Fingerzeig (15) – Bierparadies in Ingolstadt

Michael Kenne hat sich mit Leib und Seele dem Bier verschrieben. Geboren in Dresden, lebt er seit zwei Jahren in Ingolstadt. Und es ist gut, dass er hier ist!

Die Craft Beer-Bewegung feiert – ausgehend von den USA über Italien – endlich auch in Deutschland die Wiederbelebung der Vielfalt, die Lust am Genussexperiment, die Wertschätzung für gute handwerklich gebraute Biere. Das Thema liegt mir bekanntlich sehr am Herzen – seht insbesondere hier, da, dort und ebenda. Wie aber kommt man an die guten Tropfen? Die spärlichen Einkaufsquellen habe ich hochgehalten – eins (gut) und zwei (eher mühsam). Internet also? Jein. Think global, act local! Und genau da kommt morgen Michael Kenne ins Spiel und behebt unser Problem. Restlos.

donaupointDer Hammer – er macht das in der Innenstadt! In seinem Donaupoint, Rathausplatz/Ecke Sauerstraße. Der ältere Schanzer weiß – da war mal die Metzgerei Kloiber drin.

Eröffnung ist morgen (04.10.) um 10 Uhr. Am Start: 320(!) verschiedene Bierspezialitäten. Auf meine Frage welche spontan davon seine zwei Favoriten sind, nahm er ein Pyraser Herzblut und ein Braukraft Wei-Zen in die Hände. Bis Mitte nächsten Jahres will er sein Sortiment auf 800(!!) Biere steigern. Es soll regelmäßig geführte Bierverkostungen geben. Außerdem steht 2015 seine Ausbildung zum Biersommelier an.

Der Mann hat viel Gutes vor. Unterstützen wir ihn dabei! Menschen wie er mit ihren feinen, wertigen Nischen- und Spezialitätengeschäften, sind die Fettaugen die es auf einer wohlschmeckenden Innenstadtsuppe so notwendig braucht.

Ein gutes Omen zum Schluss. Seit dieser Woche ist das aktuelle Slow Food Magazin 5/2014 zu haben. Schwerpunktthema: Bier! Natürlich habe ich ihm gleich eins in die Hand gedrückt:

donaupoint2Ich wünsche einen guten Start!

(14) – Fingerzeig – (16).

Keil gegen abnehmende Tage

Am Dienstag ist Herbstanfang. Heute habe ich mich mal kurz gefragt, wann wieder die Zeitumstellung droht (… 26.10.). Wegwisch! Die Wiesnzeit sorgt üblicherweise für stabil schönes Wetter. Und die hat doch erst gestern angefangen. Außerdem bin ich treuer Gefolgsmann eines Goldenen Oktobers… Indian Summer…

Nachfolgende Bilder entstanden dieser Wochen im Freisitz. Ich lege sie mal auf den Blog. Als Statement für ein Unentschieden zwischen Bier und Wein. Als Keil gegen abnehmende Tage…

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Limo, Teigtaschen, Bier, Rippchen und noch einmal Limo. In München.

Meine Suche nach einer Garküche mit Dim Sum in Ingolstadt entbehrt schmerzlich jedes Erfolgserlebnis. In München bin ich hingegen erneut fündig geworden (Danke Pini!): LeDu Happy Dumplings in der Theresienstraße 18 – geöffnet seit Mitte April 2014:

ledu1ledu2Die frischen Teigtaschen werden handwerklich selbst gefertigt und gefüllt. Der Bestellvorgang beginnt mit der Teigauswahl: Hell mit Weizen- oder dunkel mit Roggenmehl.

ledu6Dann bieten sich für die Zubereitung gebraten oder gedämpft an. Endlich stehen neun verschiedene Füllungen zur Auswahl.

ledu5Das Rinder-, Schweine- und Hühnerfleisch stammt ausschließlich von der Bio-Metzgerei Pichler (Verbände Bioland und Naturland!) in Gräfelfing. Auch die verwendeten Eier sind bio.

ledu4ledu3Wir hatten Hot Chicken und Sauer Schwein. Sehr fein. Schön wäre es, bei der Auswahl – es gibt 6 oder 10 Stück – der Füllungen variieren zu können. Um derzeit alle Spielarten einmal probieren zu können, bedarf es nämlich der Bestellung von 45 (9 x 6) Dumplings…

ledu7Ausgezeichnet eine Entdeckung en passant: Bio-Zitronenlimonade Proviant aus Berlin. Frischer Zitronensaft, Mineralwasser und Rohr­zucker. Keine Aromastoffe, keine Extrakte keine Zitronensäure. Selbstverständlichkeiten mit Ausnahmecharakter.

