Einsam aber goldrichtig unterwegs

An nicht wenigen der sprichwörtlichen Ecken gibt es zwischenzeitlich Burger in Ingolstadt. Man möchte daher meinen, es wäre jetzt ein Leichtes, auf diesem schmackhaften Feld begeisterter Zeuge intelligenter und feiner Spielzüge zu werden. Leider weit gefehlt. Statt sich gegenseitig im lässigen Auskontern der maroden Systemgastronomie-Aufstellung zu übertreffen, setzt man unisono auf die gleiche traurige Behandlung der Spielgeräte. Zwischenfazit: Das Endspiel um die besten Burger der Stadt bleibt eine einsame, weil bereits gegnerlose Angelegenheit. Selbstverständlich ist die fehlende Satisfaktionsfähigkeit

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der Konkurrenz dem Oberburgermeister nicht vorzuwerfen. Goldrichtig geht dieser seinen Weg. Zwischenzeitlich sogar - goes vegan – beidbeinig anspielbar.

go hu 1Ganz aktuell erfuhr der Fleischeinkauf im Golden eine Modifikation zu noch mehr Regionalität. Kam das Bio-Rindfleisch bisher aus dem Allgäu, liefert nunmehr – täglich frisch – die biozertifizierte Ingolstädter Metzgerei Joseph Huber das Fleisch (gewolft sowie am Stück) und den Speck. An ihren Zutaten sollt ihr sie erkennen…

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Fingerzeig (12) – Servus beim nächsten Stammtisch

Die Publikation Landlust (Landwirtschaftsverlag Münster) gehört zum Segment der sogenannten Lebensstil-Zeitschriften. Darin bekleidet sie unter anderem die Themen Natur & Garten, Essen & Trinken, Wohnen & Wohlfühlen, Handwerk und regionales Brauchtum. Sie erscheint seit 2005 zweimonatlich. Sie ist erfolgreich. Am besten ist das an der Vielzahl der (eigentlich durchgehend kärglichen) Nachahmerprodukte abzulesen: Liebes Land, Landidee, Landleben, Landglück, Mein schönes Land, LandKind, Landpartie, Landliv, Land & Berge, LandGang, Landzauber, LandGenuss… Man sieht – sie ist sehr erfolgreich. Zur Kurzweil blättere ich gelegentlich gerne in ihr. Seit März 2012 gibt es (monatlich) wirklich ernstzunehmende Konkurrenz. Vielleicht liegt es bereits am fehlenden “Land” im Titel. Das kommt erst im Zusatz… Servus in Stadt & Land (Red Bull Media House).

Die Realität ist ein Fass ohne Boden. Sie hat also auch Platz für die heile Welt. Gott sei Dank! An dieser Stelle sei der erneute Verweis auf die Lebenslust von Kinfolk gestattet.

Im aktuellen Servus (07/2014 “für den Kulturraum Bayern” – es gibt auch die leicht modifizierten Ausgaben Österreich, Deutschland und Baden-Württemberg) findet sich unter der Überschrift “Wo sich die Langsamkeit versteckt” ein genussreicher Bericht über die Altmühl und einige ihrer feinen Uferschätze:

stirzer stammtischDarunter die Empfehlung des Gasthofs Stirzer in Dietfurt. Was soll ich sagen? Wie passend! Genau hier findet am kommenden Donnerstag – 10.07.2014, 20:00 Uhr – unser nächster Slow Food Ingolstadt Stammtisch statt – Gäste sind wie immer herzlich willkommen!

Zeitschriften für den “Kulturraum Bayern”? Ihr kennt doch hoffentlich sicher alle MUH – Bayerische Aspekte?!

(11) – Fingerzeig – (13).

Limo, Teigtaschen, Bier, Rippchen und noch einmal Limo. In München.

