Fingerzeig (25) – Slow Food Magazin und Ingolstadt

Das Slow Food Magazin ist eine Perle im Zeitschriftenregal. Die aktuelle Ausgabe hat das Schwerpunktthema Regionalität:

magazin 03Mit Ingolstadt scheint die Redaktion aber ihre liebe Not zu haben. Es ist schon einige Jahre her – ich spreche von Ausgabe Nr. 04/2008. Darin ging es um Bier. In einem Artikel verortete man dann doch tatsächlich die Verkündung des Reinheitsgebots am 23. April 1516 nach … Augsburg! Ich habe das in einem Leserbrief natürlich unverzüglich richtiggestellt 😉

Aktuell berichtet das Magazin – Danke! – auf Seite 90 über die Slow Food Ingolstadt Aktion Slow Food – aus 20 + 1 Perspektiven im Museum für Konkrete Kunst:

magazin 02Und bringt dabei das Kunststück fertig Ingolstadt gleich in der Überschrift falsch zu schreiben… :-(

Wer kein Slow Food Mitglied ist und das Magazin auch nicht im Handel erstehen (will/kann) bekommt es auch in der Ingolstädter Stadtbücherei:

magazin 01(24) – Fingerzeig – (26).

Bierfest der Haus- und Hofbrauereien

Es gilt einen wichtigen Nachtrag zu machen. Die Geschichte ist bereits gute drei Wochen her. Weit und breit gab es keine Ankündigung der Festivität – zumindest auf Ingolstädter Fluren. Die Info gab mir ein treuer Freund – Danke Matthias! Dieses Faltblatt:

sause6Ich war dort. Gott sei Dank! Ein großartiges Beisammensein. Ohne Presse-Widerhall … gut, dass es extra prima good gibt! Gegenwärtig also (noch) der klassische Geheimtipp – ich gehe nämlich sicher von einer 2. Auflage im nächsten Jahr aus. Und dann wird in der Nähe übernachtet!

bierfest (25)bierfest (21)Diese drei – von links Alois Petz sowie Sabine und Josef Rabl (sie bewirtschaften den Lengerhof) – hatten die Idee dazu und realisierten diese aufs Vortrefflichste:

bierfest (18)Ein frisches Bier in der Hand fiel mein Blick auf diese Botschaft, die sich ausgelegt auf jedem Tisch befand:

bierfest (27)Potzblitz! So, genauso! Mein Kompliment! Carlo Petrini hätte es nicht anders fomuliert. Slow Food sieht im Essen einen landwirtschaftlichen, einen politischen Akt. Durch ihn werden aufgeklärte Konsumenten gleichzeitig zu Ko-Produzenten, deren Entscheidungen die landwirtschaftliche Produktion und den Zustand des Ökosystems beeinflussen. Sag mir was Du isst, und ich sage Dir welche Landwirtschaft Du damit förderst…

Mit weiteren köstlichen Bieren ließ ich es mir gut gehen. Kein Kunststück an einem solchen Ort.

Da hinten – zweifach behütet – braut Josef Rabl mit Naturdoldenhopfen seine Lengerbräu-Spezialitäten:

bierfest (7)bierfest (6)bierfest (3)bierfest (4)bierfest (5)bierfest (2)bierfest (1)Acht Haus- und Hofbrauereien (fast keine hat eine Website…) sowie das Hofbräuhaus Freising schenkten aus. Hofbräuhaus Freising:

bierfest (13)Urban Chestnut – Wolnzach:

bierfest (14)Brauerei Pesenlern:

bierfest (8)Bayerisch-Böhmisches Brauhaus – Wolfersdorf:

bierfest (26)Zebedäus Bräu – Niederösterreich:

bierfest (11)Heidebräu – Zolling und Postbräu – Osseltshausen:

bierfest (10)Brauwerkstatt – Haag a. d. Amper:

bierfest (12)Last but not least – die Gastgeber: Brauerei Lengerbräu – Rudertshausen:

bierfest (15)bierfest (16)Bekenntnis eines Gastes zu einer Traum-Brauerei in Pataluma und Chicago/USA: Lagunitas:

bierfest (9)bierfest (19)bierfest (24)bierfest (17)bierfest (20)bierfest (23)Soll ich Bescheid geben? In Sachen Termin 2016?

