Bierfest der Haus- und Hofbrauereien

Es gilt einen wichtigen Nachtrag zu machen. Die Geschichte ist bereits gute drei Wochen her. Weit und breit gab es keine Ankündigung der Festivität – zumindest auf Ingolstädter Fluren. Die Info gab mir ein treuer Freund – Danke Matthias! Dieses Faltblatt:

sause6Ich war dort. Gott sei Dank! Ein großartiges Beisammensein. Ohne Presse-Widerhall … gut, dass es extra prima good gibt! Gegenwärtig also (noch) der klassische Geheimtipp – ich gehe nämlich sicher von einer 2. Auflage im nächsten Jahr aus. Und dann wird in der Nähe übernachtet!

bierfest (25)bierfest (21)Diese drei – von links Alois Petz sowie Sabine und Josef Rabl (sie bewirtschaften den Lengerhof) – hatten die Idee dazu und realisierten diese aufs Vortrefflichste:

bierfest (18)Ein frisches Bier in der Hand fiel mein Blick auf diese Botschaft, die sich ausgelegt auf jedem Tisch befand:

bierfest (27)Potzblitz! So, genauso! Mein Kompliment! Carlo Petrini hätte es nicht anders fomuliert. Slow Food sieht im Essen einen landwirtschaftlichen, einen politischen Akt. Durch ihn werden aufgeklärte Konsumenten gleichzeitig zu Ko-Produzenten, deren Entscheidungen die landwirtschaftliche Produktion und den Zustand des Ökosystems beeinflussen. Sag mir was Du isst, und ich sage Dir welche Landwirtschaft Du damit förderst…

Mit weiteren köstlichen Bieren ließ ich es mir gut gehen. Kein Kunststück an einem solchen Ort.

Da hinten – zweifach behütet – braut Josef Rabl mit Naturdoldenhopfen seine Lengerbräu-Spezialitäten:

bierfest (7)bierfest (6)bierfest (3)bierfest (4)bierfest (5)bierfest (2)bierfest (1)Acht Haus- und Hofbrauereien (fast keine hat eine Website…) sowie das Hofbräuhaus Freising schenkten aus. Hofbräuhaus Freising:

bierfest (13)Urban Chestnut – Wolnzach:

bierfest (14)Brauerei Pesenlern:

bierfest (8)Bayerisch-Böhmisches Brauhaus – Wolfersdorf:

bierfest (26)Zebedäus Bräu – Niederösterreich:

bierfest (11)Heidebräu – Zolling und Postbräu – Osseltshausen:

bierfest (10)Brauwerkstatt – Haag a. d. Amper:

bierfest (12)Last but not least – die Gastgeber: Brauerei Lengerbräu – Rudertshausen:

bierfest (15)bierfest (16)Bekenntnis eines Gastes zu einer Traum-Brauerei in Pataluma und Chicago/USA: Lagunitas:

bierfest (9)bierfest (19)bierfest (24)bierfest (17)bierfest (20)bierfest (23)Soll ich Bescheid geben? In Sachen Termin 2016?

Über allen Gipfeln Ist Ruh und das Zucker(l)

Wirte und Produzenten zu finden, die im Sinne von Slow Food gut, sauber und fair arbeiten, ist die Aufgabenstellung des Produzenten– und Genussführers. Letzterer ist schon weit gediehen (Buch, 2. Ausgabe!), Ersterer (Mammutaufgabe!) steckt noch in den Kinderschuhen. An beiden Projekten arbeitet Slow Food Ingolstadt leidenschaftlich mit.

Will man vor seiner Haustüre kehren, sollte man wissen, wo diese ist. Selbstbewusstsein ist gefragt: Für welche Region ist Slow Food Ingolstadt ganz konkret verantwortlich? In sehr freundschaftlicher Abstimmung mit unseren Nachbarconvivien (das sind im Uhrzeigersinn: Nürnberg, Niederbayern, München, Augsburg und Altmühlfranken) wurde die Frage beantwortet. Im Ergebnis bestätigten sich territorial zunächst 95% der seit Jahren gelebten Gefühlslage. Und en passant kam heraus, dass es nach Osten hin keine gemeinsame Grenze mit Slow Food Regensburg-Oberpfalz gibt… schade eigentlich.