Meine Suche nach einer Garküche mit Dim Sum in Ingolstadt entbehrt schmerzlich jedes Erfolgserlebnis. In München bin ich hingegen erneut fündig geworden (Danke Pini!): LeDu Happy Dumplings in der Theresienstraße 18 – geöffnet seit Mitte April 2014:

ledu1ledu2Die frischen Teigtaschen werden handwerklich selbst gefertigt und gefüllt. Der Bestellvorgang beginnt mit der Teigauswahl: Hell mit Weizen- oder dunkel mit Roggenmehl.

ledu6Dann bieten sich für die Zubereitung gebraten oder gedämpft an. Endlich stehen neun verschiedene Füllungen zur Auswahl.

ledu5Das Rinder-, Schweine- und Hühnerfleisch stammt ausschließlich von der Bio-Metzgerei Pichler (Verbände Bioland und Naturland!) in Gräfelfing. Auch die verwendeten Eier sind bio.

ledu4ledu3Wir hatten Hot Chicken und Sauer Schwein. Sehr fein. Schön wäre es, bei der Auswahl – es gibt 6 oder 10 Stück – der Füllungen variieren zu können. Um derzeit alle Spielarten einmal probieren zu können, bedarf es nämlich der Bestellung von 45 (9 x 6) Dumplings…

ledu7Ausgezeichnet eine Entdeckung en passant: Bio-Zitronenlimonade Proviant aus Berlin. Frischer Zitronensaft, Mineralwasser und Rohr­zucker. Keine Aromastoffe, keine Extrakte keine Zitronensäure. Selbstverständlichkeiten mit Ausnahmecharakter.

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Im späteren Tagesverlauf kehrten wir noch im Red Hot ein. Beim guten Bier bebrütete ich die Frage “Pulled Pork” oder

redhot10… “Rippchen”!

redhot8Und noch eine Limo-Entdeckung: Hopster Hopfenlimo.

redhot9Ob es tatsächlich “die weltweit erste alkoholfreie Hopfenlimo” (so aber die Website) ist, stelle ich mal dahin. Man vergesse nämlich dieses Kracherl nicht… Wer war zuerst da? Auf alle Fälle schmeckt sie prächtig!

Prachtstück Landhausbräu Koller

Zeitweilige Mailanfragen erinnern mich an mein hier gegebenes Versprechen. Ich schulde noch die Benennung des fabelhaften Wirtshauses im östlichen Augsburger Umland – eines, dass man gar nicht oft genug ansteuern kann! Ich tue das seit fast 15 Jahren. Und das kam so:

Im Ingolstädter Gasthaus Mittl (Canisiusstraße 9) hing zwischen den Herrnbräu-Zapfhähnen an einem Hahn ein Schild mit der Aufschrift “Koller-Bier”. Eine ungefilterte, naturtrübe Köstlichkeit machte mir augenblicklich die Luft aus dem Glas. Wie die Mittls zu dem Fass gekommen sind, weiß ich nicht mehr. Jedenfalls gaben sie mir die Adresse des Brauers. Einige Wochen später war ich dann dort: Landhausbräu Koller (Melanie und Ludwig Koller), Hergertswiesen 5, 86495 Eurasburg.

koller2Im Jahr 2000 begann der hochsympathische Ludwig (heute 37 Jahre) im 150 Jahre alten (elterlichen) Wirtshaus sein eigenes Bier zu brauen. Es gibt das Naturtrübe in hell und in dunkel, ein helles Weißbier und zur Winterzeit ab November den “Kollator”. Die herrlichen Gebräue können in 1-Liter-Bügelverschluß-Flaschen für den Hausgebrauch mitgenommen werden.