Über allen Gipfeln Ist Ruh und das Zucker(l)

Wirte und Produzenten zu finden, die im Sinne von Slow Food gut, sauber und fair arbeiten, ist die Aufgabenstellung des Produzenten– und Genussführers. Letzterer ist schon weit gediehen (Buch, 2. Ausgabe!), Ersterer (Mammutaufgabe!) steckt noch in den Kinderschuhen. An beiden Projekten arbeitet Slow Food Ingolstadt leidenschaftlich mit.

Will man vor seiner Haustüre kehren, sollte man wissen, wo diese ist. Selbstbewusstsein ist gefragt: Für welche Region ist Slow Food Ingolstadt ganz konkret verantwortlich? In sehr freundschaftlicher Abstimmung mit unseren Nachbarconvivien (das sind im Uhrzeigersinn: Nürnberg, Niederbayern, München, Augsburg und Altmühlfranken) wurde die Frage beantwortet. Im Ergebnis bestätigten sich territorial zunächst 95% der seit Jahren gelebten Gefühlslage. Und en passant kam heraus, dass es nach Osten hin keine gemeinsame Grenze mit Slow Food Regensburg-Oberpfalz gibt… schade eigentlich.

Zu Slow Food Ingolstadt gehören damit die Landkreise Eichstätt, Pfaffenhofen, Neuburg/Schrobenhausen und die Stadt Ingolstadt. Und die restlichen 5%? Das sind die Städte Riedenburg und Dietfurt a.d. Altmühl. Hier signalisierte das Convivium Niederbayern alte Jagdgründe… Georg Flingelli ist der Häuptling der Niederbayern. Er ist nicht nur hochsympathisch, sondern auch sehr weise… Seht her: Jedes Jahr im Sommer – für alle Zukunft – wird das Convivium Ingolstadt den Niederbayern Freibier andienen (Gerhard Polt: “The idea of Freibier in Bavaria is deeply religious!”) – vom Riedenburger Brauhaus im Gasthof Stirzer in Dietfurt! Vor zwei Wochen wurde die Übung begonnen:

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Auf der Zielgerade gab es von Flingelli zwar noch einen Nachverhandlungsversuch:

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Zu spät. Über Riedenburg und Dietfurt weht die richtige 😉 Fahne. Stirzer-Wirt Sepp Hierl ist Zeuge!

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Es war ein sehr genüsslicher und langer Abend an unserer gemeinsamen Tafelrunde. Auch Braumeister Max Krieger und seine Frau Katrin gesellten sich dazu – Danke für die beiden Fässer!

Freu mich bereits heute auf nächstes Jahr… Mein absolutes Lieblingsgericht vor Ort: Nudelfleckerl mit Speck/Krautfüllung (mit zerlassener Butter und frisch geriebenem Hartkäse):

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Nicht wenige blieben über Nacht. Am nächsten Morgen war nämlich noch eine gemeinsame Wanderung entlang der Weißen Laber angesetzt. Eine herrliche Landschaft. Wie eigentlich immer zuseiten von Gewässern… Wandern macht durstig. Wir kamen durch Oberbürg. Niemand hatte hier das Gasthaus Zucker auf dem Schirm. Das Nasenschild mit dem Wappen des Winklerbräus Berching löste rundherum unverzüglich breites Lächeln aus:

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Wandern macht auch hungrig. Es war späte Mittagszeit. Die Ersten begannen in der sehr übersichtlichen (gut!) Karte zu blättern. Auf den Tischen fand ich diese beachtliche Begrüßung:

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Eigene Landwirtschaft. Eigene Tiere. Eigene Schlachtung. Der Senior-Wirt Xaver Zucker ist gelernter Metzger und “fasste … 1993 den Entschluss, sich noch mehr den Gästen zu widmen und die Arbeit bei Audi aufzugeben” (Donnerwetter – das kennt man leider nur umgekehrt!). Schwiegersohn Michael Kniffka ist ebenfalls Metzger. Seine Frau Christine gelernte Köchin. Es war klar: Wir hatten eine Perle rausgetaucht!