Zu Slow Food Ingolstadt gehören damit die Landkreise Eichstätt, Pfaffenhofen, Neuburg/Schrobenhausen und die Stadt Ingolstadt. Und die restlichen 5%? Das sind die Städte Riedenburg und Dietfurt a.d. Altmühl. Hier signalisierte das Convivium Niederbayern alte Jagdgründe… Georg Flingelli ist der Häuptling der Niederbayern. Er ist nicht nur hochsympathisch, sondern auch sehr weise… Seht her: Jedes Jahr im Sommer – für alle Zukunft – wird das Convivium Ingolstadt den Niederbayern Freibier andienen (Gerhard Polt: “The idea of Freibier in Bavaria is deeply religious!”) – vom Riedenburger Brauhaus im Gasthof Stirzer in Dietfurt! Vor zwei Wochen wurde die Übung begonnen:

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Auf der Zielgerade gab es von Flingelli zwar noch einen Nachverhandlungsversuch:

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Zu spät. Über Riedenburg und Dietfurt weht die richtige 😉 Fahne. Stirzer-Wirt Sepp Hierl ist Zeuge!

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Es war ein sehr genüsslicher und langer Abend an unserer gemeinsamen Tafelrunde. Auch Braumeister Max Krieger und seine Frau Katrin gesellten sich dazu – Danke für die beiden Fässer!

Freu mich bereits heute auf nächstes Jahr… Mein absolutes Lieblingsgericht vor Ort: Nudelfleckerl mit Speck/Krautfüllung (mit zerlassener Butter und frisch geriebenem Hartkäse):

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Nicht wenige blieben über Nacht. Am nächsten Morgen war nämlich noch eine gemeinsame Wanderung entlang der Weißen Laber angesetzt. Eine herrliche Landschaft. Wie eigentlich immer zuseiten von Gewässern… Wandern macht durstig. Wir kamen durch Oberbürg. Niemand hatte hier das Gasthaus Zucker auf dem Schirm. Das Nasenschild mit dem Wappen des Winklerbräus Berching löste rundherum unverzüglich breites Lächeln aus:

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Wandern macht auch hungrig. Es war späte Mittagszeit. Die Ersten begannen in der sehr übersichtlichen (gut!) Karte zu blättern. Auf den Tischen fand ich diese beachtliche Begrüßung:

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Eigene Landwirtschaft. Eigene Tiere. Eigene Schlachtung. Der Senior-Wirt Xaver Zucker ist gelernter Metzger und “fasste … 1993 den Entschluss, sich noch mehr den Gästen zu widmen und die Arbeit bei Audi aufzugeben” (Donnerwetter – das kennt man leider nur umgekehrt!). Schwiegersohn Michael Kniffka ist ebenfalls Metzger. Seine Frau Christine gelernte Köchin. Es war klar: Wir hatten eine Perle rausgetaucht!

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Es war köstlich! Die saisonalen, frischen Salate. Die Spätzle, die verschiedenen Soßen, Griesnockerl – alle hausgemacht. Ohne industrielle Helferlein. Bratwurst, Blutwurst, Leberwurst, Schinken und Presssack – zum Mitnehmen – allesamt ohne Geschmacksverstärker.

Xaver und Maria Zucker (die Kniffkas scheuen die Kamera):

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Gasthaus Zucker, Oberbürg 7, 92345 Dietfurt, Tel. 08464/569 (keine Website). Montag Ruhetag. Sonn- und feiertags Mittagstisch. Brotzeiten immer.

Oberbürg ist ein Stadtteil von Dietfurt…………..! Unsere Genussführergruppe ist nicht immer zu beneiden… dieser Kandidat ist eine Beglückung!