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Im späteren Tagesverlauf kehrten wir noch im Red Hot ein. Beim guten Bier bebrütete ich die Frage “Pulled Pork” oder

redhot10… “Rippchen”!

redhot8Und noch eine Limo-Entdeckung: Hopster Hopfenlimo.

redhot9Ob es tatsächlich “die weltweit erste alkoholfreie Hopfenlimo” (so aber die Website) ist, stelle ich mal dahin. Man vergesse nämlich dieses Kracherl nicht… Wer war zuerst da? Auf alle Fälle schmeckt sie prächtig!

Fingerzeig (11) – weitere Einkaufsquelle Bier

Es war eine Flasche Samuel Adams Boston Lager die mir eine neue, wunderbare Bier-Welt eröffnete. Der Wohlgeruch des Humulus lupulus… Weit mehr als 20 Jahre ist das jetzt her – warm greetings to you Bill!

sam1Nun darf ich vermelden, dass es dieses Bier in Ingolstadt zu kaufen gibt. Etwas eingeschränkt – im SELGROS (nur für gewerbliche Kunden), Otto-Hahn-Straße 2-4, 85055 Ingolstadt – aber immerhin:

sam2Obere Reihe rechts von der Mitte. Craft Beer-Freude haben links daneben sicher gleich auch BrewDog ausfindig gemacht. Oder direkt darunter CREW Republic (vormals CREW AleWerkstatt aus München). Mittig letzte Reihe: Spezialitäten der Riegele BierManufaktur!

(10) – Fingerzeig – (12).

Prachtstück Landhausbräu Koller

Zeitweilige Mailanfragen erinnern mich an mein hier gegebenes Versprechen. Ich schulde noch die Benennung des fabelhaften Wirtshauses im östlichen Augsburger Umland – eines, dass man gar nicht oft genug ansteuern kann! Ich tue das seit fast 15 Jahren. Und das kam so:

Im Ingolstädter Gasthaus Mittl (Canisiusstraße 9) hing zwischen den Herrnbräu-Zapfhähnen an einem Hahn ein Schild mit der Aufschrift “Koller-Bier”. Eine ungefilterte, naturtrübe Köstlichkeit machte mir augenblicklich die Luft aus dem Glas. Wie die Mittls zu dem Fass gekommen sind, weiß ich nicht mehr. Jedenfalls gaben sie mir die Adresse des Brauers. Einige Wochen später war ich dann dort: Landhausbräu Koller (Melanie und Ludwig Koller), Hergertswiesen 5, 86495 Eurasburg.

koller2Im Jahr 2000 begann der hochsympathische Ludwig (heute 37 Jahre) im 150 Jahre alten (elterlichen) Wirtshaus sein eigenes Bier zu brauen. Es gibt das Naturtrübe in hell und in dunkel, ein helles Weißbier und zur Winterzeit ab November den “Kollator”. Die herrlichen Gebräue können in 1-Liter-Bügelverschluß-Flaschen für den Hausgebrauch mitgenommen werden.

koller10Auf den Fotos (sie entstanden am 28.12.13) ist Weihnachtsschmuck zu erkennen. Deshalb gibt es – ausnahmsweise unsaisonal – auch keinen Biergarten zu sehen… Dieser liegt im Innenhof, zwischen Wirtshaus und neu renoviertem Stadl (bis 130 Plätze). Neben der saugemütlichen Wirtsstube (50 Plätze) gibt es noch das stuckfeine Luitpoldstüberl (30 Plätze) und das etwas versteckte Geheimratsstüberl (20 Plätze). Im Biergarten (bis 300 Plätze) dürfen übrigens Brotzeiten mitgebracht werden. Letzteres sollte aber wohl überlegt sein. Die Küche ist nämlich spektakulär gut! Bierflädlesuppe:

koller4koller3Eingekauft und verarbeitet wird ausschließlich regional und saisonal. Der Bruder von Ludwig, Georg Koller, ist Bio-Landwirt gleich um die Ecke.