koller10Auf den Fotos (sie entstanden am 28.12.13) ist Weihnachtsschmuck zu erkennen. Deshalb gibt es – ausnahmsweise unsaisonal – auch keinen Biergarten zu sehen… Dieser liegt im Innenhof, zwischen Wirtshaus und neu renoviertem Stadl (bis 130 Plätze). Neben der saugemütlichen Wirtsstube (50 Plätze) gibt es noch das stuckfeine Luitpoldstüberl (30 Plätze) und das etwas versteckte Geheimratsstüberl (20 Plätze). Im Biergarten (bis 300 Plätze) dürfen übrigens Brotzeiten mitgebracht werden. Letzteres sollte aber wohl überlegt sein. Die Küche ist nämlich spektakulär gut! Bierflädlesuppe:

koller4koller3Eingekauft und verarbeitet wird ausschließlich regional und saisonal. Der Bruder von Ludwig, Georg Koller, ist Bio-Landwirt gleich um die Ecke.

koller1Es wird alles frisch gekocht! Die wunderbare Ausnahme der ernüchternden Regel, die Plastikbeutel aufschneidet und deren Inhalt lediglich aufwärmt (Convinience). Quer über der Straße steht eine kleine Kapelle. Daneben duftet der Kräutergarten der Küche.

koller13koller5koller14Es muss kein Fleisch sein: Sellerieschnitzel in Haselnusskruste auf Saisongemüse und Ofenkartoffel. Wenn aber doch – dann lasse man sich vertrauensvoll von der Bieraffinität des Hauses leiten: Biertreberkrustenschnitzel mit Kartoffelsalat. RRR!

kollerkoller7Kaiserschmarrn mit Mandeln und Äpfeln, reichlich Puderzucker und marinierten Waldbeeren:

koller8Als Wegzehrung für 2014 landete noch eine Flasche “Jahrgangsbier 2013″ im Proviant. Das mit ober- und untergäriger Hefe zweifach vergorene Starkbier (18,5 Grad Plato) ist ein stattliches Zeugnis für die tiefe Hingabe und Liebe zum Handwerk und dem Genuss der Naturschönheiten… “Kräftige, fruchtige Noten treffen auf getrocknete Rosinen, Pflaumen und Lakritzaromen”. Stimmt genau so.

koller15Ich arbeite noch an der gelungenen Vermählung zweier Aufgabenstellungen: Jedweder Opferverzicht beim Koller mit gleichzeitiger (zwingend notwendiger) Übernachtung in dessen Nähe. Weißwurstfrühstück?! Der Routenplaner gibt als Distanz zu Ingolstadt immerhin gute 75 km an. Vorschläge?

Die Öffnungszeiten sind täglich von 16 bis 24 Uhr. Sonntags ab 11 Uhr. Achtung: Mittwoch ist Ruhetag! Noch eine kleine Geschichte (true story!) zur Beseitigung selbst homöopathischer Zweifel an der sagenhaften Gastfreundschaft dieser Stätte und der Familie Koller. Vor vielen Jahren standen wir nach einem Augsburgbesuch vor verschlossener Tür. Der ganze Tag strebte bis zu dieser Minute eigentlich seinem Höhepunkt entgegen… Ruhetag. Diesen Umstand hatten wir versiebt. Die Gesichter begannen sich zu verlängern. Da ging die Tür auf. Ludwig Koller stand darin. “Ah, meine Stammgäste aus Ingolstadt! Heute ist zu. Ich feiere meine (standesamtliche) Hochzeit. Aber wisst ihr was – wenn ihr schon mal da seid – kommts rein!”

Am 31. Mai war Redaktionsschluss für den Slow Food Genussführer 2015. Diese Zeilen gehen mit herzlichen Grüßen an die Freunde von Slow Food Augsburg: Wenn ihr Euch das Landhausbräu Koller nicht in den nächsten Monaten genüsslich anseht, um es wenigstens in die übernächste Ausgabe 2016 zu bringen, wird Slow Food Ingolstadt sich keine unterlassene Hilfeleistung nachsagen lassen! Hilfe für Menschen ohne das Wissen um ein wahrlich anständiges Wirtshaus.