Zu guter Letzt noch ein Tipp: Die Niederbayern haben einen ganz ausgezeichneten Blog: (s)lower bavaria

Fingerzeig (24) – Donaupoint ist umgezogen

Seit Oktober letzten Jahres kann man in Ingolstadt (endlich) nach Herzenslust handwerklich gebrautes Bier – Craft Beer – einkaufen. Die vielfältige Auswahl in Michael Kennes Donaupoint ist nahezu unbegrenzt. Deshalb schätze ich den Laden. Und weil er ihn in der Altstadt angesiedelt hat. Es sind individuelle Geschäfte wie diese, die wir für eine lebendige, attraktive Innenstadt so dringend benötigen. Und endlich mag ich ihn, weil er Slow Food Unterstützer ist :-)

Seit einigen Tagen erwartet den Hopfen- und Malz-Liebhaber an vertrauter Stätte nunmehr diese Nachricht:

donaupoint umzug1Also, nur wenige Meter weiter in die Sauerstraße gehen und dann nach links, in eine Gasse, namentlich wie gemacht für das neue Domizil!

donaupoint umzug2Hans Fegerts “Alte Ingolstädter Brauereien und Wirtshäuser” gibt dazu bewährt zu Protokoll: “Hans Kärling, genannt “der Hell”, gründete im Jahre 1613 den “Höllbräu” … avancierte der “Höllbräu”, was den Bierausstoß betraf, im Jahre 1885 zum drittgrößten Braubetrieb in der Stadt.”

Die Verkaufsfläche hat sich mehr als verdoppelt, hinter den Kulissen gibt es Lagerfläche satt. Es wird jetzt auch ausgeschenkt! Man kann im Außenbereich sitzen. Im vorderen Bereich ist gar eine kleine Gastronomie geplant und im Untergeschoss entstehen Seminar- und Verkostungsräume. Der Hammer: Vor Ort wird auch gebraut werden!

donaupoint umzug3Weiter viel Erfolg Michael!

(23) – Fingerzeig – (25).

Fingerzeig (21) – Bin mit dem Radl da

Vor zehn Jahren eröffnete Hans Eckl in der Münchener Straße 32 seinen Schwedenschimmel. Zeitgleich wohnte ich genau gegenüber – und wurde so Gast der ersten Stunde. Eine wunderbare Örtlichkeit!

schimmel1Seine Namenswahl hat mir schon immer sehr gut gefallen. Zum Hintergrund, insbesondere für Nicht-Ingolstädter: Wenige Fußschritte neben dem heutigen Haus erkundete Schwedenkönig Gustav Adolf am Morgen des 30. April 1632 auf seinem weißen Pferd das Gelände (Dreißigjähriger Krieg/Ingolstadt wurde belagert, aber nicht(!) eingenommen). Dabei gelang es einem aufgeweckten Kanonier aus der Eselsbastei (Neues Schloss/Nordufer der Donau) dem Gekrönten das Tier förmlich unter dem Hintern wegzuschießen. Nach Abzug der Schweden verbrachten die Schanzer die Trophäe in die Stadt. Sie gilt als ältestes erhaltenes Tierpräparat Europas und steht heute im Raum 17 des Stadtmuseums – “Originalpferd des Schwedenkönigs Gustav Adolf, Beutestück der Ingolstädter von der Belagerung durch die Schweden 1632″.

Einer der ersten Stammgäste war übrigens – kein Witz – ein Schwede… Zum Zehnjährigen hat sich Hans nunmehr folgendes einfallen lassen:

schimmel3Eine Radtrikotage. Sie ist für 50,00 EUR seit Ende April im Schwedenschimmel in den Größen S/M/L und XL erhältlich. Wer nunmehr mit dem Radl – nach mehr oder weniger sportlicher Tour und natürlich mit angezogenem(!) Trikot – beim Schwedenschimmel einkehrt, bekommt sein erstes Bier frei aufs Haus. Zur Auswahl stehen die feinen Gebräue von Gutmann und Riedenburger – der Kenner weiß auch um deren alkoholfreie und leichte Varianten:

schimmel4schimmel5Die Aktion gilt einmal pro Tag bis zum 31.12.2015. Das Trikot heute noch geholt, und morgen nach der ersten Tour vorbeigeradelt – 233 Biere könnten es werden… :-) wenn man den Wirt schädigen möchte… :-( By the way – der Schwedenschimmel unterstützt Slow Food!

schimmel2(20) – Fingerzeig – (22).