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Es war köstlich! Die saisonalen, frischen Salate. Die Spätzle, die verschiedenen Soßen, Griesnockerl – alle hausgemacht. Ohne industrielle Helferlein. Bratwurst, Blutwurst, Leberwurst, Schinken und Presssack – zum Mitnehmen – allesamt ohne Geschmacksverstärker.

Xaver und Maria Zucker (die Kniffkas scheuen die Kamera):

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Gasthaus Zucker, Oberbürg 7, 92345 Dietfurt, Tel. 08464/569 (keine Website). Montag Ruhetag. Sonn- und feiertags Mittagstisch. Brotzeiten immer.

Oberbürg ist ein Stadtteil von Dietfurt…………..! Unsere Genussführergruppe ist nicht immer zu beneiden… dieser Kandidat ist eine Beglückung!

Zu guter Letzt noch ein Tipp: Die Niederbayern haben einen ganz ausgezeichneten Blog: (s)lower bavaria

Diagonal macht mit. Und noch mehr Zuwachs!

Die Slow Food Familie in der Region wächst und gedeiht. Jetzt ist das wunderbare Diagonal als Unterstützer dabei – herzlich willkommen! Der aufmerksame Besucher hat die Flagge hinter der Bar sicherlich schon entdeckt:

diagonal sf1Sie symbolisiert unser Stammtischlokal in Ingolstadt – der nächste findet hier übrigens am 08.10.2015 ab 19:30 Uhr statt (zuvor sind wir nächste Woche hier und im August dort – alle Termine auf der Website von Slow Food Ingolstadt).

Kommt man durch das Kreuztor in die Stadt, ist man nach wenigen Metern gleich gut im Zeichen der Schnecke aufgehoben – aber so was von! Die beiden Wirte Norbertus von Jordans und Reinhard Maier setzen Zeichen:

diagonal-sf2diagonal-sf3Und es geht weiter. Mit Lust und Wonne darf ich vermelden, dass jetzt auch das Landhotel Geyer in Pfahldorf

geyer logound das Gasthaus Spitzer in Osterwaal (kleiner Bericht) Slow Food Deutschland offiziell unterstützen – ebenfalls herzlich willkommen!

spitzer logoWer die Ideen von Slow Food gut findet, darf gerne Mitglied der Bewegung werden! Das geht ganz einfach hier. Unternehmen haben die Möglichkeit Slow Food finanziell zu fördern. Das funktioniert so. Die Unterstützer erkennt man 2015 wahlweise an diesen Bannern:

unterstützer 2015Aktuell gibt es davon 26(!) in unserer Region. Was für eine prächtige Sammlung!

Historischer Gasthof Stirzer, Cafe Bar Schwedenschimmel, Beckerwirt, Brauereigasthof Neuwirt, Gasthaus Stark, Köschinger Waldhaus, Landgasthof Wagner, Pasta Fresca e Salsa Artusiana, Hotel Gasthof Fuchsbräu, Projektmanagement Fiß, Bäckerei Erhard, Patisserie Chocolaterie mundgerecht, Spargelhof Rehm, Bienenhof Pausch, Das Obstkistl, Metzgerei Joseph Huber, Ars Vivendi, The Golden, Donaupoint, Schinken Ambiente, Weinschmecker, Brauerei/Gastwirtschaft Schattenhofer, Riedenburger Brauhaus, Diagonal, Landhotel Geyer und Gasthaus Spitzer.

Pizza in Eichstätt – Wo bist du?

“Was ist ein gutes Lebensmittel?” Der Titel des aktuellen Slow Food Magazins. Für Slow Food ist es gut, sauber und fair. Das bedeutet guter, natürlicher Geschmack – ökologische Nachhaltigkeit bei Urerzeugung, Verarbeitung und Genuss – sowie gerechte Teilhabe/Entlohnung aller an der Wertschöpfung Beteiligter.

eich3 (8)Der Regionaltisch Eichstätt von Slow Food Ingolstadt hat sich vorletzte Woche zum Kriterium “gut” ein ganz besonderes Essen hingelegt: Pizza! Merke: “You can’t make everyone happy. You are not pizza.” Wie kommt der Mensch auf den Geschmack? Zur Schulung der Sinneswahrnehmung ist ein Mittel der sensorische Vergleich einer Vielzahl von Produkten einer Gruppe. Ich mache das sehr gerne, um mein geschmackliches Koordinatensystem zu pflegen und zu entwickeln. Siehe z. B. Weißwurst, alkoholfreies Weißbier, Schweinshaxe, griechischer Joghurt, Krapfen, Lebkuchen oder Karottensaft.

Unter dem Motto “Pizza ante portas” belieferten zeitgleich 12 verschiedene Eichstätter Pizzabäcker das Depot Piemont von Fritz Schäffler:

eich3 (2)eich3 (3)eich3 (4)Hier stand für die Vergleichsverkostung bereits alles am vorbildlichsten bereit. Gute Leute, eine gedeckte Tafel, Bier (das klassische Getränk der Italiener zur Pizza), Wein und Wasser. Schreiner Andreas Deinhart fertigte gar für jeden Tester massive Buchenholzteller, unterteilt mit den Ziffern 1 bis 12 für die einzelnen Schnitten:

eich3 (5)Der Eichstätter Kurier berichtete in einem kurzweiligen Artikel über den Abend. Der Feststellung darin, dass es keinen “Totalausfall” gab, will und kann ich mich aber nicht anschließen:

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Eichstätter Kurier, 17.06.2015, Seite 23

Bei der Blindverkostung haben wir uns natürlich für eine “Pizza Margherita” entschieden. Sie ist eine klassische “Pizza Napoletana” (siehe Verordnung (EU) Nr. 97/2010 der Europäischen Kommission… was für ein Aufwand!). Im (scheinbar) Einfachen erkennt man am besten die Meisterschaft. Man bestelle sich zur verlässlichen Prüfung einer bayerischen Wirtshausküche z. B. einfach nur einen Teller klare Rindfleischbrühe… Zurück zur kreisförmigen Backware: Ihr Belag soll an die Farben der italienischen Flagge erinnern (egal ob die Geschichte vom 11. Juni 1889 in Neapel mit König Umberto I. und seiner Frau Margherita nun stimmt oder nicht): Grünes Basilikum, weißer Mozzarella und rote Tomaten.

Und was machen die Eichstätter Pizzabäcker – alle miteinander? Frisches Basilikum: Fehlanzeige! Mozzarella: Fehlanzeige! Das ist grotesk. Daher der Titel dieses Blogeintrags.

eich3 (6)eich3 (1)Und dabei haben wir uns bei diesem Test lediglich dem Kriterium “gut” gewidmet…

Für das Protokoll: Auf dem Siegertreppchen ganz oben: Ristorante Tartufo (hier gab es auch eine homöopathische, wenn auch leider verbrannte Dosis Basilikum), gefolgt von der Pizzeria Lüften Romeo.

Wie würde der Test wohl in Ingolstadt ausfallen? Findet sich hier eine “Pizza Margherita”? Meine Referenz in dieser Spielklasse habe ich übrigens in Regensburg genossen… privat… aus einem Haushaltsofen (aber mit Pizzastein)… Lieber Holger – brauche dringend eine Auffrischung!

Auf jeden Fall hat die Zusammenkunft – so betrüblich der ein oder andere Bissen auch war – viel Freude gemacht. Kompliment dafür an den Eichstätter Regionaltisch! In der Stadt beginnt sich was zu rühren. Siehe exemplarisch dazu auch den schönen Artikel von Stephan Zengerle im aktuellen Eichstätter Journal – “Slow-Food-Bewegung erreicht Eichstätt”:

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Eichstätter Journal 3.2015, Seite 11

Der nächste Regionaltisch Eichstätt tagt am 21.10.2015 um 19:00 Uhr. Darauf einen Grappa Fritz – Salute!

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