Zur Vorfreude: Slow Food Ingolstadt hat für die nächste Ausgabe ein sechstes(!) Haus gefunden… Ich sage beizeiten Bescheid. Der aufmerksame extra prima good Leser kann es sich sicher denken…

Wer jetzt noch tiefer einsteigen will, schaue sich diesen Beitrag (2013) des Bayerischen Rundfunks an:

Der Donaukurier hatte in seiner Ausgabe vom 22./23. Februar 2014 den Koller auch schon auf dem Schirm:

koller16Am allerbesten aber, Ihr beendet baldig alle graue Theorie!

Brotzeitkultur im Schutterhof

Es ist endlich wieder Biergartenzeit! Die Antoniusschwaige ist gut in die Gänge gekommen. So gut, dass gerade vernehmbar genörgelt wird, weil man dort keinen freien Platz findet… Einen Tod muss man sterben… Aber es hat in der Tat dort noch sehr viel Platz, den es zu bespielen gilt. Die Geschichte ist einem regionalen Luxusproblem geschuldet. Der Ingolstädter Arbeitsmarkt scheint leergefegt. Wirt Anton Wittmann sucht händeringend (gutes) Personal. Und davon macht er die weitere Bestuhlung abhängig. Ein schlauer Mensch.

Der Schutterhof geht einen anderen Weg und bietet etwas Einmaliges in der Region. Ich kenne jedenfalls keinen Zweiten der es macht. Hier wird gutes, bayerisches Brauchtum gepflegt. In der Begründung zur Bayerischen Biergartenverordnung – Ziffer 2.1 Zu § 1 – heißt es nämlich:

„Kennzeichnend für den bayerischen Biergarten im Sinne der Verordnung sind vor allem zwei Merkmale: • der Gartencharakter und • die traditionelle Betriebsform, speziell die Möglichkeit, dort auch die mitgebrachte, eigene Brotzeit unentgeltlich verzehren zu können, was ihn von sonstigen Außengaststätten unterscheidet.“

Um diese schöne Perspektive bekannter zu machen, veranstalten Andrea und Harald Mödl am 18. Juni (= International Picnic Day – es gibt nichts, für das es keinen Tag gibt…) einen Picknick-Tag:

picknick2Also: Gutes Essen in den Korb. Dazu Besteck, Teller, Tischwäsche, Blumen, was gefällt. Und am kommenden Mittwoch ab in den Schutterhof! Bitte nicht vergessen: Die Getränke werden natürlich vor Ort vom Ausschank bezogen. Die Veranstalter haben eine Prämie für den schönsten/besten Brotzeitplatz ausgelobt… und mich in die Jury berufen… Bin da sehr berechenbar. Fette Punkte vergebe ich für:

  • Verwendung frischer, weil saisonaler Produkte („Alles zu seiner Zeit“)
  • Verwendung regionaler Produkte („Heimat auf dem Teller“, regionale Wertschöpfung)
  • Verwendung nachhaltig erzeugter Produkte
  • regionaltypische Gerichte und Rezepte („kulinarischer Denkmalschutz“, Biodiversität)
  • die Speisen und Getränke bereiten wahrhaft sinnlichen Genuss („das Auge isst mit“, anregendes Riechen, gutes Schmecken) und heben sich deutlich vom industriell geprägten Massengeschmack ab
  • Verarbeitung auf handwerkliche Art und Weise (keine vorgefertigten Convenience-Produkte)
  • Verzicht auf künstliche Aromen, Zusatzstoffe und Geschmacksverstärker

Gestern Abend hat Slow Food Ingolstadt seinen monatlichen Stammtisch spontan hierher verlegt und ordentlich gebrotzeitet. In wohliger Zufriedenheit wurde beschlossen, nächste Woche auch dabei zu sein.

picknickDanach Fußball. WM-Eröffnungsspiel mit Elfmetergeschenk. Die Leinwand im Biergarten (Größe/Bild/Ton) ist spektakulär!

Nach dem Picknick nächste Woche – so gegen 21:45 Uhr – ist übrigens Kinonacht im Schutterhof. Es läuft: Dampfnudelblues.