Nachspiel zum Biergenuss

Die ersten Ingolstädter Bier-Genuss-Tage (01. bis 03.05.2015) sind vorbei. Ich fand sie überaus gelungen! Wie auch schon die beachtliche 12-seitige Veranstaltungszeitung dazu, die ich (ausnahmsweise) sogar aufheben werde. Und nach allem was bisher zu hören war, wird es nächstes Jahr eine Fortsetzung geben – ich bitte ausdrücklich darum Alexander Herzog! Vielleicht könnte (sollte!) man dafür dann noch an der Verpflegungsschraube drehen…

Nach dem Vorspiel hier das (unvollständiges) Nachspiel:

Lieber Marco Dombek – ein IPA einfach so zu nennen ist… grandios!

bg1Mein Spitzenreiter an diesem Wochenende: Der Doppelbock vom mittelfränkischen Red Castle Brew (10 Monate im Slyrs-Fass gereift):

bg2Faktisch unbekannt: Nur unter dem Label “Kloster-Brauerei Scheyern” befinden sich die Biere (ca. 6.000 hl/Jahr) der Benediktinermönche von Scheyern in der Flasche! Hier wurde von 1119 bis 1991 gebraut – und seit März 2006 wieder. Die Nürnberger Brauerei Tucher braut (mit eigener Rezeptur) die Linie “Kloster Scheyern” (ca. 70.000 hl/Jahr). Ein weiteres – neben dem Geschmack! – Unterscheidungsmerkmal: Die Biertragl aus dem Kloster sind rot und schwarz, die von Tucher pastellgelb:

bg3Eine familiengeführte klassische Wirtshaus-Brauerei (seit 1639) ist die von Christian Zwanzger im fränkischen Aischgrund (Uehlfeld). Kommen wieder die Monate mir “r” habe ich hier bereits fest ein Karpfenessen eingeplant:

bg4Im Herzen des größten Hopfenanbaugebiets der Welt – der Hallertau – sind unverständlicherweise Brauereien Mangelware. Schaut man genau hin, gibt es sie aber doch: Und dann gleich eine so Anständige: Im Bründlweg 1 im winzigen Larsbach (gehört zu Wolnzach) braut die Familie Stanglmayr (Tel. 08442/2068) in ihrem Lampl-Bräu köstliche, handwerklich hochfeine Spezialitäten. Besuch vor Ort ist geplant!

bg5Was soll ich (noch) sagen? Einer meiner absoluten Lieblingsbrauer – Max Krieger vom Riedenburger Brauhaus:

bg6Die Kriegers sind Unterstützer von Slow Food. Schon lange. Als es Slow Food Ingolstadt noch nicht gab, waren sie dem Convivium Nürnberg zugeteilt. Jetzt sind sie zu Hause… Lieber Claus Fesel (Leiter Slow Food Nürnberg): Wir passen gut auf sie auf, versprochen!

Tilman Ludwig war auch im Haus. Es gelang mir offensichtlich nicht (mehr), ihn scharf ins Bild zu bringen… Sein Helles sollte man aber trotzdem im Auge haben:

bg7Kompliment an Herrnbräu! Exklusiv für die Bier-Genuss-Tage haben sie etwas zusammengebraut: Einen schmackhaften Doppelbock:

bg9Beim Stand von Hofmühl – noch nie gesehen, noch nie probiert: Bierstacheln. Von Schmieden erfunden. Ein heißer Stahlstab lässt, kurz ins Bier getaucht, dessen Restzucker karamellisieren. Das Bier verliert zudem Kohlensäure und wird einen Tick süffiger, der Schaum feinporig und stabil:

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