Kaisersemmeln und Wirtshaustipp Eichstätt

Freitag letzte Woche. Nach langer Vorarbeit – vielversprechender Beginn der Produzentenführer-Gruppe von Slow Food Ingolstadt. Der Genussführer ist ordentlich auf Kurs. Jetzt gilt es in unserer Region die gut, sauber und fair arbeitenden Erzeuger zu finden. Sehr viel Arbeit wartet da. Der Anfang ist jedenfalls gemacht. Mit den Bäckern. Offiziell ist noch nichts.

Herrliche Kaisersemmeln, Quark- und Apfeltaschen, wunderbare Nussschnecken. Westlich von Eichstätt:

sf produzenten1sf produzenten2Danach tafeln in die Eichstätter Altstadt. Dort gibt es seit September am Domplatz 1 das maletter. Fein. Klein. Bayerisch.

maletter1Ich zitiere deren Website: “maletter bedeutet im Bayerischen und im Fränkischen „mein Lebtag”, also schon immer” … “Wie in einem spanischen Tapaslokal finden Sie bei uns Köstlichkeiten in kleinem Format – bayerisch geprägt und neu interpretiert” … “Unsere Abendkarte wechselt regelmäßig und passt sich den Jahreszeiten an” … “Großen Wert legen wir übrigens auf Regionalität und Frische – wo immer es uns möglich ist, beziehen wir unsere Produkte aus der näheren Umgebung und gerne auch aus biologischem Anbau. Bei maletter kommt Heimat auf den Teller!”

Donnerwetter – um die sechs offenen Türen eingerannt! Ingolstadt… so geht das!

Wir hatten Räucherforelle mit Kartoffeleis, Gurken und Kren. Kalbstafelspitz mit Roter Bete und Kren, sowie Rinderbacken auf Lauchcreme und Fondantkartoffeln. Fein! Auch das sich im Ausschank befindliche “Original Rother Kellerbier” (2006 übernahm die Eichstätter Hofmühl-Brauerei die Rother Stadtbrauerei).

maletter2Es kocht der Sohn der Chefin. Entspannte, angenehme Atmosphäre. Das Haar in der Suppe wäre das Besteck. Form follows function heißt es richtigerweise… Küchenzeiten: 11:30 bis 13:30 Uhr – 17:30 bis 22:30 Uhr. Sonntag/Feiertag Ruhetag.

Gut zu Tisch – mit der ganzen Welt

Wieder im Piemont. Zunächst einige Tage Landpartie. Dann ging es nach Turin zu Salone del Gusto und Terra Madre – den großen Treffen (alle zwei Jahre) von Slow Food. 2009 hatte ich es einmal nach Bra auf die “Cheese” geschafft. Letztes Jahr dann auf die “Slow Fish” nach Genua. Jetzt endlich – der Salone!

salone 2014Mit den unzähligen wunderbaren Eindrücken und Erlebnissen schreibt man ein Buch und veröffentlicht mindestens einen Fotoband. Oder man belässt alles im Kopf und Herzen. Der Versuch eines Mittelwegs:

salone1Unterkunft bezogen wir in einem Agriturismo südlich von Alba. Es ist Trüffelzeit…

salone3salone2Die Weinlese ging hingegen wenige Tage vor unserer Ankunft zu Ende. Überall fanden sich noch Gerätschaften – Erntekörbe wurden gewaschen. Die herrschende Meinung rundum: Aufgrund des sommerlichen Dauerregens gab es dieses Jahr Reifeverzögerungen und beachtliche Mengenausfälle. Kein einfaches Jahr.

Auf dem Gipfel ist es einsam – in Barbaresco:

salone4La Morra. Hoheitsgebiet des Barolo. Diogenes für Hunde:

salone8Besuch der Cascina Ballarin (im Slow Wine Führer/60.000 Flaschen). Sehr gute Idee! Kann Weiß und natürlich Rot:

salone5Meister Giorgio Viberti. Wohl dem, der seine Geschöpfe im Keller hat!

salone6Immer noch La Morra. Unmittelbar in der Nachbarschaft: Silvio Grasso (im Slow Wine Führer/80.000 Flaschen):

salone10Und ist das Reisegepäck noch so klein – in Deutschland, Österreich und Italien sollten niemals die Kulinarik Führer von Slow Food fehlen. Dann klappt das mit dem Essen. Versprochen.

salone7Das “La Rosa dei Vini” in Serralunga d’Alba war ganz passabel. Sehr gut waren L’Osteria del Vignaiolo und “Osteria Veglio” (aktuell nicht im Osterie d’Italia geführt; unverständlich) – beide in La Morra. Überwältigend schließlich die Osteria dell’Arco in Alba (selbe Leitung wie die legendäre Osteria del Boccondivinoin in Bra).

