folgte noch eine Einkehr in einem vernünftigen Wirtshaus: Zum Vaas in Forstinning. Wirt Johannes Bauer weiß zwischenzeitlich auch richtig mit Auszeichnungen umzugehen: