Fingerzeig (21) – Bin mit dem Radl da

Vor zehn Jahren eröffnete Hans Eckl in der Münchener Straße 32 seinen Schwedenschimmel. Zeitgleich wohnte ich genau gegenüber – und wurde so Gast der ersten Stunde. Eine wunderbare Örtlichkeit!

schimmel1Seine Namenswahl hat mir schon immer sehr gut gefallen. Zum Hintergrund, insbesondere für Nicht-Ingolstädter: Wenige Fußschritte neben dem heutigen Haus erkundete Schwedenkönig Gustav Adolf am Morgen des 30. April 1632 auf seinem weißen Pferd das Gelände (Dreißigjähriger Krieg/Ingolstadt wurde belagert, aber nicht(!) eingenommen). Dabei gelang es einem aufgeweckten Kanonier aus der Eselsbastei (Neues Schloss/Nordufer der Donau) dem Gekrönten das Tier förmlich unter dem Hintern wegzuschießen. Nach Abzug der Schweden verbrachten die Schanzer die Trophäe in die Stadt. Sie gilt als ältestes erhaltenes Tierpräparat Europas und steht heute im Raum 17 des Stadtmuseums – “Originalpferd des Schwedenkönigs Gustav Adolf, Beutestück der Ingolstädter von der Belagerung durch die Schweden 1632″.

Einer der ersten Stammgäste war übrigens – kein Witz – ein Schwede… Zum Zehnjährigen hat sich Hans nunmehr folgendes einfallen lassen:

schimmel3Eine Radtrikotage. Sie ist für 50,00 EUR seit Ende April im Schwedenschimmel in den Größen S/M/L und XL erhältlich. Wer nunmehr mit dem Radl – nach mehr oder weniger sportlicher Tour und natürlich mit angezogenem(!) Trikot – beim Schwedenschimmel einkehrt, bekommt sein erstes Bier frei aufs Haus. Zur Auswahl stehen die feinen Gebräue von Gutmann und Riedenburger – der Kenner weiß auch um deren alkoholfreie und leichte Varianten:

schimmel4schimmel5Die Aktion gilt einmal pro Tag bis zum 31.12.2015. Das Trikot heute noch geholt, und morgen nach der ersten Tour vorbeigeradelt – 233 Biere könnten es werden… :-) wenn man den Wirt schädigen möchte… :-( By the way – der Schwedenschimmel unterstützt Slow Food!

schimmel2(20) – Fingerzeig – (22).

Nachspiel zum Biergenuss

Die ersten Ingolstädter Bier-Genuss-Tage (01. bis 03.05.2015) sind vorbei. Ich fand sie überaus gelungen! Wie auch schon die beachtliche 12-seitige Veranstaltungszeitung dazu, die ich (ausnahmsweise) sogar aufheben werde. Und nach allem was bisher zu hören war, wird es nächstes Jahr eine Fortsetzung geben – ich bitte ausdrücklich darum Alexander Herzog! Vielleicht könnte (sollte!) man dafür dann noch an der Verpflegungsschraube drehen…

Nach dem Vorspiel hier das (unvollständiges) Nachspiel:

Lieber Marco Dombek – ein IPA einfach so zu nennen ist… grandios!

bg1Mein Spitzenreiter an diesem Wochenende: Der Doppelbock vom mittelfränkischen Red Castle Brew (10 Monate im Slyrs-Fass gereift):

bg2Faktisch unbekannt: Nur unter dem Label “Kloster-Brauerei Scheyern” befinden sich die Biere (ca. 6.000 hl/Jahr) der Benediktinermönche von Scheyern in der Flasche! Hier wurde von 1119 bis 1991 gebraut – und seit März 2006 wieder. Die Nürnberger Brauerei Tucher braut (mit eigener Rezeptur) die Linie “Kloster Scheyern” (ca. 70.000 hl/Jahr). Ein weiteres – neben dem Geschmack! – Unterscheidungsmerkmal: Die Biertragl aus dem Kloster sind rot und schwarz, die von Tucher pastellgelb:

bg3Eine familiengeführte klassische Wirtshaus-Brauerei (seit 1639) ist die von Christian Zwanzger im fränkischen Aischgrund (Uehlfeld). Kommen wieder die Monate mir “r” habe ich hier bereits fest ein Karpfenessen eingeplant:

bg4Im Herzen des größten Hopfenanbaugebiets der Welt – der Hallertau – sind unverständlicherweise Brauereien Mangelware. Schaut man genau hin, gibt es sie aber doch: Und dann gleich eine so Anständige: Im Bründlweg 1 im winzigen Larsbach (gehört zu Wolnzach) braut die Familie Stanglmayr (Tel. 08442/2068) in ihrem Lampl-Bräu köstliche, handwerklich hochfeine Spezialitäten. Besuch vor Ort ist geplant!

bg5Was soll ich (noch) sagen? Einer meiner absoluten Lieblingsbrauer – Max Krieger vom Riedenburger Brauhaus:

bg6Die Kriegers sind Unterstützer von Slow Food. Schon lange. Als es Slow Food Ingolstadt noch nicht gab, waren sie dem Convivium Nürnberg zugeteilt. Jetzt sind sie zu Hause… Lieber Claus Fesel (Leiter Slow Food Nürnberg): Wir passen gut auf sie auf, versprochen!

Tilman Ludwig war auch im Haus. Es gelang mir offensichtlich nicht (mehr), ihn scharf ins Bild zu bringen… Sein Helles sollte man aber trotzdem im Auge haben:

bg7Kompliment an Herrnbräu! Exklusiv für die Bier-Genuss-Tage haben sie etwas zusammengebraut: Einen schmackhaften Doppelbock:

bg9Beim Stand von Hofmühl – noch nie gesehen, noch nie probiert: Bierstacheln. Von Schmieden erfunden. Ein heißer Stahlstab lässt, kurz ins Bier getaucht, dessen Restzucker karamellisieren. Das Bier verliert zudem Kohlensäure und wird einen Tick süffiger, der Schaum feinporig und stabil:

bg8

Vorspiel zum Biergenuss

Die gelungene zweite Ausgabe “Fest zum Reinen Bier” liegt hinter uns. Wie bereits freudig angekündigt, steigen heute ab 12:30 Uhr in der Exerzierhalle die ersten Ingolstädter Bier-Genuss-Tage:

biergenuss1aAm Vorabend der Geschichte wird noch fleißig gewerkelt:

biergenuss1cWichtige Banner werden entrollt:

biergenuss1dWährend die meisten bereits picobello zapfbereit sind,

biergenuss1bhaben andere – Respekt Marco! – die Ruhe weg – Standplatz 3 – Schwalbenbräu:

biergenuss1fUnd einige – Riegele und Tilmans – sind noch gar nicht da:

biergenuss1gDer Stand vom Brennstüberl Geistreich war sogar schon besetzt. Michael Kenne vom Donaupoint hatte letztes Jahr die Idee eines einmaligen Apfel-Hopfen Brandes. Dazu wurden von der Burghausener Brennerei 2014er Streuobstäpfel aus dem Schlossgraben(!) um das Ingolstädter Neue Schloss mit Mandarina Hopfen vergoren. Die Flasche links war der erste (bereits ausgetrunkene) Versuch. Eine weitere Charge durfte vier Monate im (unbelegten) Eichenfass ruhen – riechen! Probieren!

biergenuss1hBeim Heimradeln dieses Bild… Wollte ich schon längst mal auf dem Blog posten!

biergenuss2abiergenuss2b

Gleich zwei Bierfeste in Ingolstadt voraus!

Der 23. April 1516 ist untrennbar mit Ingolstadt verbunden… Herzog Wilhelm dem IV. sei Dank: Verkündungstag des Bayerischen Reinheitsgebots für Bier – ebenda! Letztes Jahr nahm sich die Stadt dieser wichtigen Angelegenheit persönlich an und veranstaltete erstmals das “Fest zum Reinen Bier”. Eine gelungene Operation! – siehe Bericht.

Vom 24. bis 26. April 2015 ist nunmehr die zweite Ausgabe in Planung:

fest zum reinen bierWas gibt es heuer Neues? Die Kanalstraße wird, neben Hohe-Schul-Straße und Dollstraße, Örtlichkeit der Festivität. Und zu den bisherigen sechs ausschenkenden Brauereien Nord- und Herrnbräu, Schwalbe, Graf Toerring/Hofbräuhaus Freising, Gutmann und Riedenburger gesellt sich Hofmühl dazu.

Nach diesem Fest ist die Geschichte aber erfreulicherweise noch nicht vorbei. Im Gegenteil! Das Geschehen verlagert sich das Wochenende darauf, vom 01. bis 03. Mai, in den Klenzepark, in die feine Exerzierhalle:

bierfestival2Mitte Oktober 2014 gab es ein inoffizielles Brainstorming zu möglichen Erweiterungen des Fests zum reinen Bier. Dabei hatte ich die Idee, es doch einmal mit einer Bierverkostung im Stile der Vinotheken bei großen Slow Food Messen zu versuchen. Lange Kühlschrankfronten hinter Tresen an den Längsseiten einer Veranstaltungshalle beinhalten dabei eine (große) Vielzahl von verschiedenen Bieren. Sortiert nach Stilistik und/oder Region. Mit einem Verkostungsglas und entsprechenden Coupons kann man sich dann nach Lust und Laune durch die Vielfalt probieren. Vorteil: Man benötigt nicht gar so viel Platz wie für hunderte von Brauereien mit jeweils eigenem Stand. Nachteil: Die Brauerei, zumeist der Brauer persönlich (Craft Bier!), ist eben nicht vertreten…