Unangemeldet beglückten wir in Santo Stefano Belbo das Weingut Ca’ d’ Gal (im Slow Wine Führer/70.000 Flaschen). Eigentlich trinke ich ja nichts Moussierendes aus Weintrauben. Es irrt der Mensch solang er strebt…

salone9Die Glückssträhne setzte sich im dacapo (im Slow Wine Führer/50.000 Flaschen) in Agliano Terme fort. Das sind die mit dem köstlichen Ruchè di Castagnole Monferrato (hier in Ingolstadt zu haben):

salone11Das zulässige Gesamtgewicht unseres Fahrzeugs war hiermit fast ausgeschöpft… Bayern gewinnt in Rom 1:7. Schön, sowas in Italien zur Kenntnis zu nehmen… Es ging nach Turin. Der Föhn zeigte eindrucksvoll, warum die Region “am Fuß der Berge” heißt:

salone12Die vorbildliche(!) Reiseplanung – Danke meinem Freund Moni! – sah nunmehr die Quartiernahme in einem sehr feinen Bed & Breakfast, in unmittelbarer Nähe des Stadtwahrzeichens “Mole Antonelliana”, vor.

salone13Die Olympiahalle erlebte am Mittwochabend eine sehr bunte Eröffnung. Gänsehautfeeling beim Einzug der Delegierten aus über 160 Staaten mit ihren Fahnen:

salone14Donnerstag ab 11:00 Uhr. Haupteingang Lingotto Fiere. Zur richtigen Zeit am richtigen Ort:

salone15salone38salone35salone16salone36Kurzweil am Stand von Slow Food Deutschland. Verkostung zweier Arche-Passagiere (Arche des Geschmacks zum Schutz der kulinarischen Biodiversität): Würchwitzer Milbenkäse und Berliner Weiße (ganz aktuell als 51. Passagier aufgenommen):

salone17Der Schutz der Biodiversität von Lebensmitteln und bäuerliche Familienbetriebe waren die Hauptthemen auf dieser Ausgabe von Salone del Gusto und Terra Madre.

salone18salone32Einer von 107 Taste-Workshops: “The Family Tradition of Balsamic Vinegar”:

salone19salone31Korean Temple Food:

salone21salone34Eine weitere geführte Verkostung. “German Pastry-Making: Sweet Berlin”. Fünf verschiedene Käsekuchen aus Berlin:

salone20Einer der ganz, ganz Großen: Carlo Petrini:

salone30salone33Am Rande der Messe, Richtung Altstadt, das legendäre Eataly. Lebensmitteleinkauf in allerhöchster Vollendung. Aufgemerkt! Gemüseabteilung. Weit und breit keine Tomaten. Keine Tomaten?! In Italien noch dazu. Doch das geht. Die Saison ist vorbei. Hut ab!

salone39Slow Food München organisierte ein Abendessen in der Turiner Osteria Consorzio (vortrefflicher Platz!). Slow Food satt. Das geht so: Nach Eintritt: “Wir haben reserviert”. Service: “Selbstverständlich!” Wir: “Für Slow Food”. Service: “Selbstverständlich! Aber welches Convivium?” Diese Nachfrage hatte ich noch nie…

salone37salone40

Genussführer im Donaukurier

Heute auf Seite 16 im Donaukurier: Ein Bericht über die zweite Ausgabe des Slow Food Genussführers. Wie passend! – erst gestern Abend waren wir wieder bei einem Kandidaten zur Musterung. Ich darf verraten, er hat einen großen Schritt Richtung seiner Empfehlung für die dritte Ausgabe 2016 gemacht…

Der Donaukurier stellt fest: “Unmittelbar aus Ingolstadt ist auch in dieser Auflage kein Restaurant vertreten, obwohl es dort sogar ein eigenes Convivium gibt.” Das stimmt. Leider! Die von Slow Food Ingolstadt positiv beurteilten Wirtshäuser finden sich alle in den umliegenden Landkreisen (die zu unserem Conviviumgebiet gehören). Auch das aussichtsreiche, gestern besuchte Haus.

dk genussführer

Marginalie (31) – Rettungsring

Der Bericht vor dem Mittagessen war jetzt vielleicht doch ein bisserl viel Burgenland… Österreich… Oder zu wenig? Zu wenig! Solche Sehnsuchtsanfälle – namentlich wenn dann auch noch Wien ins Spiel gerät – sollte man nicht auf die leichte Schulter nehmen. Wohl dem, der jetzt weiß wo er – ohne die Koffer zu packen – schnelle Tröstung und Erbauung erfährt: Pfarrgasse 6 – “Patisserie Chocolaterie mundgerecht”:

mundgerecht sacherGeretttet!