koller1Es wird alles frisch gekocht! Die wunderbare Ausnahme der ernüchternden Regel, die Plastikbeutel aufschneidet und deren Inhalt lediglich aufwärmt (Convinience). Quer über der Straße steht eine kleine Kapelle. Daneben duftet der Kräutergarten der Küche.

koller13koller5koller14Es muss kein Fleisch sein: Sellerieschnitzel in Haselnusskruste auf Saisongemüse und Ofenkartoffel. Wenn aber doch – dann lasse man sich vertrauensvoll von der Bieraffinität des Hauses leiten: Biertreberkrustenschnitzel mit Kartoffelsalat. RRR!

kollerkoller7Kaiserschmarrn mit Mandeln und Äpfeln, reichlich Puderzucker und marinierten Waldbeeren:

koller8Als Wegzehrung für 2014 landete noch eine Flasche “Jahrgangsbier 2013″ im Proviant. Das mit ober- und untergäriger Hefe zweifach vergorene Starkbier (18,5 Grad Plato) ist ein stattliches Zeugnis für die tiefe Hingabe und Liebe zum Handwerk und dem Genuss der Naturschönheiten… “Kräftige, fruchtige Noten treffen auf getrocknete Rosinen, Pflaumen und Lakritzaromen”. Stimmt genau so.

koller15Ich arbeite noch an der gelungenen Vermählung zweier Aufgabenstellungen: Jedweder Opferverzicht beim Koller mit gleichzeitiger (zwingend notwendiger) Übernachtung in dessen Nähe. Weißwurstfrühstück?! Der Routenplaner gibt als Distanz zu Ingolstadt immerhin gute 75 km an. Vorschläge?

Die Öffnungszeiten sind täglich von 16 bis 24 Uhr. Sonntags ab 11 Uhr. Achtung: Mittwoch ist Ruhetag! Noch eine kleine Geschichte (true story!) zur Beseitigung selbst homöopathischer Zweifel an der sagenhaften Gastfreundschaft dieser Stätte und der Familie Koller. Vor vielen Jahren standen wir nach einem Augsburgbesuch vor verschlossener Tür. Der ganze Tag strebte bis zu dieser Minute eigentlich seinem Höhepunkt entgegen… Ruhetag. Diesen Umstand hatten wir versiebt. Die Gesichter begannen sich zu verlängern. Da ging die Tür auf. Ludwig Koller stand darin. “Ah, meine Stammgäste aus Ingolstadt! Heute ist zu. Ich feiere meine (standesamtliche) Hochzeit. Aber wisst ihr was – wenn ihr schon mal da seid – kommts rein!”

Am 31. Mai war Redaktionsschluss für den Slow Food Genussführer 2015. Diese Zeilen gehen mit herzlichen Grüßen an die Freunde von Slow Food Augsburg: Wenn ihr Euch das Landhausbräu Koller nicht in den nächsten Monaten genüsslich anseht, um es wenigstens in die übernächste Ausgabe 2016 zu bringen, wird Slow Food Ingolstadt sich keine unterlassene Hilfeleistung nachsagen lassen! Hilfe für Menschen ohne das Wissen um ein wahrlich anständiges Wirtshaus.

Zur Vorfreude: Slow Food Ingolstadt hat für die nächste Ausgabe ein sechstes(!) Haus gefunden… Ich sage beizeiten Bescheid. Der aufmerksame extra prima good Leser kann es sich sicher denken…

Wer jetzt noch tiefer einsteigen will, schaue sich diesen Beitrag (2013) des Bayerischen Rundfunks an:

Der Donaukurier hatte in seiner Ausgabe vom 22./23. Februar 2014 den Koller auch schon auf dem Schirm:

koller16Am allerbesten aber, Ihr beendet baldig alle graue Theorie!