bierfestival3Herausgekommen ist nunmehr ein gutes Mittelding. Eine kleine Art Braukunst Live! auf der Schanz: Die “Bier-Genuss-Tage”! Veranstalter ist Alexander Herzog. Die Stadt Ingolstadt tritt als Unterstützer auf. Michael Kenne hält das Einladungsplakat schon einmal hoch – sein Donaupoint organisiert den Verkauf der angebotenen Spezialitäten vor Ort:

bierfestival1Am Start sind zur Stunde (die ein oder andere kommt noch) 19 Brauereien: Graf Toerring/Hofbräuhaus Freising, Pyraser, Schwalbe, Stadtbrauerei Spalt, Landhausbräu Hofstetten, Hopsteiner, Red Castle, Klosterbrauerei Scheyern, Tilmans Biere, Lampl-Bräu, Riedenburger, Liquid Hops, Hofmühl, Schlossbrauerei Au, Felsenbräu, Herrnbräu, Riegele, Nordbräu und Schneider. Da sind Perlen dabei!

Bier aus dem Verkostungsglas. Damit werden nicht wenige Schanzer Neuland betreten dürfen… ich freu mich drauf!

bier verkostungsfestival2bier verkostungsfestival3Ab Mai wird Michael Kenne übrigens auch die neu gegründete Bier-Gruppe von Slow Food Ingolstadt leiten.

Eine Schwalbe macht manchmal einen Sommer

Ich will den Freunden in München nicht vorgreifen. Aber es dürfte nur eine Frage der Zeit sein – dann ist diese feine kulinarische Stätte sicher im Slow Food Genussführer zu finden. Ich schwärme vom Wirtshaus Zur Schwalbe in der Schwanthalerstraße 149. Eigentlich sollte dort ja erst letztes Wochenende – nach der Braukunst Live! – meine Premiere sein. Die Umstände hatten es anders gefügt. Es gab sozusagen bereits eine Generalprobe… Und die war sehr gut. Also kehrte ich mit Vorfreude zurück!

Die Schwalbe ist ein altes, typisch Münchner Vorstadtwirtshaus. Dunkles Wandholz, dunkle Holzstühle, helle Holztische. Zeitlos schön – geadelt mit Augustiner vom Fass:

ederer10Zu seiner Historie kann ich nichts sagen. Seit Ende Januar jedenfalls gibt es hier einen neuen Pächter. Und dieser, das ist der Angelpunkt der Geschichte, steht auch an den Töpfen! Es ist Karl Ederer. Er hatte 1995 in seinem Restaurant Glockenbach einen Michelin-Stern. Zuletzt führte er das Ederer bei den Fünf Höfen. Unbedingt erwähnenswert – 1992 half er federführend beim Aufbau des Bio-Restaurants Schweinsbräu in den legendären Herrmannsdorfer Landwerkstätten. 2012 traf ich ihn einmal auf der Slow Food Messe in Stuttgart. By the way: Der diesjährige Markt des guten Geschmacks steht unmittelbar vor der Tür. Bitte vormerken: 09.-12.04.2015.

Ederer ist ein Koch wie ich ihn mir wünsche. Die Ausgangsprodukte, die Qualität der Rohstoffe stehen bei ihm im Mittelpunkt. Solche entsteht ausschließlich s l o w… Er hält das Handwerk hoch, die Tischkultur, die unbedingte Saisonalität und verneigt sich vor den Regionalküchen. Schnörkellos, immer wieder neu interpretiert – eine schöne Analogie zur klassischen Musik. Von ihm stammt der Begriff “Heimat Food”. Sein 2010 erschienenes Buch hatte ich sofort in Händen und darf es hiermit unbedingt empfehlen:

ederer11Im Buch fand ich auch diesen klugen Satz des amerikanischen Lyrikers Robert Lee Frost: “Heimat ist der Ort, wo sie einen hereinlassen müssen, wenn man wiederkommt”. Wohin die schöne Reise geht, sagt einem auch sofort diese Auflistung. Sie ziert die alle zwei Wochen wechselnde Speisekarte:

ederer12Wir genossen (unter anderem): Gebratener Kalbskopf mit Lauch und Champignons, gebratenes Freilandhuhn mit Wurzelgemüse und Kartoffeln sowie Schweinsbraten mit Spitzkraut und Kartoffelpuffer:

ederer13ederer14ederer15Verbesserungsvorschlag: Es wäre schön, irgendwo im Lokal etwas über die Lieferanten zu erfahren – wer ko, der ko!

Natürlich hatte ich mir extra mein Buch von zu Hause mitgenommen. Das Signieren ist so eine Sache… dieser Eintrag ist mir aber wirklich etwas wert. Ein anständiges Wirtshaus. Ein Menschenrecht. Karl Ederer scheint angekommen zu sein…

ederer16Am Nachbartisch saß übrigens unsere Mama… die Bavaria… die Luise Kinseher. Irgendwie hat mich das bestärkt, dass wirklich alles gut ist!

Der Biergarten soll sehr gemütlich sein. Schon wieder Vorfreude.