En passant – viele Läden reden heute von der Verwendung regionaler Produkte. Ein Blick auf die Website von mundgerecht zeigt, wie das wirklich geht – Respekt!

mundgerecht lieferanten(30) – Marginalie – (32).

 

Burgenland begegnet Ingolstadt – ganz slow

Zuallererst ein herzliches Dankeschön an die Brüder des Kapuzinerklosters Ingolstadt. Für ihre tolle Gastfreundschaft! Wie schon zum fünfjährigen Bestehen von Slow Food Ingolstadt waren wir auch letzten Sonntag bei ihnen bestens aufgehoben.

andert1Willkommener Besuch aus einer besonderen Genussregion hatte sich angekündigt: Demeter-Winzer Michael Andert und Fleischhauer (so heißen die Metzger in Österreich) Martin Karlo.

andert3Beide sind Mitglieder bei Slow Food Burgenland und kommen aus Pamhagen. Die kleine burgenländische Gemeinde liegt zwischen dem Nationalpark Neusiedler See – Seewinkel und der ungarischen Grenze.

andert2Während Andert uns kurzweilig seine Weine und deren Lebensräume nahebrachte,

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schmurgelte Karlo in der Küche.

andert6Graues Steppenrind, Wasserbüffel und Mangalitza Schwein.

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Die stetig erfreulichen Ergebnisse von dort führten regelmäßig zum Öffnen neuer Flaschen. Das Genuss-Karussell drehte viele Runden…

andert7Im Besonderen hat sich Karlo dem Grauen Steppenrind verschrieben. Die alte fast ausgestorbene Haustierrasse zählt heute wieder um die 500 Tiere und weidet nach Vorgaben der biologischen Landwirtschaft im Nationalpark. Selbst geschlachtet (Mindestalter 3 Jahre) veredelt Karlo das Fleisch zu Rindersaftschinken, Rohschinken und Würsten. Ohne Geschmacksverstärker und Chemie – mit Gewürzen und Handwerk. Das Frischfleisch hat einen kräftig ausgeprägten Rindfleischgeschmack und eignet sich besonders gut zum Sieden und Schmoren. So war auch das herrliche Gulasch – zusammen mit dem schon legendären Brot von Matthias – mein kulinarisches Gipfelerlebnis der Veranstaltung. Schnell war ich mir auch mit Pater Jose einig, dass ein gutes Gulasch ein Gottesbeweis ist!

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Das eingelegte Gemüse steuerte Michael Andert bei. Wie natürlich seine Weine – durchweg eigene Persönlichkeiten. Diese polarisieren zuweilen. Mich begeisterten(!) der 2011er „Lærchenfeld“ (90% Cabernet Sauvignon, 10% Zweigelt – gebrauchtes Barrique), der 2012er „Ruländer“ (großes Holzfass) und das 2012er weiße Cuvée “Pamhogna” (70% Ruländer, 25% St. Neuburger, 5% Weißer Burgunder – großes Holzfass).

andert4Zusammen mit seinem Bruder Erich bewirtschaftet Michael das biodynamisch zertifizierte (Demeter) Weingut. Die ca. 4,5 ha Rebflächen stehen auf Schwarzerdeböden. Gelesen wird händisch. Als Dünger dient ausschließlich natürlicher Mist. Der Pflanzenschutz kommt ohne Insektizide und Herbizide aus. Hefen: Naturhefen/Spontanvergärung. < 50.000 Flaschen.

Mein letzter Besuch im Burgenland liegt leider schon etwas zurück. Sommer 2011 (Weingut Moric, Umathum/Stecovics, Hannes Reeh, Fischrestaurant Varga und Gasthaus zur Dankbarkeit. Wen ich das nächste Mal besuche… eh klar!

Frei nach Lurchi: „Lange schallt’s im Walde noch: Slow Food lebe hoch!“